Die Favoriten - Pogacar und Roglic rüsten sich zum nächsten Duell

Primoz Roglic (R) spricht mit seinem Landsmann Tadej Pogacar

Tour de France - Titelverteidiger im Fokus

Die Favoriten - Pogacar und Roglic rüsten sich zum nächsten Duell

Von Olaf Jansen

Tadej Pogacar gegen Primoz Roglic - das packende slowenische Duell aus dem vergangenen Jahr könnte auch die Tour 2021 prägen. Vor allem Team Ineos mit Geraint Thomas will aber im Kampf um den Gesamtsieg mitmischen.

Tadej Pogacar gegen Primoz Roglic - das packende slowenische Duell aus dem Vorjahr, als der junge Herausforderer Pogacar dem acht Jahre älteren Landsmann den sicher geglaubten Gesamtsieg beim Zeitfahren am vorletzten Tag noch aus den Händen riss, könnte in diesem Jahr in seine zweite Runde gehen.

Wohin auch immer sich die Expertenblicke richten, wer auch immer zu welchem Detail gefragt wird - eigentlich alle Fachleute sind der Meinung, dass die beiden Slowenen auch die Tour de France 2021 dominieren werden. Die beiden Protagonisten sind sich ihrer Sache - verständlicherweise - lange nicht so sicher. Während Pogacar davon spricht, dass der Parcours 2021 ihm eher nicht so entgegenkomme, erwartet Roglic sogar "bis zu 20 Jungs, die heiß auf den Gesamtsieg" sind. Ein Blick auf die Favoriten:

Tadej Pogacar (22, UAE Emirates)

Der Weg zum Gesamtsieg bei der Tour geht nur über den Titelverteidiger. Tadej Pogacar hat im vergangenen Jahr bewiesen, was für ein ungeheuer großes Talent er für Rundfahrten hat. Vielleicht noch wichtiger: Er hat bewiesen, dass er unglaublich schnell lernen kann. Daher geht Pogacar nun - auch wenn er erst 22 ist - mit einem gehörigen Erfahrungsschatz in seine zweite Tour.
Der in der Nähe Monacos lebende Slowene hat sich akribisch auf die Frankreich-Rundfahrt vorbereitet. Schon im Mai gab es Bilder, auf denen er gemeinsam mit seinen UAE-Teamkollegen bei der Tour-Streckenbesichtigung durch Tiefschnee stapfend zu sehen war. Zuletzt bei der Slowenien-Rundfahrt zeigte sich die Mannschaft bärenstark. Pogacar gewann die Rundfahrt souverän vor Teamkollege Diego Ulissi, Rafael Majka wurde Vierter. Nachholbedarf scheint allerdings im Zeitfahren zu bestehen. Bei den slowenischen Meisterschaften belegte Pogacar nur Rang drei - in Abwesenheit von Primoz Roglic übrigens.

Tadej Pogacar
Alter22
Erfolge 2021Gesamtwertung UAE-Tour
Gesamtwertung Tirreno-Adriatico
Sieger Lüttich-Bastogne-Lüttich
Gesamtwertung Slowenien-Rundfahrt
Wichtigste HelferMarc Hirschi
Brandon McNulty
Rafal Majka

Primoz Roglic (31, Jumbo-Visma)

Der Vorjahreszweite hat sich rar gemacht in den letzten Wochen vor der Tour de France. Weder bei der Dauphiné noch bei der Tour de Suisse war Roglic am Start - der Slowene bereitete sich lieber in zwei Höhentrainingslagern in der Sierra Nevada und in Tignes auf die Tour vor. "Es wird kein Zweikampf zwischen Tadej und mir. Ich erwarte rund 20 Jungs, die um den Gesamtsieg kämpfen", glaubt Roglic.
Mit seinen Kletterfähigkeiten und der enormen Tempohärte auf welligem Terrain ist der Parcours dennoch in diesem Jahr noch einmal besser auf Roglic zugeschnitten als auf jeden anderen Starter. Dennoch wollen sie im Team Jumbo-Visma das persönliche Duell zwischen Pogacar und Roglic nach Möglichkeit so oft wie möglich verhindern und Pogacar schon vor den Bergen mit aggressiver Fahrweise, Nadelstichen und Windkantenfahrweise schrecken und aus der Balance bringen. Man darf erwarten: Jumbo-Visma wird Pogacar vom ersten Tag an angreifen.

