DFL-Generalversammlung: DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen und Aufsichtsratvorsitzender Hans-Joachim Watzke stecken die Köpfe zusammen

DFL-Generalversammlung Frisches Kapital mit neuen Partnern?

Stand: 17.08.2022 18:36 Uhr

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bei ihrer Generalversammlung neue Wachstumsfelder für die Bundesliga identifiziert. Dabei spielen auch Investoren eine Rolle. Die neu gewählten DFL-Gremien haben sich dafür investorenfreundlicher aufgestellt.

Von Thorsten Poppe

Die Kräfteverhältnisse in den neu gewählten Gremien der DFL haben sich zwar dadurch nicht komplett gewandelt, sind aber bei der Frage nach einer Öffnung für Investoren ausgeglichener geworden.

Denn die DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen hat im Anschluss an die Generalversammlung verkündet, dass es vor allem um die Zukunft des deutschen Fußballs gegangen sei: "Es geht darum, Zukunftsszenarien für strategische Wachstumsfelder für die Liga zu erarbeiten, und den Klubs einen Überblick zu geben, was die Optionen sein könnten, mit denen wir gemeinsam in die Zukunft gehen."

Darunter falle auch die Suche nach einem Partner, der nicht nur frisches Kapital, sondern auch entsprechendes Know-how mitbringe. Allerdings sei dafür noch keine Entscheidung getroffen, sondern den Klubs erst einmal entsprechende Möglichkeiten aufgezeigt worden. Eine dieser Möglichkeiten könnte zum Beispiel eine Investorenbeteiligung an den Medienerlösen der Bundesliga sein, über die das "Handelsblatt" schon im Juli berichtet hatte.

Hans-Joachim Watzke, der neue Mann an der Spitze des DFL-Aufsichtsrates, hat in diesem Zusammenhang den enormen Finanzbedarf für die Liga noch einmal deutlich gemacht: "Wenn wir massiv in dieses von uns identifizierte Wachstumsfeld investieren wollen, brauchen wir natürlich auch das entsprechende Kapital."

Investorenfreundliche Vertreter neu im DFL-Präsidium

Schon im Vorfeld der Generalversammlung hat dabei festgestanden, dass einzig Watzke als 1. Stellvertretender Sprecher des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga kandidiert und damit nach seiner heutigen Wahl durch die Generalversammlung qua Satzung auch als neuer DFL-Aufsichtsratsvorsitzender fungiert.

Watzke will allerdings in seinem neuen Amt die 50+1-Regel, die eine mehrheitliche Übernahme von Klubs durch Investoren verbietet, verteidigen: "Das ist nicht nur ein Fußball-Thema, da geht es auch um den Zusammenhalt der Gesellschaft", so der BVB-Boss vorab im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Das hat auch noch einmal DFL-Geschäftsführerin Hopfen in der nachfolgenden Pressekonferenz der DFL-Generalversammlung bestätigt. Dazu sind heute sechs weitere Vertreter gewählt worden, die dieses Gremium um die DFL-Chefin und einen DFL-Prokuristen komplettieren. Dieses Gremium zeigt sich dabei durchaus investorenfreundlicher als in seiner vorherigen Zusammenstellung.

Die Wiederwahl von Jan-Christian Dreesen (FC Bayern München) ins DFL-Präsidium ist im Vorfeld erwartet worden. Mit Holger Schwiewagner von der SpVgg Greuther Fürth bekommen die Bayern zudem einen Mitstreiter an die Seite, dessen Klub Investorenöffnungen ebenfalls offen gegenübersteht. Denn bei einer Abstimmung 2018 unter allen 36 DFL-Mitgliedsvereinen hatten vier Klubs gegen die feste Beibehaltung von 50+1 gestimmt. Mit dabei: der FC Bayern und Greuther Fürth.

Mit Oliver Leki (SC Freiburg) und Oke Göttlich (FC St. Pauli) sind klare Befürworter der Regel und damit investorenkritische Vertreter erneut ins Präsidium eingezogen. Komplettiert wird dieses Gremium noch mit Steffen Schneekloth (Holstein Kiel), für den "Fußball mehr Bier und Bratwurst als Schampus und Kaviar" ist, und mit Neu-Mitglied Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt, dessen Verein schon über mehrere Investoren verfügt.

Lizenzierungsausschuss und Aufsichtsrat paritätischer besetzt

Auch in den Lizenzierungsausschuss des DFL e.V. sind jetzt mehr investorenfreundliche Vertreter eingezogen. Mit Gerrit Floruß vom 1. FC Heidenheim ein Vertreter, dessen Verein sich bei der damaligen DFL-Abstimmung ebenfalls gegen die feste Beibehaltung der 50+1-Regel ausgesprochen hatte. Das trifft auch auf den Klub des neuen Mitglieds Dirk Weißert von Greuther Fürth zu. In diesem Gremium, zuständig für die endgütigen Entscheidungen im Lizenzierungsverfahren, sind Gegner und Befürworter von Investorenöffnungen damit quasi paritätisch besetzt.

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Der neu gewählte Aufsichtsrat zeigt sich auch ein wenig ausgeglichener als die Vorgänger-Besetzung. In das sechsköpfige Gremium ist unter anderem Fredi Bobic von Hertha BSC neu eingezogen, dessen Verein ebenfalls über einen Investor verfügt.

Somit konkretisiert sich seit Mittwoch die Suche der Bundesliga nach einem strategischen Partner. In welcher Form, ist dabei noch nicht endgültig klar. Darüber sollen laut DFL die Klubs in einem längeren Prozess mitgenommen werden. In diesem Zusammenhang haben sich die DFL-Gremien heute personell schon einmal ein Stück weit investorenfreundlicher aufgestellt, als vor der Generalversammlung.