Oberstes Bundesgericht erlaubt Copa America in Brasilien

Pokal der Copa América

Umstrittene Austragung des Südamerika-Cups

Oberstes Bundesgericht erlaubt Copa America in Brasilien

Drei Tage vor dem Turnierbeginn ist die Austragung der Copa America geregelt: Die umstrittene Verlegung des südamerikanischen Fußball-Kontinentalturniers nach Brasilien hat auch vor dem Obersten Bundesgericht des Landes Bestand.

Die Copa America kann einer Gerichtsentscheidung zufolge trotz des weiter grassierenden Coronavirus in Brasilien ausgetragen werden. Die elf Richterinnen und Richter des Obersten Gerichtshofes in der Hauptstadt Brasilia sprachen sich am Donnerstag (10.06.2021) einstimmig dafür aus, wie der Gerichtshof mitteilte.

Richterin Lucia warnt vor "Copavirus"

Einige Richter knüpften ihre Entscheidung nun allerdings an zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Es liege in der Verantwortung der Politik, dass die nötigen Vorschriften eingeführt und eingehalten werden, "um ein 'Copavirus' mit neuen Infektionen und dem Auftreten neuer Varianten zu verhindern", schrieb etwa Richterin Carmen Lucia.

Rebellion der Bundesstaaten und Gemeinden unwahrscheinlich

Das Gericht übertrug nun entsprechende Kompetenzen an Gemeinden und Bundesstaaten, die gegen die Austragung in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen entscheiden können. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, da die Gouverneure der vier Bundesstaaten mit den Spielstätten der Copa America Verbündete des rechtspopulistischen Präsidenten und Copa-Befürworter Jair Bolsonaro sind.

Falls die Entscheidung nicht angefochten werden sollte, kann Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar zum Auftakt des Turniers in Brasília am Sonntag (23 Uhr) gegen Venezuela antreten. Bei Venezuela steht auch Sergio Cordova im Kader, der für den deutschen Bundesligisten Arminia Bielefeld spielt.

Hauptsache der Ball rollt: Copa América trotz Kritik

Sportschau 12.06.2021 02:28 Min. Verfügbar bis 12.06.2022 ARD Von Anne Herrberg


Covid-19-Todeszahlen in Brasilien auf hohem Stand

Das Oberste Bundesgericht wies zwei Anträge (der Brasilianischen Sozialistischen Partei und einer Metallarbeiter-Gewerkschaft) zurück, die die Austragung der Copa America in Brasilien infrage gestellt hatten.

Sie hatten die Gefahr für die öffentliche Gesundheit sowie die Ausbreitung des Coronavirus als Gründe für ihre Ablehnung des Turniers in ihrem Land angeführt. Am Mittwoch hatte Brasilien, ein 210 Millionen-Einwohner-Staat, innerhalb von 24 Stunden 2.693 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 registriert - so viele wie seit dem 5. Mai nicht mehr.

Argentinien ebenfalls von Corona-Welle getroffen, Unruhen in Kolumbien

Wenige Wochen vor Beginn des Turniers waren zunächst Kolumbien und dann Argentinien als Ausrichter abgesprungen. In Kolumbien kommt es seit Wochen zu blutigen Protesten gegen die Regierung, Argentinien wurde von der zweiten Welle der Corona-Pandemie hart getroffen. Daraufhin verlegte der südamerikanische Fußball-Verband CONMEBOL die Südamerikameisterschaft nach Brasilien, was vielerorts Kritik nach sich zog.

Kritik von Spielern und Sponsoren

Zwar laufen auch südamerikanische Klubwettbewerbe wie die Copa Libertadores, die Copa America soll ohne Publikum stattfinden. Die Spieler dürfen das Hotel etwa zum Spiel oder Training verlassen. Aber in der brasilianischen Nationalmannschaft entbrannte zunächst eine Debatte um die Teilnahme. In einem in den sozialen Medien orchestrierten Appell am Dienstag übten die Spieler Kritik, bestätigten dann allerdings auch ihre Teilnahme. Außerdem sprangen zwei große Sponsoren ab.

red/dpa/sid | Stand: 11.06.2021, 07:20

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