Der Weltturnverband schließt bis auf Weiteres Sportler aus Russland und Belarus aus. (Symbolbild)

Sportpolitik | Krieg in der Ukraine Newsblog zu Russland: Weltturnverband verschärft Sanktionen gegen Russland und Belarus

Stand: 04.03.2022 19:25 Uhr

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine beeinflusst auch den Sport. Verbände belegen das Land mit Sanktionen, Sportveranstaltungen in Russland werden abgesagt oder verlegt. Alle aktuellen Entwicklungen im Newsblog.

FREITAG, 4. März

Weltturnverband verschärft Sanktionen gegen Russland und Belarus

Der Weltturnverband FIG hat wegen des Krieges in der Ukraine die Sanktionen gegen Russland und Belarus verschärft. Von diesem Montag an dürfen nach einem neuen Beschluss des Exekutivkomitees von Freitag bis auf Weiteres die Sportler aus beiden Nationen nicht mehr an Veranstaltungen unter der Hoheit der FIG teilnehmen. Gleiches gilt für Offizielle und auch Kampfrichter. Damit sind Russen und Belarussen von den Akrobatik-Weltmeisterschaften vom 10. bis 13. März in Aserbaidschans Hauptstadt Baku ausgeschlossen.

Keine französischen Ligaspiele in Russland

Die französische Fußball-Liga LFP lässt die Verträge über Übertragungsrechte von Spielen der Ligue 1 mit russischen Sendern nach dem Einmarsch in die Ukraine ruhen. Das teilte die LFP am Freitagabend mit. Die Regelung tritt schon an diesem Spieltag in Kraft.  Auch in England wird die Aussetzung der Übertragungsverträge mit russischen Sendern in Erwägung gezogen.

DOSB und Sporthilfe organisieren Hilfsfonds für ukrainische Sportler

Finanzielle Hilfe für ukrainische Sportlerinnen und Sportler: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sporthilfe (DSH) haben einen Fonds aufgelegt, um kurzfristig Unterstützung sicherzustellen. Der DOSB stellt für den Fonds einen Grundstock in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung, wie es in einer Mitteilung hieß.

"Der Sport darf sich nicht nur solidarisch erklären, sondern muss angesichts der humanitären Katastrophe auch unmittelbare Unterstützung leisten", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert: "Die Aggressoren Russland und Belarus sind vom internationalen Sport zu suspendieren. Gleichzeitig gilt es aber auch zügig und unbürokratisch humanitäre Unterstützung zu leisten. Wir wollen etwas konkret für ukrainische Sportler:innen tun."

Motorsport-Bund schließt Russen und Belarussen aus

Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) schließt Rennfahrer und Teams mit russischer oder belarussischer Lizenz wegen der russischen Invasion in die Ukraine von Motorsportveranstaltungen in Deutschland aus. Der Präsidium des DMSB hatte die Entscheidung auf seiner Sitzung am Donnerstag einstimmig beschlossen und mit seinen Trägervereinen ADAC, AvD und DMV abgestimmt, wie der Verband am Freitag mitteilte.

Zugleich werden auch keine vom DMSB entsandten Mitglieder der deutschen Nationalmannschaften an Motorsport-Wettbewerben in Russland oder Belarus teilnehmen. Der DMSB hat zudem persönlichen Kontakt zu den ukrainischen Motorsportverbänden FAU und FMU aufgenommen, damit mögliche Unterstützungsmaßnahmen koordiniert werden können.

Kanzler Scholz: "Gedanken des Olympischen Friedens in die Welt hineintragen"

Für Bundeskanzler Olaf Scholz "überschattet der kriegerische Überfall" Russlands auf die Ukraine auch "die Unbeschwertheit des Olympischen Sports". Deshalb sei es "in diesen dunklen Tagen gut, dass die Sportlerinnen und Sportler mit den Paralympics den Gedanken des Olympischen Friedens in die Welt hineintragen", schrieb der Kanzler in einem Grußwort an das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) vor der Eröffnung der Winterspiele "unter besonderen Bedingungen".

EHF wertet Brest-Spiel 10:0 - THW Kiel kampflos im Viertelfinale

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat kampflos das Viertelfinale in der Champions League erreicht. Nach dem Ausschluss aller russischen und belarussischen Teams durch die EHF wertete der Kontinentalverband das Gruppenspiel gegen Meschkow Brest mit 10:0 Toren und 2:0 Punkten für Kiel.

Damit ist der Bundesligist durch. Die Mannschaft von Trainer Filip Jicha hatte sich am Donnerstag in der Gruppe A bei RK Zagreb mit 28:27 (12:15) durchgesetzt und Rang zwei gefestigt. Durch die EHF-Entscheidung kommen die Kieler auf 21 Punkte, Verfolger Pick Szeged (18) kann nicht mehr vorbeiziehen.

