Ronaldo, Messi, Mbappé - Stars als Währung

Ein junger Fan hält das Trikot von Ronaldo hoch

Fußballklubs kämpfen um Topspieler

Ronaldo, Messi, Mbappé - Stars als Währung

Von Chaled Nahar

Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé - die Klubs mit dem meisten Geld balgen sich in diesem Sommer um die Spieler mit den größten Namen. Die Topklubs läuten ein Zeitalter ein, in dem Stars die härteste Währung werden könnten.

"Fan of the Future" - so heißt eine Studie, die die europäische Klubvereinigung ECA bei einer Beratungsfirma in Auftrag gab und vor einem Jahr veröffentlichte. Neben allen möglichen Thesen, was den "Fan der Zukunft" ausmachen könnte, sticht eine Feststellung besonders hervor: Immer mehr Fans haben dieser Untersuchung zufolge mehr als nur einen Lieblingsklub, schreiben die Autoren. Rund zehn Prozent der Menschen seien sogar einen Schritt weiter, indem sie Fans von Spielern wären - und nicht von Klubs. Gerade bei jungen Menschen sei dieser Anteil hoch.

Dass in diesem Sommer die namhaftesten Spieler den Klub gewechselt haben oder kurz davor stehen, es zu tun, ist möglicherweise Ausdruck dieser Entwicklung - zumindest im absoluten Spitzenfußball.

Chelsea, Man City, PSG - Luxussteuer für die Reichen

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 28.08.2021 53:28 Min. Verfügbar bis 22.08.2041 WDR 5


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Ein Sieg auf dem Transfermarkt - so wichtig wie auf dem Platz

Der Transfermarkt wird gerade nach dem Ausbruch der Pandemie von nur wenigen Klubs dominiert. Und es geht vor allem um die oberste Kategorie von Spielern. Romelu Lukaku ging für 115 Millionen Euro zu Chelsea, Jack Grealish für ebenfalls 115 Millionen zu Manchester City. Manchester United holte Jadon Sancho für 85 Millionen. Ronaldo kostete mit seinen 36 Jahren immerhin noch 30 Millionen. Real Madrid bietet derzeit einen dreistelligen Millionenbetrag für Kylian Mbappé von Paris, Manchester City tat dies bei Harry Kane in Tottenham - wenn auch zunächst vergeblich.

Lionel Messi mag für Paris ablösefrei gewesen sein, kostenlos war der Wechsel gewiss nicht: Handgelder, Beraterhonorare und astronomische Gehälter bleiben ein riesiger finanzieller Posten für die neuen Klubs dieser Spieler.

Eine Handvoll Topklubs lässt sich diese wenigen Spieler aber nicht nur deshalb Hunderte von Millionen Euro kosten, um wichtige Spiele zu gewinnen oder gar den Titel in der Champions League zu holen. Sie wollen die Spieler haben, um sie zu haben. Manchester United und Manchester City - beide wollten Ronaldo. Paris Saint-Germain und Manchester City - beide wollten Messi. Ein Erfolg gegen den anderen auf dem Transfermarkt im Kampf um die besten Spieler ist so wichtig wie ein Sieg auf dem Platz.

Marketingwert der Spieler rückt in den Vordergrund

Messis PSG-Trikots mit der Nummer 30

Messis PSG-Trikots mit der Nummer 30

Ab 2024 soll die Champions League 100 weitere Spiele haben, 250 sind es dann pro Saison. Dass es noch viele Fans gibt, die wie früher versuchen, den ganzen Wettbewerb umfassend zu verfolgen, glaubt man bei den großen Klubs offenbar nicht mehr. Viele junge Fans seien zu ungeduldig, sich 90 Minuten Fußball am Stück anzusehen, heißt es in der Studie der ECA. Highlights bei Social Media seien stattdessen die Zukunft. Der moderne Fußball wird dieser Annahme zufolge also in Teilen zu einer Produktionsstätte von 60-sekündigen Vertikalvideos, auch für ferne Märkte von den USA bis nach China. Und dafür braucht es Stars.

Nicht jeder Transfer der großen Spieler ergibt für die Klubs sportlich hundertprozentig Sinn - in Sachen Marketing tun sie es garantiert. Stars waren im Fußball schon immer wichtig, doch jetzt scheinen sie zu einer noch härteren Währung werden. Die Personalisierung des Spitzenfußballs wirkt so groß wie nie zuvor. Die Champions League ist seit Jahren von einem Dualismus zwischen Ronaldo und Messi geprägt. Bei der Suche nach den Nachfolgern für die beiden will keiner der großen Klubs eine Chance auslassen.

Stand: 27.08.2021, 21:32

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