DFL-Geschäftsführer Oliver Leki (r) Axel Hellmann (l)

Neujahresempfang DFL stellt Weichen - 50+1 und Rechteverkauf vor Klärung

Stand: 17.01.2023 18:21 Uhr

Der deutsche Profifußball steht im ersten Halbjahr vor wichtigen Weichenstellungen. Die DFL kündigte beim Neujahrsempfang an, dass zügig über die 50+1-Regel und einen Rechteverkauf an Investoren entschieden werden soll.

Von Marcus Bark

Oliver Leki, Finanzvorstand beim SC Freiburg, führt die DFL nach dem Aus von Donata Hopfen zusammen mit Axel Hellmann bis 30. Juni 2023. Der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt kündigte an, dass die DFL noch in seiner Amtszeit eine "Grundsatzentscheidung" darüber treffen müsse, ob Lizenzrechte an einen Investor verkauft werden.

"Was können wir selbst, wo brauchen wir möglicherweise Partner?", fragte Hellmann, ohne näher auf die Frage einzugehen. Er fügte lediglich an, dass "wir den Druck aus vielen Märkten verspüren, nicht nur aus dem Spieler- sondern auch aus dem Medienmarkt."

Leki: "50+1-Regel auf sachliche Ebene zurückführen"

Über die Reden auf dem Podium hinaus wollten sich die mächtigen Protagonisten nicht zu den angeschnittenen Themen äußern, auch nicht Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke, der in den vergangenen Monaten mehr und mehr zur zentralen Figur im deutschen Fußball geworden ist.

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Die 50+1-Regel ist besonders mit Blick auf die Mitglieder und Fans seit Jahren ein brisantes Thema. Sie besagt, dass ein Verein die Mehrheit an einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft halten muss. So haben in anderen europäischen Topligen längst Investoren das Recht, bis zu 100 Prozent der Anteile zu kaufen und somit auch zu bestimmen.

Dialog mit Kartellamt

Für das Bundeskartellamt ist die 50+1-Regel rechtens, die Behörde monierte allerdings, dass den drei Bundesligavereinen Bayer Leverkusen (Chemieriese Bayer), VfL Wolfsburg (Autokonzern VW) und TSG Hoffenheim (Mäzen Dietmar Hopp) Ausnahmen genehmigt wurden.

Wie mit diesen Ausnahmen umgegangen werden soll, will die DFL im Dialog mit dem Kartellamt klären. Die Bandbreite reicht vom Ausschluss der drei Klubs aus der Liga bis zu einer völligen Öffnung für Investoren. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass eines der Extreme zum Zug kommen wird. Darauf deutete auch eine Aussage von Leki hin: "Bei aller Emotionalität sollten wir das Thema auf eine sachliche Ebene zurückführen. Wir sind ja nicht auf dem Schlachtfeld."

Den möglichen Verkauf von Lizenzrechten, vermutlich dann im Medienbereich, deutete die Liga schon vor Monaten an. Es gab Gerüchte über potentielle Käufer und auch Erlöse im Bereich von Milliarden Euro.

Spekulation über möglichen Verkauf von Lizenzrechten

Konkret äußerte sich die DFL aber noch nie, und dabei blieb es auch auf dem Neujahrsempfang. Nach Informationen der Sportschau ist auch vielen der 36 Klubs unter dem Dach der DFL noch nicht vorgestellt worden, nach welchem Schlüssel das Geld dann eventuell verteilt werden soll. Da es sich um einen Einmalerlös handeln würde und Einnahmen aus der Zukunft schon kurzfristig zur Verfügung stehen könnten, dürfte es Vereine geben, die einen möglichst schnellen Abschluss wünschen, aber auch Vertreter der wirtschaftlich vielleicht vernünftigeren Variante.

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Mit dem Grundlagenvertrag, der die Verteilung des Geldes zwischen dem Amateur- und Profilager regelt und am 30. Juni ausläuft, gibt es ein weiteres wichtiges Themenfeld im ersten Halbjahr.

Watzke fordert mutige Entscheidungen

Hans-Joachim Watzke rief in Offenbach zur Geschlossenheit auf: "Es gibt nur den einen Fußball." Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund äußerte als Aufsichtsratschef der DFL fünf Wünsche. Einer davon war, wieder selbstbewusster zu sein: "Ich höre immer, in England haben sie viel mehr Geld. Na und? Wir haben noch sieben Vereine im Europapokal." Watzke forderte mutige Entscheidungen: "Wir dürfen als eine der größten Volkswirtschaften der Welt nicht zu Bedenkenträgern werden."

Mit Blick auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland sagte er: "Das ist eine riesige Chance für den deutschen Fußball. In den anderthalb Jahren bis dahin müssen wir alle Kräfte bündeln."

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Dabei forderte der Funktionär auch die Medien auf, ins Boot zu steigen. Bissig sagte er mit Blick auf die kritische Berichterstattung über den WM-Gastgeber Katar: "Wenn eine WM im Vorfeld dermaßen kaputtgeschrieben wird, nutzt das niemandem, auch nicht den Gastarbeitern."

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Am Donnerstag (19.01.2023) wird Watzke wieder mit der Taskforce tagen, von der erwartet wird, dass sie Rudi Völler als neuen Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), zuständig für die Nationalmannschaft, vorschlagen wird. Direkt darauf angesprochen, wich Völler aus. Eine Absage, nachdem er sich Bedenkzeit erbeten hatte, käme überraschend. 

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