Titelkampf - nur ein Sieg bei City kann Chelsea noch helfen

Chelsea-Stürmer Romelu Lukaku (r) ist nicht ganz zufrieden.

Fußball | Premier League

Titelkampf - nur ein Sieg bei City kann Chelsea noch helfen

Von Christian Hornung

Bei zehn Punkten Rückstand auf Manchester City muss der FC Chelsea das Topspiel beim Guardiola-Klub gewinnen, um eine Mini-Chance auf den Titel in der Premier League zu behalten.

Es ist erst ein gutes halbes Jahr her, da feierte Thomas Tuchel den größten Erfolg seiner Trainerkarriere. Der kurz zuvor in Paris entlassene deutsche Coach fügte Pep Guardiola, mit dem er spätestens seit gemeinsamen Bundesliga-Zeiten ein besonderes Verhältnis pflegt, eine seiner zahlreichen schmerzhaften Momente in der Königsklasse zu: Kai Havertz schoss den FC Chelsea am 30. Mai im Finale von Porto zum durchaus verdienten 1:0-Erfolg.

Vor dem Wiedersehen am Samstag um 13.30 Uhr (15.01.22, Ausschnitte in der Sportschau ab 18 Uhr und Liveticker bei sportschau.de) haben sich die Kräfteverhältnisse zumindest in der Liga wieder so sehr zugunsten der "Citizens" verschoben, dass es sich gar nicht mal so unterwürfig anhört, wenn der Champions-League-Sieger Tuchel über den Gegner sagt: "Sie sind das Maß aller Dinge und die beste Mannschaft in England. Man muss am Limit sein, wenn man mit Man City mithalten will."

Mickrige Bilanz von Lukaku

Am Limit - da sind die "Blues" zurzeit ganz sicher nicht, auch wenn sie gerade im Ligapokal mit einer vor allem defensiv sehr guten Leistung gegen Tottenham Hotspur das Finale erreicht haben. Im Spiel nach vorne läuft aber vieles ziemlich unrund, und das hat auch mit der merkwürdigen Posse um Romelu Lukaku zu tun.

Der Belgier, der nach dem Triumph in der Königsklasse für 115 Millionen Euro von Inter Mailand verpflichtet worden war, sollte eigentlich das letzte fehlende Puzzleteil sein, um in Europa nachhaltig eine dominierende Rolle zu spielen. Doch Lukaku kam nie in einen richtigen Rhythmus, hat nach 21 Ligaspielen nur acht Startelfeinsätze und für seine Verhältnisse mickrige fünf Saisontore und einen Assist auf dem Konto.

Mit den Fans verscherzt

Rund um den Jahreswechsel gab Lukaku dann "Sky Italia" ein denkwürdiges Interview, das ihm bei Chelsea eine Geldstrafe von etwa 500.000 Euro und Riesenärger mit den Fans und Tuchel bescherte. Der Angreifer erklärte in dem Gespräch seinen Unmut über seine Rolle bei den "Blues" und sagte, er würde gern "in naher Zukunft zu Inter Mailand zurückkehren".

Chelsea ließ Lukaku daraufhin zum Rapport antanzen, Tuchel warf ihn beim 2:2 gegen den FC Liverpool aus dem Kader. Der Belgier musste sich öffentlich bei allen Beteiligten entschuldigen, daraufhin begnadigte ihn Tuchel, die Fans an der Stamford Bridge taten dies aber noch nicht.

Werner trifft nicht mehr

Das Problem: Sportlich sind die "Blues" auf einen fitten und engagierten Lukaku angewiesen. Denn außer Mason Mount (sieben Saisontore) schwächelt der Rest der Offensivabteilung: Christian Pulisic steht bei drei Treffern, Kai Havertz bei zwei, Callum Hudson-Odoi, Hakim Ziyech und Timo Werner haben je erst ein einziges Tor erzielt.

Dabei hatten viele Experten vor der Saison eher Man City mit dem Genickschlag der Finalpleite schwierige Zeiten prophezeit, zudem platzten die Transferträume um Harry Kane und Cristiano Ronaldo. Doch Guardiola machte weiter wie gehabt, auch ohne einen vermeintlichen Top-Knipser im Angriff wie Lukaku. Bei City verteilt sich die Last des Toreschießens wie gewohnt mehr oder weniger gleichmäßig auf ganz viele Schulterpaare: Bernardo Silva, Raheem Sterling haben je siebenmal getroffen, Riyad Mahrez sechsmal, Kevin De Bruyne und Phil Foden je fünfmal und Ilkay Gündogan viermal.

Elf Siege in Serie

Vor allem in den vergangenen beiden Monaten spielt City die Konkurrenz in Grund und Boden, nimmt das Selbstvertrauen aus elf Siegen in Serie mit in das Spitzenspiel. Tuchel findet für die unterschiedliche Entwicklung seit Anfang Dezember keine richtig gute Erklärung: "Vielleicht ist es Pech, vielleicht machen sie es besser oder was auch immer, aber sie haben weniger Verletzungen von Schlüsselspielern."

Manche betrachteten dieses Statement als Ausrede, allerdings passte die Nachricht am Vorabend der Partie ganz gut dazu: Das angeblich vom FC Barcelona und auch von Borussia Dortmund umworbene Abwehr-As Andreas Christensen verpasst das Duell mit City wegen einer Coronaerkrankung.

Stand: 14.01.2022, 17:58

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