Nach dem THW Kiel hat auch die SG Flensburg-Handewitt vorzeitig die K.o.-Runde in der Handball-Champions-League erreicht. Grund für das Weiterkommen ist die EHF-Entscheidung von Freitag, die noch ausstehenden Spiele des ukrainischen Meisters HC Saporoschje mit 10:0 Toren und 2:0 Punkten für die Gegner zu werten. So können die aktuell fünftplatzierten Norddeutschen selbst bei einer Niederlage nächsten Donnerstag bei Titelverteidiger FC Barcelona im schlechtesten Fall Sechster der Gruppe B werden.

Handball-Verband wertet Spiele von Russland und Belarus für Gegner

Nach der zu Wochenbeginn erfolgten Suspendierung der Nationalmannschaften aus Russland und Belarus hat die Europäische Handball-Föderation (EHF) alle abgesagten Spiele in den Wettbewerben bei Frauen und Männern für die jeweiligen Gegner gewertet. Von der am Freitag verkündeten Entscheidung sind auch die Auswahlteams des Deutschen Handball-Bundes unmittelbar betroffen.

"Die Entscheidung ist nach den vorangegangenen Schritten konsequent und richtig", sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober: "Die gewonnene Klarheit in den sportlichen Wettbewerben ist allerdings nebensächlich – alles, was zählt, sind ein Ende des Krieges und Frieden." Die Frauen-Auswahl von Bundestrainer Henk Groener muss nicht wie ursprünglich geplant am 24. April zum EM-Qualifikationsspiel nach Belarus reisen. Die Partie wird mit 2:0 Punkten und 10:0 Toren für die DHB-Auswahl gewertet.

Klarheit haben auch die deutschen Männer - sie bekommen es Mitte April in den Play-Off-Spielen zur Weltmeisterschaft 2023 mit Färöer zu tun. Die Nordeuropäer wären in der ersten Ausscheidungsrunde auf Belarus getroffen und kommen nun wegen des Ausschlusses des Gegners kampflos weiter.

Russisches Team verlässt Paralympics - keine CAS-Klage

Das russische Team wird nach seinem Ausschluss die Paralympics in Peking verlassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es "nicht lohnenswert, in Peking zu bleiben" und man plane, "die Hauptstadt der Winterspiele, die Stadt der wunderbaren Menschen, in naher Zukunft zu verlassen", teilte das russische Paralympische Komitee (RPC) am Freitag mit. Die Abreise erfolge auch, weil man keine Chancen sieht, mit einer Klage beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Erfolg zu haben.

Demnach würden die Regeln des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) diesen rechtlichen Schritt ausschließen. Das RPC habe führende russische und ausländische Anwaltskanzleien hinzugezogen, um die Situation zu prüfen. "Das IPC kann nach eigenem Ermessen jeden Athleten ohne Angabe von Gründen von der Teilnahme ausschließen. Außerdem fehlt der IPC-Verfassung eine Schiedsklausel, die es dem RPC ermöglicht, den Cas anzurufe", hieß es in der Mitteilung der Russen unter Verweis auf Punkt 2.9 des IPC-Regelwerks. Das RPC behielt sich aber das Recht vor, zu einem späteren Zeitpunkt vor "zuständige internationale und nationale Gerichte" zu ziehen.

Special Olympics 2023 in Kasan fallen aus

Die im russischen Kasan geplanten Special Olympics im Januar 2023 fallen aus. Das teilte Special Olympics International am Freitag mit. Wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine werden die Weltwinterspiele für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung gestrichen.

"Wir können die Effektivität der World Winter Games in Kasan oder die Sicherheit unserer Athleten und der Gemeinschaft nicht länger gewährleisten. Die entsetzliche Gewalt in der Ukraine, die umfangreichen Sanktionen der internationalen Gemeinschaft und die weltweite Unsicherheit und Angst machen es unmöglich, weiterzumachen", hieß es in der Mitteilung. Menschen mit geistiger Behinderung würden in diesem Krieg überproportional leiden, ungerecht und tragisch, so wie sie es während der Pandemie getan hätten.

Radprofi Degenkolb gegen generelle Sperre russischer Fahrer

Der deutsche Radprofi John Degenkolb hat sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gegen eine allgemeine Sperre russischer und belarussischer Radsportler ausgesprochen. "Man muss zwischen einzelnen Fahrern und Sponsoren wie Gazprom differenzieren. Profis wie etwa Pawel Siwakow ist zwar russischer Staatsbürger, er hat sich aber ganz klar distanziert von diesem Regime. Das ist genau der richtige Weg. Ihn zu sperren, wäre nicht richtig", sagte Degenkolb im Interview der "Frankfurter Rundschau" (Freitag).

