Ruder-WM in Tschechien Zeidler holt Gold - und kritisiert Verband

Stand: 25.09.2022 18:42 Uhr

Oliver Zeidler hat dem Deutschen Ruderverband am Ende einer historisch schwachen Ruder-WM das erhoffte Gold beschert - und seine Kritik am Verband erneuert.

Im Einer-Finale der Titelkämpfe im tschischen Racice verwies der Weltmeister von 2019 den favorisierten Europameister Melvin Twellaar aus den Niederlanden und den Briten Graeme Thomas auf die Plätze zwei und drei.

Anders als beim enttäuschenden vierten Rang bei der Heim-EM in München vor sechs Wochen ging die Taktik des 26-Jährigen diesmal auf. Im Schlussspurt zeigte er sein Können und rettete einen Vorsprung von einer knappen Bootslänge ins Ziel. Am Ende fehlte ihm dann sogar die Kraft zum Jubeln. Erst bei der Siegerehrung lächelte Zeidler wieder. Auf den Schultern seiner beiden Kontrahenten posierte er für die Fotografen.

"Auf dieses Erfolgserlebnis habe ich lange gewartet. Es ist ein Booster fürs Selbstbewusstsein", sagte Zeidler. "Wenn man solch eine Regatta gewinnt, kann man sich auf die Schulter klopfen."

Jan Didjurgeit, Sportschau, 25.09.2022 16:21 Uhr

Probleme beim DRV offensichtlich

Der beherzte Auftritt von Zeidler kann jedoch nicht über die großen Probleme des DRV hinwegtäuschen. Außer mit dem Einer und dem Frauen-Doppelzweier, der am Sonntag Sechster wurde, war der größte Ruderverband der Welt in keinem anderen der insgesamt 14 Finalen der olympischen Klassen vertreten.

Eine solch schwache Gesamtbilanz hat es seit der Einführung der WM im Jahr 1962 noch nie gegeben. Das dürfte die ohnehin schon emotional geführte Reformdebatte zwischen DRV-Spitze und Sportlern verstärken. "Insgesamt sind wir weit weg von der Weltspitze. Wir müssen jetzt ganz schnell mit der harten Arbeit beginnen", sagte Trainer Uwe Bender.

Zeidler erneuerte nach dem Wettkampf seine Kritik am Verband mit deutlichen Worten.

Es ist Leistungssport, da kommt es auf Leistung an. Und wenn die nicht gebracht wird, und das darauf zurückzuführen ist, dass jemand seine Arbeit nicht in dem Umfang macht, wie es auch von den Athleten verlangt wird, dann ist das einfach ungenügend und dann muss man die entsprechenden Konsequenzen ziehen.
Oliver Zeidler

Oliver Zeidler: "Dann muss man Konsequenzen ziehen"

Sportschau

Achter gewinnt B-Finale

Selbst der über Jahre erfolgreiche Deutschland-Achter verpasste erstmals seit Peking 2008 den Endlauf, gewann aber am letzten WM-Tag immerhin das B-Finale vor China. Wie der Achter beendete auch Einer-Fahrerin Alexandra Föster als Siegerin des B-Finales die Regatta als Siebte.