Radsport: Dicht gedrängter Rennkalender unter Vorbehalt

Strade Bianche 2019

UCI veröffentlicht Renntermine

Radsport: Dicht gedrängter Rennkalender unter Vorbehalt

Von Michael Ostermann

Der Radsport will seine Saison am 1. August wieder aufnehmen - mit einem prall gefüllten Rennkalender. Der am Dienstag vorgestellte Rennkalender der UCI ist danach prall gefüllt, was die Teams vor große Herausforderungen stellen wird. Aber ob die Termine zu halten sein werden, ist ohnehin fraglich.

Der Radsport bestreitet seine Rennen derzeit nur auf virtuellen Plattformen. Ein schwacher Trost für die vielen wegen der Corona-Pandemie abgesagten Klassiker und Rundfahrten. "Jetzt zu Zeiten, wo kein normaler Radsport möglich ist, ist es eine gute Alternative, ist einfach besser als Nichts, aber ich bin der Meinung, dass das mit dem echten Radsport einfach viel zu wenig zu tun hat", hat der deutsche Meister auf der Straße, Maximilian Schachmann, kürzlich erklärt.

"Höllischer Rhythmus"

Richtigen Radsport wird es aber frühestens ab dem 1. August wieder geben. So zumindest sieht es der neue Rennkalender vor, den der Radsportweltverband UCI am Dienstag (05.05.2020) bekannt gegeben hat. Dann aber soll so viel wie möglich von dem nachgeholt werden, was in den ersten sechs Monaten vor allem auf Europas Straßen nicht zur Aufführung kam - Frühjahrsklassiker, Giro d'Italia, Tour de France, Spanien-Rundfahrt.

"Schade ist, ist dass man Klassiker teilweise parallel zum Giro fährt, das finde ich fast ein wenig respektlos. Zumal man die Saison auch hätte weiter verlängern können, um das zu vermeiden", sagt Bora-Hansgrohe-Teamchef Ralph Denk. "Das wichtigste ist aber, dass alle großen Rennen drin sind." Damit sei die mediale Präsenz gesichert. Bora-Fahrer Emanuel Buchmann sagte: "Mein Ziel ist und bleibt die Tour de France, da hat sich nichts geändert."

Der Rennkalender für die zweite Saisonhälfte ist prall gefüllt. "Ein höllischer Rhythmus", titelte die französische Sportzeitung "L'Equipe" angesichts des dicht gedrängten Programms. Von einem "außergewöhnlichen Kalender in einer außergewöhnlichen Situation" sprach der der Direktor der Tour de France, Christian Prudhomme. Und weil die Situation außergewöhnlich bleiben wird, steht auch der neue Terminplan auf wackligen Füßen. "Die Wiederaufnahme unserer Aktivitäten werden weiter davon abhängen, wie sich die weltweite Gesundheitssituation entwickelt", musste UCI-Präsident David Lappartient einräumen.

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Tourstart Ende August fraglich

Vor allem hinter dem Start der Tour de France, der für das wirtschaftliche Überleben des Radsports von zentraler Bedeutung ist, steht weiterhin ein großes Fragezeichen. Der anvisierte Termin für den Grand Départ in Nizza ist der 29. August. Doch in Frankreich, wo die Corona-Pandemie sehr viel härtere Beschränkungen nach sich gezogen hat als etwa in Deutschland, sind Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern bis Mitte September nicht erlaubt. Im vergangenen Jahr gehörten alleine 4.500 Personen inklusive der Teams und Medienvertreter zum Tross der Tour. Selbst ohne die verzichtbare Werbekarawane wären noch rund 4.000 Personen beteiligt.

Fest steht, wenn es für die Tour de France keine Sonderregelung geben sollte, müsste die Rundfahrt ohne Zuschauer entlang der Strecke stattfinden. Das aber hat Prudhomme bereits ausgeschlossen. Sollte der Tourdirektor seine Meinung diesbezüglich ändern, bliebe die Frage, wie sichergestellt werden könnte, dass die Zuschauer nicht doch an die Straßen strömen, um einen Blick auf die Radprofis zu erhaschen. Bei der Tour de France 2019 sicherten bereits 29.000 Gendarmen die Strecke - ohne Zuschauerausschluss.

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Herausforderungen für die Teams

Unklar ist auch, ob im August in Italien schon Radrennen möglich sein werden. Dort hat das Coronavirus besonders großen Schaden angerichtet. Und dort soll nach dem geplanten UCI-Kalender am 1. August auch das erste Rennen stattfinden. Das im März abgesagte Eintagesrennen Strade Bianche soll den Auftakt bilden. Eine Woche später soll der Klassiker Mailand-Sanremo stattfinden.

Danach geht es Schlag auf Schlag. Für die World-Tour-Teams, die verpflichtet sind, bei den großen Rennen zu starten, bedeutet der vollgepackte Rennkalender eine immense Herausforderung - sportlich und organisatorisch. Die Entscheidung darüber, welcher Fahrer an welcher Landesrundfahrt und welchen Klassikern teilnehmen soll, dürfte für die Verantwortlichen so schwierig wie noch nie werden.

Monumente parallel zum Giro

Besonders im Oktober bekommen die Fahrer und ihre Mannschaften die geballten Terminprobleme zu spüren: Der Giro d'Italia, die zweite große Landesrundfahrt, soll verkürzt vom 3. bis 25. Oktober stattfinden. Trotz der Verkürzung kollidiert der Giro dann mit der Vuelta a Espana, die am 20. Oktober beginnen und am 8. November enden soll. Zudem sind während des Giro mit den Klassikern Lüttich-Bastogne-Lüttich (4. Oktober), der Flandern-Rundfahrt (14. Oktober) und Paris-Roubaix (25. Oktober), das parallel zum Giro-Finale angesetzt ist, gleich drei "Monumente des Radsports" geplant.

Deutschland ist nach der Umgestaltung des Radsport-Kalenders bislang der große Verlierer - noch ist kein einziges deutsches Rennen vorgesehen. Die beiden deutschen World-Tour-Rennen, die Hamburg Cyclassics und Eschborn-Frankfurt, wurden noch nicht terminiert. Radsport-Manager Denk ist besorgt: "Ich hoffe da findet man noch eine Lösung, das wäre vor allem für den deutschen Radsport wichtig". Die nationalen Meisterschaften sollen am Wochenende vor Beginn der Tour de France stattfinden.

Paris-Roubaix für Frauen

Fast nebenbei hat die UCI auch für den Frauen-Radsport eine wichtige Entscheidung getroffen. Erstmals werden auch die Frauen den Kopfsteinklassiker Paris-Roubaix bestreiten. Das Rennen soll am 25. Oktober parallel zum Männer-Rennen stattfinden. "Es ist ein Fortschritt für den Frauen-Radsport, ein weiteres Monument in den Kalender aufzunehmen", sagte die sportliche Leiterin Ina-Yoko Teutenberg vom Team Trek-Segafredo.

UCI World Tour-Kalender
DatumRennen
1. AugustStrade Bianche (Italien)
5.-9. AugustPolen-Rundfahrt (Polen)
8. AugustMailand-Sanremo (Italien)
12.-16. AugustCritérium du Dauphiné (Frankreich)
16. AugustPrudential RideLondon-Surrey Classic (Großbritannien)
25. AugustBretagne Classic - Ouest-France (Frankreich)
29. August - 20. SeptemberTour de France (Frankreich)
7. - 14. SeptemberTirreno-Adriatico (Italien)
11. SeptemberGrand Prix Cycliste de Québec (Kanada)
13. SeptemberGrand Prix Cycliste de Montréal (Kanada)
29. September - 3. OktoberBinckBank Tour (Niederlande/Belgien)
30. SeptemberLa Flèche Wallonne (Belgien)
3. - 25. OktoberGiro d'Italia (Italien)
4. OktoberLüttich-Bastogne-Lüttich (Belgien)
10. OktoberAmstel Gold Race (Niederlande)
11. OktoberGent-Wevelgem (Belgien)
14. OktoberDwars Door Vlaanderen (Belgien)
15. - 20. OktoberGree - Tour of Guangxi (China)
18. OktoberFlandern-Rundfahrt (Belgien)
20. Oktober - 8. NovemberVuelta Ciclista a Espana (Spanien)
21. OktoberDriedaagse Brugge-De Panne (Belgien)
25. OktoberParis-Roubaix (Frankreich)
31. OktoberLombardei-Rundfahrt (Italien)

mit sid | Stand: 05.05.2020, 20:15

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