Andrea Agnelli

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Turin Juve-Vorstand um Agnelli zurückgetreten

Stand: 28.11.2022 22:46 Uhr

Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin, ist überraschend gemeinsam mit dem gesamten Vorstand zurückgetreten. Gegen die Juve-Chefetage wird wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung und Unregelmäßigkeiten bei Spielertransfers ermittelt.

Wie der italienische Rekordmeister am Montagabend (28.11.2022) nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mitteilte, ist der gesamte Vorstand des Klubs, inklusive Präsident Andrea Agnelli und dessen Stellvertreter Pavel Nedved, zurückgetreten. Geschäftsführer Maurizio Arrivabene, früher Teamchef beim Formel-1-Rennstall Ferrari, soll den Übergang bis zur Einsetzung eines neuen Vorstands begleiten. Auch Arrivabene hat laut "Gazetta dello Sport" seinen Rücktritt eingereicht, neben weiteren sieben leitenden Angestellten.

"Wir sind in einer heiklen Situation für den Verein", schrieb Agnelli in einer Mail an die Mitarbeiter, aus der die Nachrichtenagentur Ansa zitierte.

Ermittlungen gegen Agnelli und die Juve-Chefetage

Ende Oktober hatte die Turiner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung und Unregelmäßigkeiten bei Spielertransfers gegen den Klub abgeschlossen. Dabei soll es um Beträge von 115 Millionen Euro gehen, die der Verein in den Jahren 2018, 2019 und 2020 aus fingierten Bewertungen seiner Spieler in den Büchern vermerkt habe.16 Angeklagten droht ein Prozess, dazu zählen Agnelli, Arrivabene und Nedved.

Finanziell ist der an der Mailänder Börse notierte Verein angeschlagen, im vergangenen Geschäftsjahr sammelte Juve einen Verlust von 254 Millionen Euro an. Agnelli hatte das Millionen-Minus mit der Corona-Pandemie erklärt. Zumindest sportlich war Juve zuletzt im Aufwind, zwar verpasste die "Alte Dame" die K.o.-Runde in der Champions League, in der Serie A gewann Turin bis zur WM-Pause allerdings sechs Spiele in Serie.

Agnelli stand zwölf Jahre an der Spitze des italienischen Rekordmeisters, er galt als einer Drahtzieher der Super League und war mit Juventus auch zuletzt einer der verbliebenen Befürworter der Einführung einer neuen europäischen Superliga.