No mercy an der Merseyside - Liverpool zerlegt Everton

Diogo Jota vom FC Liverpool jubelt nach seinem Treffer zum 4:1 gegen den FC Everton

Fußball | Premier League

No mercy an der Merseyside - Liverpool zerlegt Everton

Von Christian Hornung

Als perfektes Spiel zur Krisenbewältigung hatte Evertons Coach Rafael Benítez das Merseyside-Derby bezeichnet. Doch der FC Liverpool kannte keine Gnade, allenfalls bei der Höhe des Sieges.

Mit dem 4:1 (2:1) am Mittwochabend (01.12.2021) bleibt der LFC weiter mittendrin im Titelrennen der Premier League. Für Everton wird es im Tabellenkeller langsam eng - ein Wechsel auf der Trainerposition ist nicht mehr ausgeschlossen.

Sieben Spiele am Stück hatte Everton zuvor nicht mehr gewonnen, die Abstiegszone ist inzwischen näher als die angestrebten Plätze im internationalen Geschäft. Deshalb erhoffte sich der in englischen Medien bereits massiv angezählte Rafael Benítez, dass so ein emotionales Spiel wie das Stadtduell gegen die "Reds" die für ein Erfolgserlebnis nötigen Emotionen in seiner Mannschaft freilegen könnte. Emotional wurde es - das Erfolgserlebnis blieb aber aus.

6:0 war locker möglich

Dass es am Mittwochabend im Goodison Park überhaupt so lange spannend war, war Liverpool ganz allein schuld. Schon nach 20 Minuten war durch die sauber herausgespielten Tore von Kapitän Jordan Henderson (9. Minute) und Mo Salah (19.) eigentlich eine Vorentscheidung gefallen. Und es hätte zu diesem Zeitpunkt auch schon 6:0 stehen können: Joel Matip völlig freistehend per Kopf, Salah einmal volley und einmal per Flachschuss scheiterten knapp, dazu wäre Evertons Verteidiger Michael Keane beinahe ein Eigentor unterlaufen.

Erst danach zeigten die vor allem defensiv komplett passiven Gastgeber, dass sie auch über Mittel verfügen, um Liverpool wehzutun. Es waren, wie in der jüngeren Vergangenheit, aber auch fiese Mittel. Die üblen Fouls von Keeper Jordan Pickford an Virgil van Dijk und von Richarlison an Thiago Alcantara hatte Jürgen Klopp vor der Partie noch einmal als abschreckende Beispiele erwähnt. So brutal war es diesmal zunächst nicht, aber der Versuch, mit übertriebener Härte ins Spiel zurückzufinden, war klar erkennbar.

Zweimal Gelb für Schwalben

Hinzu kamen auch in der Offensive unsportliche Versuche, das Ergebnis zu verbessern. Der hervorragende Schiedsrichter Paul Tierney entlarvte sie aber und bestrafte sie konsequent: Andros Townsend und Demarai Gray sahen noch vor dem Seitenwechsel jeweils Gelb nach dreisten Schwalben.

Everton gelang es mit dieser Vorgehensweise aber trotzdem, den Spielfluss der "Reds" zu zerstören. Als dann van Dijk in der 38. Minute den Zweikampf mit Richarlison zu spät aufnahm und dieser Gray zentral am Strafraum bedienen konnte, waren die "Toffees" vollkommen aus dem Nichts wieder in der Partie: Liverpools Keeper Alisson Becker ließ Grays Schuss zum 1:2 durch die Beine.

Salah mit sensationeller Quote

Nach der Pause besannen sich die Schützlinge von Jürgen Klopp dann wieder ihrer überfallartigen Angriffe und hätten durch Sadio Mané den alten Abstand wiederherstellen können. Das gelang dann aber Salah in der 64. Minute. Noch vor der Mittellinie nahm er dem fahrigen Seamus Coleman den Ball ab, war mit der Kugel über 50 Meter schneller als Evertons Verteidiger und spitzelte im Fallen den Ball an Pickford vorbei. In 14 Liga- und fünf Champions-League-Spielen hat der Ägypter nun 19 Tore erzielt - eine sensationelle Quote.

Die gute Nachricht für Freunde des schönen Spiels: Nach dem 3:1 stellte Everton die Nickligkeiten weitgehend ein. Die Zahl der Schwalben halbierten sie im zweiten Durchgang (nur Anthony Gordon versuchte es nochmal), auch die Foulstatistik ging deutlich herunter.

Diogo Jota verlädt Pickford

Eine schallende Ohrfeige hatte Liverpool aber noch parat: Diogo Jota tanzte in der 79. Minute im Strafraum seinen Gegenspieler Allan aus und verlud Pickford mit einem Schuss aus spitzem Winkel unter die Latte zum 4:1-Endstand.

Stand: 01.12.2021, 22:55

Darstellung: