Vermeintliche "Todesgruppe F" - das kollektive Scheitern

Joachim Löw (v.l.), Cristiano Ronaldo und Didier Deschamps sind mit ihren Nationalmannschaft bei der EM gescheitert.

Deutschland, Frankreich und Portugal raus

Vermeintliche "Todesgruppe F" - das kollektive Scheitern

Von Sebastian Hochrainer

Als die drei Titelträger der vergangenen drei großen Turnier in eine Gruppe gelost wurden, gab es einen großen Aufschrei. Deutschland, Frankreich und Portugal enttäuschten jedoch, weil es bei allen drei Nationen keinen Fortschritt gab.

Was war das doch für ein Schockmoment für viele Menschen, als Deutschland am 30. November 2019 die Gegner für die EURO 2020 zugelost wurden. "Todesgruppe" war das Wort, das von den meisten Experten verwendet wurde angesichts der Gegner Frankreich und Portugal.

Aus "absoluten Favoriten" wurden absolut Gescheiterte

"Das ist die Hammergruppe schlechthin", war die Wortwahl von Joachim Löw, der glaubte, "es werden Fußballfeste in Deutschland". Ilkay Gündogan ging sogar ein Stück weiter. "Wer sich in dieser Gruppe behauptet, wird dann definitiv auch zu den absoluten Favoriten auf den Turniersieg gehören", sagte er.

Genau 19 Monate später ist klar, dass es auch eine überschätzte Gruppe war. Denn Frankreich (7:8 n.E. gegen die Schweiz), Portugal (0:1 gegen Belgien) und Deutschland (0:2 gegen England) sind raus - alle sind im Achtelfinale ausgeschieden. Die "Todesgruppe" mit den Titelträgern der vergangenen drei großen Turniere ist kollektiv gescheitert.

England gegen Deutschland - die Zusammenfassung Sportschau 29.06.2021 03:23 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Sie wollten es wie bei ihren großen Erfolgen machen

Denn sowohl der Weltmeister von 2014 (Deutschland) als auch der Europameister von 2016 (Portugal) und der Weltmeister von 2018 (Frankreich) sind seit ihren großen Triumphen stehen geblieben. Portugal ist nach wie vor abhängig von Cristiano Ronaldo - trotz weiterer Stars wie Ruben Dias, Bruno Fernandes, Bernardo Silva oder Diogo Jota.

Frankreich scheiterte vor allem am Gefallen an der eigenen individuellen Stärke, von einem eingeschworenen Team war da wenig zu sehen. Deswegen ist Coach Didier Deschamps jetzt in der Kritik, Zinédine Zidane wird bereits als Nachfolger gehandelt.

Beim DFB-Team gibt es keine Trainerdiskussion. Schon vor dem Turnier war klar, dass Hansi Flick die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft bestreiten wird, Joachim Löw hatte seinen Abschied längst bekannt gegeben. In seinem letzten Turnier hat der Noch-Bundestrainer aber gezeigt, dass er es nicht mehr schafft, ein titelreifes Team zu formen. Erst das Vorrunden-Aus bei der WM 2018, jetzt das Ende im Achtelfinale.

Löw hätte früher gehen sollen - ein Kommentar

Sportschau 29.06.2021 02:04 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 ARD Von Sportschau-Reporterin Kerstin von Kalckreuth


Neustart für das schwergewichtige Nationalmannschafts-Trio

Trotzdem: Sollten Deutschland, Frankreich und Portugal bei der EM 2024 wieder in eine Gruppe gelost werden, wird die Rede wieder von einer "Todesgruppe" sein. Die drei Nationen haben die Chance, nach ihren Enttäuschungen eine erfolgreiche Zukunft zu bestreiten. Mit Flick ist der deutsche Neuanfang bereits besiegelt. Vielleicht wäre es für Frankreich und Portugal auch hilfreich, sich von den ehemaligen Helden Deschamps und Ronaldo zu befreien - um den Weg freizumachen für neue Helden.

Denn die Kader aller drei Nationen sind gespickt mit jungen Spielern, denen eine große Zukunft zugeschrieben werden kann. Kai Havertz, Kylian Mbappé, Bruno Fernandes - drei Beispiele von entscheidenden Männern in ihren Vereinen, die in ihren Nationalmannschaften jedoch mitunter gehemmt agierten.

Stand: 30.06.2021, 09:45

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