FIFA WM 2022 WM-Mitfavorit Belgien unterliegt Marokko und muss zittern

Stand: 27.11.2022 16:15 Uhr

Mitfavorit Belgien muss bei der WM in Katar um den Einzug ins Achtelfinale bangen. Die Europäer verloren gegen Marokko überraschend mit 0:2 (0:0) und stehen im abschließenden Gruppenspiel gegen Vize-Weltmeister Kroatien unter Druck.

Der Deutsch-Marokkaner Abdelhamid Sabiri (73.) und Zakaria Aboukhlal (90.+2) sorgten am Sonntag (27.11.2022) in Doha für den Erfolg der Afrikaner, die bereits Kroatien ein 0:0 abgerungen hatten und mit vier Punkten nun alle Trümpfe in der Hand haben, in die Runde der letzten 16 einzuziehen.

Belgien, das zum Auftakt Kanada glücklich mit 1:0 geschlagen hatte, kann am Donnerstag (16.00 Uhr) mit einem Sieg gegen Kroatien sicher das Achtelfinale erreichen. Bei einer Niederlage droht der "goldenen Generation" des Benelux-Staates das vorzeitige WM-Aus.

Nach der 0:2-Pleite Belgiens bei der WM in Katar gegen Marokko ist es in Belgien und den Niederlanden zu Ausschreitungen gekommen. Besonders heftig waren die Krawalle in Brüssel.

Marokko-Keeper Bounou muss kurzfristig passen

Marokkos Coach Walid Regragui musste Sekunden vor der ursprünglichen Anstoßzeit noch einen Torwart-Wechsel vornehmen, nachdem ihm Stammkeeper Yassine Bounou signalisiert hatte, nicht einsatzbereit zu sein. Für den Schlussmann vom FC Sevilla, der sogar noch die Nationalhymne im Kreise der ersten Elf mitgesungen hatte, rückte Munir Mohand Mohamedi El Kajoui zwischen die Pfosten.

Und der 33-Jährige vom Saudi-Club Al-Wehda FC musste bereits nach fünf Minuten Kopf und Kragen riskieren, als die Belgier Michy Batshuayi in ausgezeichnete Abschlussposition brachten. Den Schuss des früheren Dortmunders konnte Marokkos Torhüter zur Ecke abwehren.

Marokko musste im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Belgien auf Stammtorwart Yassine Bounou verzichten. Der 31-Jährige sagte seinen Einsatz Sekunden vor dem Anpfiff ab.

Belgien überlegen, aber harmlos

Die Europäer, die bei nahezu jedem Ballkontakt von den vielen marokkanischen Fans ausgepfiffen wurden, blieben nach der Großchance tonangebend. Fünf Ecken nach 16 Minuten zeugten von ihrer Dominanz. Dass keiner dieser noch der weiteren ruhenden Bälle zu einer Torgelegenheit führte, dürfte Coach Roberto Martínez zu denken geben.

Denn in Kevin de Bruyne schlug immerhin ein Weltklasse-Mann die Standards in den Strafraum. Und dass gar nicht einmal so schlecht. Die Laufwege seiner Teamkameraden sowie deren Kopfballspiel waren allerdings nicht auf internationalem Top-Niveau.

Abseits - Ziyech-Tor wird nicht anerkannt

Auch aus dem Spiel heraus fehlten der Martínez-Elf die zündenden Ideen. Der Auftritt von Belgiens "goldener Generation" war ähnlich langatmig und langweilig wie bereits im ersten Abschnitt des ersten Gruppenspiels gegen Kanada.

Auch Marokko setzte nur ganz wenige Offensivakzente in den ersten 45 Minuten. Unmittelbar vor der Pause rissen die "Löwen vom Atlas" aber freudetrunken die Arme in die Höhe. Hakim Ziyech hatte einen Freistoß aus dem Halbfeld aufs kurze Eck gezogen und damit Keeper Thibaut Courtois überrascht (45.+2).

Die Freude über die vermeintliche Führung währte jedoch nur kurz. Denn Schiedsrichter Cesar Ramos (Mexico) verweigerte dem Tor nach Ansicht der Bewegtbilder die Anerkennung, weil Marokkos Kapitän Romain Saïss beim Freistoß von Ziyech ganz knapp im Abseits stand und Courtois die Sicht versperrte.

Belgien erhöht die Schlagzahl

Belgien war also gewarnt. Und die bis dahin wenig furchteinflößenden "Roten Teufel" erhöhten nach dem Seitenwechsel die Schlagzahl. Passtempo und Passschärfe nahmen nun zu. Munir stand in Marokkos Gehäuse zwar immer noch nicht unter Dauerbeschuss, musste sich bei Abschlüssen von Eden Hazard (52.) und Dries Mertens (65.) aber ordentlich strecken.

Auf der Gegenseite verfehlte eine Schuss von Sofiane Boufal nur um Haaresbreite das Ziel (57.). Im Großen und Ganzen hatte Belgien das Geschehen jedoch im Griff.

Sabiri lässt "Löwen vom Atlas" jubeln

Dann aber schritt in der 73. Minute der kurz zuvor eingewechselte Sabiri zur Tat. Der einst unter anderem für den 1. FC Nürnberg und SC Paderborn spielende Offensivmann zog einen Freistoß von der linken Seite aufs kurze Eck und überraschte Torsteher Courtois mit dieser Variante ein zweites Mal an diesem Tag. Erneut wurde dem Schlussmann von Saïss die Sicht versperrt, diesmal stand Marokkos Kapitän jedoch nicht im Abseits - das Tor zählte.

Lukaku feiert Katar-Debüt

Belgien-Coach Martínez reagierte und wechselte bald darauf seinen Stürmerstar Romelu Lukaku ein (81.), der wegen einer hartnäckigen Verletzung des Beinbeugermuskels in den vergangenen Monaten kaum hatte auflaufen können. Nahezu ohne Spielpraxis und vor allem ohne brauchbare Anspiele konnte aber auch der 29-Jährige bei seinem Katar-Debüt nicht mehr für die Wende sorgen.

Vorne harmlos, hinten anfällig: Aboukhlal profitierte in der Nachspielzeit von schwacher belgischer Abwehrarbeit und erzielte nach Vorarbeit von Ziyech das 2:0.