Ab Halbfinale mehr als 60.000 Fans in Wembley zugelassen

Das Wembley Stadion in London

EURO 2020

Ab Halbfinale mehr als 60.000 Fans in Wembley zugelassen

Trotz großer Kritik und Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus werden ab dem Halbfinale der UEFA EURO 2020 deutlich mehr Fans zugelassen. Die britische Regierung entschied, dass das Londoner Wembley-Stadion für die entscheidenden Spiele mehr als 60.000 Zuschauer empfangen darf. Für viele Politiker "das völlig falsche Signal", auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist besorgt.

Das Londoner Wembley-Stadion soll bei den weiteren Spielen bis zu 75 Prozent seiner Kapazität ausgelastet werden. Dies entspräche 67.500 Zuschauern, die Maximalkapazität des Stadions liegt bei 90.000 Zuschauern. In London sollen die EM-Halbfinals finden am 6. und 7. Juli und das Finale am 11. Juli ausgetragen werden.

"Die Finalspiele versprechen, ein unvergesslicher Moment in unserem nationalen Bestreben zu werden, die Pandemie zu überwinden", sagte Oliver Dowden, Sekretär in Englands Kultur- und Sportministerium. Die Kulisse von mehr als 60.000 Fans wäre die größte bei einem Sportevent in Großbritannien seit 15 Monaten. Besucher müssen vor dem Einlass ein negatives Corona-Testergebnis oder einen Impfnachweis vorlegen. Zuletzt war die Kapazität für die letzten Spiele des Turniers in Wembley bereits von 22.500 auf 40.000 Zuschauer erhöht worden.

Gesundheitsexperte Lauterbach: "Völlig falsches Signal"

In den Gruppenspielen sind 22.500 Fans zugelassen, für die beiden Achtelfinalspiele am Samstag (26.06.2021) und Dienstag werden bis zu 45.000 Zuschauer ins Stadion gelassen.

Aus Deutschland, Frankreich und Italien stoßen die Pläne auf Ablehnung, selbst die 22.500 Zuschauer waren dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach bereits zu viel. "Unverantwortlich" und das "völlig falsche Signal" seien Spiele vor Fans in England, da dort die Infektionszahlen seit Tagen steigen.

Bundeskanzlerin Merkel "skeptisch"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie sei "skeptisch", auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Ministerpräsident Mario Draghi pflichteten ihr bei. "Ich bin dafür, dass das Finale nicht in einem Land stattfindet, in dem das Infektionsrisiko natürlich sehr hoch ist", sagte Draghi. Italiens Nationalmannschaft absolviert am Samstag (21.00 Uhr) gegen Österreich ihr Achtelfinale in London.

Auch die Weltgesundheitsorganisation kommentierte die Entscheidung kritisch: "Die WHO ist besorgt über die Lockerung der Beschränkungen in einigen der Gastgeberländer. Einige Länder, in denen das Turnier ausgetragen wird, erhöhen jetzt die Zahl der Zuschauer, die ins Stadion dürfen, um ein Spiel zu sehen", sagte Robb Butler, Exekutivdirektor des WHO-Regionalbüros Europa.

Zugeständnis in Richtung UEFA

Der Schritt der britischen Regierung ist als Zugeständnis der Regierung in Richtung der UEFA zu interpretieren. Zuletzt hatte die Tageszeitung "The Times" spekuliert, England könnte die Entscheidungsspiele verlieren.

Die UEFA möchte wohl Ausnahmeregelungen für VIP-Gäste erwirken, die von den strengen Corona-Maßnahmen auf der Insel ausgenommen werden sollen. Andernfalls würden die Spiele womöglich verlegt, Budapest sei laut "The Times" eine Alternative.

red/sid | Stand: 22.06.2021, 20:35

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