Rigobert Song, Trainer Kamerun

FIFA WM 2022 WM nach Schlaganfall - Kameruns Coach Song und das "Wunder"

Stand: 27.11.2022 15:42 Uhr

Der frühere Kölner Rigobert Song will als Cheftrainer seines Heimatlandes Kamerun in Katar weit kommen. Dass er die WM 2022 nach einem Schlaganfall überhaupt erlebt, nennt er ein "Wunder".

Rigobert Song ist sich über die Besonderheit seiner WM-Teilnahme bewusst. "Ich bin ein Wunder", sagt der Nationaltrainer Kameruns. Am 2. Oktober 2016 war der damals 40-Jährige in seinem Haus nahe Jaunde zusammengebrochen. Die Diagnose: Schlaganfall.

OP in Paris - keine Folgeschäden

Song wurde ins künstliche Koma versetzt, dann zu einer OP nach Paris ausgeflogen. Kurz vor Weihnachten meldete er sich in einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" in der Öffentlichkeit zurück. Und erklärte, er habe praktisch keine Folgeschäden.

Song dachte sofort an seinen ehemaligen Mitspieler Foé

"Ich bin wirklich von weit her zurückgekommen", sagte der einst eisenharte Verteidiger, der unter anderem für den FC Liverpool und 2001/02 ein paar Monate für den 1. FC Köln gespielt hat. Sein Glück sei gewesen, dass ihn ein Besucher gefunden habe. "Mein Blutdruck lag bei 25. Alles in meinem Kopf explodierte", sagte er: "Zum Glück bin ich auf die Seite gefallen und meine Zunge hing heraus."

Sein erster Gedanke sei der an Marc-Vivien Foé gewesen. Sein Mitspieler, der 2003 bei einem Länderspiel in Lyon auf dem Spielfeld starb.

"Ich weiß, wie schnell sich Dinge ändern können"

Als er aus dem Koma erwachte, wog der zu Profizeiten 76 kg schwere Song noch 60 Kilo. "Ich war in einem komischen Zustand." Umso mehr weiß er zu schätzen, dass er sich heute gesund und fit fühlt und sein Heimatland bei der WM in Katar betreut. "Ich sehe vieles anders als früher", sagt er: "Ich weiß, wie schnell sich Dinge ändern können. Aber das Leben ist wunderschön."

Serbien und Brasilien stehen im Weg

Sportlich hat Song seinen Traum klar geäußert. Er will mit Kamerun ins Halbfinale. Das wird nach dem 0:1 zum Auftakt gegen die Schweiz, als ausgerechnet der gebürtige Kameruner Breel Embolo das Tor gegen sein Heimatland erzielte, schwer.

Die Schweiz hat das wichtige WM-Spiel in der Gruppe G gegen Kamerun gewonnen. Matchwinner war der gebürtige Kameruner Breel Embolo.

Doch Kämpfer Song bleibt unbeirrt. "Wir glauben an unseren Traum", sagte er vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Serbien am Montag (28.11.2022, 11.00 Uhr, Radio-Livereportage und Live-Ticker bei sportschau.de)

Zum Abschluss wartet in der Gruppe G Rekordweltmeister Brasilien. "Im Fußball ist alles möglich. Unser Ziel bleibt dasselbe. Und wir werden es erreichen", sagt Song.

Umstrittene Fahne - FIFA ermittelt gegen serbischen Verband

Kamerun könnte zugutekommen, dass im Lager der Serben, die zum Auftakt Brasilien mit 0:2 unterlagen, Unruhe herrscht. Die FIFA-Disziplinarkommission hat ein Verfahren gegen den serbischen Fußballverband (FSS) eingeleitet. Grund dafür ist eine Fahne, die in der Umkleidekabine der Nationalmannschaft bei der WM in Katar aufgehängt und fotografiert worden war.

Darauf ist eine Karte zu sehen, auf der auch die Umrisse des Kosovo in serbischen Nationalfarben abgebildet sind. Der kosovarische Fußballverband FFK hatte diese "aggressive Aktion gegen die Republik Kosovo" scharf verurteilt und die FIFA zum Handeln aufgefordert.