Der Radsport-Weltverband UCI hatte russische und belarussische Teams von allen Rennen und Rundfahrten ausgeschlossen, darunter das World-Tour-Team Gazprom-Rusvelo. Einzelne russische und belarussische Profis in nicht-russischen oder -belarussischen Teams sind nicht betroffen. Siwakow fährt für das britische Team Ineos-Grenadiers und verkündete nun, künftig unter französischer Flagge zu fahren.

Weltverband schließt russische und belarussische Gewichtheber aus

Der Gewichtheber-Weltverband IWF schließt wegen der russischen Invasion in die Ukraine bis auf Weiteres russische und belarussische Athleten und Offizielle von internationalen sowie kontinentalen Veranstaltungen aus. Zudem finden vorerst keine IWF-Wettbewerbe in beiden Ländern mehr statt. "Diese außergewöhnlichen Maßnahmen wurden angesichts der außergewöhnlichen Umstände in der Ukraine beschlossen und erlassen", teilte der Verband mit.

Der russische Gewichtheber Antoniy Savchuk bei den Gewichtehebe-Europameisterschaften 2021 in Moskau

"Die IWF ist bestrebt, das Gewichtheben im Geiste der olympischen Charta zu entwickeln und zu fördern und orientiert sich an den olympischen Werten. Daher unterstützen wir nachdrücklich die Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees als Reaktion auf die aktuelle Krise", hieß es in der Mitteilung. Zudem genehmigte der IWF-Vorstand weitere Mittel zur Unterstützung ukrainischer Athleten. Auch will der Weltverband dabei helfen, alle möglicherweise betroffenen Einrichtungen wieder aufzubauen.

DONNERSTAG, 3. MÄRZ

Auch Russlands Fußballverband zieht gegen WM-Ausschluss vor den CAS

Der russische Fußballverband will gegen den Ausschluss von der WM 2022 in Katar und sämtlichen internationalen Wettbewerben vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen. Den Einspruch kündigte der Verband an.

Der russische Verband werde die Wiederaufnahme aller Männer- und Frauennationalteams in alle Wettbewerbe fordern, und zudem beim CAS ein "beschleunigtes Verfahren" in dieser Angelegenheit beantragen. Aus Sicht des Verbandes liege für die Entscheidung von FIFA und UEFA "keine Rechtsgrundlage" vor. Der Beschluss sei "unter dem Druck" der gegnerischen Verbände getroffen worden, zudem habe man seine eigene Position nicht darlegen dürfen.

Zuvor hatte Russlands Sportminister Oleg Matyzin laut der russischen Nachrichtenagentur TASS eine Klage gegen den Ausschluss von den Paralympics angekündigt, über die der CAS noch vor der Eröffnungsfeier am Freitag befinden solle.

BBC: Ukraine beantragt Verschiebung des WM-Play-offs gegen Schottland

Der ukrainische Fußball-Verband hat eine Verschiebung des für den 24. März geplanten WM-Play-off-Spiels in Schottland beantragt. Das berichtet die BBC. In der Ukraine ist nach dem Angriff durch Russland auch der Fußball zum Erliegen gekommen. Eigentlich soll der Gewinner der Begegnung in Glasgow fünf Tage später entweder gegen Wales oder Österreich um ein Ticket für die WM in Katar spielen. Die WM-Auslosung ist derzeit für den 1. April geplant, das Turnier soll am 21. November beginnen.

Formel 1 streicht Russland komplett aus Rennkalender

Die Formel 1 wird künftig nicht mehr in Russland fahren. In der vergangenen Woche hatte die Königsklasse des Motorsports als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zunächst nur den Grand Prix von Russland in Sotschi in diesem Jahr gestrichen.

Die Formel 1 erklärte nun am Donnerstag, dass sie den Vertrag mit dem Veranstalter des Großen Preises von Russland gekündigt habe. Damit werde "Russland in Zukunft kein Rennen mehr haben."

UEFA bestraft Belarus: Keine Heimspiele, keine Zuschauer

Fußballteams aus Belarus müssen ihre Heimspiele vorerst außerhalb des Landes und dazu ohne Zuschauer austragen. Das gab die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Donnerstag nach einem Treffen ihres Exekutivkomitees bekannt.

Die Entscheidung betrifft Nationalmannschaften und Klubs. Das UEFA-Exekutivkomitee werde "bei Bedarf regelmäßig weitere außerordentliche Sitzungen einberufen", hieß es in der Mitteilung. Es werde dann darum gehen, "die sich entwickelnde Rechts- und Sachlage neu zu bewerten und gegebenenfalls weitere Entscheidungen zu treffen".

DOSB-Vize Bentele: Ukraine-Krieg lastet auf Paralympics

Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele blickt den 13. Winter-Paralympics in Peking mit gemischten Gefühlen entgegen.