Fußball | DFB Koch nicht mehr im DFB-Präsidium - das Scheitern des Strippenziehers

Stand: 11.03.2022 19:11 Uhr

Rainer Koch ist mit Pauken und Trompeten bei der neuerlichen Wahl ins DFB-Präsidium gescheitert. Das erleichtert dem neuen Präsidenten Bernd Neuendorf die Chance auf einen Neuanfang.

Dr. Jörg Englisch führte als Wahlleiter mit der nüchternen Routine eines Volljuristen durch die Abstimmungen, die der Wahl zum neuen Präsidenten des DFB folgten. Meistens ging es nur um Bestätigungen, die per Stimmkarte schnell und oft einstimmig erfolgten.

Koch verliert Abstimmung gegen Silke Sinning

Geheim wurde jedoch über den Posten eines Vizepräsidenten abgestimmt, den der Regionalverband aus Süddeutschland stellen darf. Rainer Koch trat gegen Silke Sinning an, die zuvor berichtet hatte, dass sie von "vielen dazu ermutigt" worden sei.

Sinning, früher Fußballerin und Professorin für Sportwissenschaften, fasste den Mut, nachdem auch sie Zweifel gehabt hatte. Würde es Sinn machen, zu kandidieren, wenn Peter Peters, mit dem sie im Team angetreten war, zuvor gescheitert war? Diese Frage habe auch sie sich gestellt, sogar am Vorabend noch. Außerdem: Der Gegner war mächtig, sehr mächtig. Er gilt als Strippenzieher und jemand, der Mehrheiten besorgen kann, erst recht für sich.

Als die Stimmen ausgezählt waren und Englisch der Zettel mit dem Ergebnis vorgelegt wurde, musste auch der Wahlleiter schlucken. Mit einiger Verzögerung las Englisch die Zahlen vor, die auch andere sprachlos machten. Sinning erhielt 163 Stimmen, Koch nur 68.

Schräges Verständnis von Demokratie

"Ich bin überwältigt von dem Ergebnis", sagte Sinning. Manch ein Funktionär und langjährige Mitarbeiter des DFB waren gar fassungslos. "So mit 30 bis 40 Prozent" der Stimmen wäre sie zufrieden gewesen. Befürchtet habe sie aber, dass es nur zehn werden könnten, sagte Sinning der Sportschau.

Nun hatte sie mehr als 70 Prozent bekommen. Sie gab zu, dass viele ihrer Stimmen sicher auch Stimmen gegen Koch war, der mit seiner Aufforderung an die Delegierten für ein Raunen im Plenarsaal gesorgt hatte, entweder für ihn zu stimmen oder sich zu enthalten.

Dieses schräge Verständnis einer demokratischen Abstimmung wird den Multifunktionär, der seit 2007 im Präsidium des DFB saß, sicher auch noch ein paar Stimmen gekostet haben.

Rainer Koch war schon im Mai 2021 nur knapp einem Vertrauensentzug entkommen. Bei einer Sitzung in Potsdam rettete er sich mit eigenen Stimmen, die ihm als Präsident des Bayerischen und Süddeutschen Fußballverbandes zustanden. Damals war die Abstimmung auch schon geheim.

Erfolg für den neuen Präsidenten

Offene Abstimmungen hingegen sprachen in der Regel eine deutliche Sprache für Koch. So hatten sich wenige Tage vor dem Bundestag die Landesverbände nach Aussage des DFB einmütig "vor den Menschen Rainer Koch" gestellt, der von drei ehemaligen Präsidenten hart angegangen war.

Bei der geheimen Abstimmung ergab sich dann ein ganz anderes Bild. "Einige trauen sich wohl offen nicht", sagte Hermann Winkler, Präsident des Sächsischen Fußballverbandes der Sportschau. Er galt auch seit Monaten als jemand, der Koch durchaus kritisch gegenübersteht. Doch zu einer offenen Revolte kam es nie.

Nun ist Koch gestürzt. Offen bleibt zunächst, was mit dessen Posten im Exekutivkomitee der UEFA passieren wird. Kochs Amtszeit im europäischen Verband läuft noch bis 2025. So lange dürfte er bleiben - auch ohne Präsidiumsposten im DFB. Es sei denn, der deutsche Verband bittet um Kochs Amtsenthebung. Neuendorf ließ in Bonn offen, was mit dem Platz in der UEFA-Exekutive passieren soll. "Wir werden uns sehr genau anschauen, was wir für Folgerungen daraus ziehen", erklärte er.

Kochs Niederlage ist jedoch schon jetzt ein weiterer Erfolg für den neuen Präsidenten Bernd Neuendorf, der ebenfalls ein außergewöhnliches Ergebnis erzielte. Der von ihm beschworene Neuanfang dürfte nun deutlich leichter fallen.