Primoz Roglic
Alter31
Erfolge 2021Drei Etappen bei Paris-Nizza
Gesamtwertung Baskenland-Rundfahrt
Wichtigste HelferRobert Gesink
Sepp Kuss
Steven Kruijswijk

Geraint Thomas (35, Team Ineos Grenadiers)

Der 35-jährige Waliser geht in seine insgesamt elfte Tour de France - und kann damit auf die weitaus größte Erfahrung aller Anwärter auf den Gesamtsieg in die Rundfahrt gehen. Zudem kommt dem Sieger von 2018 und Zweiten von 2019 der Kurs entgegen: Thomas ist ein Allrounder, der die angekündigte aggressive Fahrweise seines Teams vom ersten Tag an mittragen könnte.
Allein: Nachdem Thomas 2020 wegen Formschwäche nicht von seinem Team nominiert worden war, ist es fraglich, in welcher Verfassung er diesmal antreten kann. Ein Etappensieg und Gesamtrang drei bei der Dauphiné machen zuversichtlich, zumal das Team eminent stark ist. Teamkollege Richie Porte wurde Dauphiné-Gesamtsieger und könnte als Teamkapitän auch bei der Tour einspringen, falls Thomas schwächelt. Das ist aber auch Richard Carapaz zuzutrauen, der im Vorfeld die Tour de Suisse für sich entschieden hat.

Geraint Thomas
Alter35
Erfolge 2021Gesamtwertung Tour de Romandie
Eine Etappe Dauphiné
Wichtigste HelferRichie Porte
Richard Carapaz
Tao Geoghegan Hart

Julian Alaphilippe (29, Deceuninck-Quickstep)

Als Julian Alaphilippe kürzlich - auf Gesamtrang drei liegend - nicht zur Schlussetappe der Tour de Suisse antrat, hatte er den bestmöglichen Grund für die Absenz: Der 29-Jährige wurde zum ersten Mal Vater und dürfte nun mit noch mehr Schwung in die Rundfahrt in seinem Heimatland gehen. "Jetzt oder nie" werden sie im Hause Alaphilippe denken, denn die Tour-Verantwortlichen haben einen Kurs gebaut, der Alaphilippe größtmöglich entgegenkommt. Noch nie dürften Klassiker-ähnliche Etappen eine derart große Rolle bei einer Tour de France gespielt haben, wie in diesem Jahr. Schon auf den ersten beiden Teilabschnitten ist ein Alaphilippe-Feuerwerk zu erwarten. Es wird für den Weltmeister von 2020 darum gehen, sich zu Beginn der Rundfahrt derart viel Vorsprung zu erarbeiten, dass er die nur drei Bergankünfte dieses Jahres unbeschadet übersteht. Möglich scheint es - Alaphilippe hat schon oft genug bewiesen, "normale" Bergetappen ganz vorn beenden zu können.

Julian Alaphilippe
Alter29
Erfolge 2021Eine Etappe Tirreno-Adriatico
Fleche Wallone
Wichtigste HelferKasper Asgreen

Wilco Kelderman (30, Bora-hansgrohe)

Schon frühzeitig entschied sich das deutsche Team Bora-hansgrohe für Wilco Kelderman als Teamkapitän für die Tour 2021. Der letztjährige Tour-Vierte Emanuel Buchmann musste sich dem unterordnen und war urspünglich gar nicht für das Tour-Team vorgesehen. Dass Buchmann nun doch startet, ist seinem Sturz beim Giro geschuldet, der ihm die Chancen bei der Italien-Rundfahrt raubte. Nun wird der Deutsche als Edelhelfer Keldermans doch bei der Tour mitfahren.
Kelderman gilt schon seit Jahren als vielversprechendes Talent für Rundfahrten. Schon oft hat der emsige Kletterer im Hochgebirge gezeigt, zu welch fantastischen Leistungen er fähig ist. Sein erstes richtiges Top-Resultat gelang dem Niederländer aber erst im vergangenen Jahr, als er Dritter beim Giro wurde. Für den 30-Jährigen wird es darauf ankommen, sturzfrei durch die erste Woche zu kommen und im Hochgebirge dann zuzuschlagen. Und zu hoffen, dass ein schwacher Tag ausbleibt. Denn fehlende Konstanz kostete ihn bei einer dreiwöchigen Rundfahrt schon des Öfteren ein Top-Resultat.

Wilco Kelderman
Alter30
Erfolge 2021-
Wichtigste HelferEmanuel Buchmann
Lukas Pöstlberger
Patrick Konrad

Stand: 21.06.2021, 09:25

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