Reals Lucas Vázquez gegen Barcelonas Memphis Depay

Zweikampf Barca gegen Real Mit aller Macht zurück auf Augenhöhe

Stand: 08.08.2022 23:44 Uhr

Vor dem Saisonstart in der spanischen Primera Division fühlt sich der FC Barcelona wieder als ernsthafter Herausforderer für Real Madrid - wenn alle Neuzugänge wirklich spielen dürfen.

Florentino Perez, allmächtiger und nicht unumstrittener Präsident von Real Madrid, steht bei den Madridistas für eine ungemein erfolgreiche Ära: Sollten sich die "Königlichen" am Mittwochabend (10.08.2022) im Endspiel des Supercups gegen Eintracht Frankfurt durchsetzen, wäre dies der 30. Titel in der Amtszeit von Perez - dem Real-Boss würden damit nur noch drei fehlen, um mit Santiago Bernabeu gleichzuziehen, dem legendären Klub-Präsidenten und Namenspatron des Stadions.

Real Madrid - ohne Mbappé, aber nicht schwächer als im Vorjahr

Den größten Coup des Sommers, nach dem Gewinn der Champions-League-Trophäe, konnte aber auch der erfolgsverwöhnte Perez nicht liefern: Kylian Mbappé, eigentlich schon fest eingeplant als nächster galaktischer Neuzugang, unterschrieb überraschend doch einen neuen Vertrag bei Paris St. Germain. Der geplatzte Wechsel löste in Spanien eine halbe Staatsaffäre aus, der Liga-Dachverband kündigte sogar eine Beschwerde an bei der Europäischen Union und den französischen Steuerbehörden.

Doch auch ohne den wohl besten Offensivspieler des Planeten lässt sich sagen, dass der Kader des spanischen Meisters nicht schwächer aussieht als in der vergangenen Saison, im Gegenteil: Für die eingesparten Mbappé-Millionen holte Real den hoch veranlagten Aurelien Tchouameni, der in Frankreich schon als neuer N’Golo Kanté gilt und künftig in Madrid den Mittelfeld-Dominator geben soll.

Auch Antonio Rüdiger dürfte eine echte Verstärkung in der Abwehr sein. Und im Angriff hat Real zwar nicht den Wunderstürmer Mbappé, aber immer noch Karim Benzema, mit 15 Toren zum besten Spieler der Saison in der Champions League gewählt und Garant für den Triumph in der Königsklasse. Gemeinsam mit Vinicius Junior bildete Benzema im Vorjahr eins der gefürchteten Angriffsduos Europas.

Robert Lewandowski ist offiziell beim FC Barcelona vorgestellt worden. Der Stürmerstar kündigte Tore und einige Jahre auf "höchstem Niveau" an.

Für Reals Erzrivalen, den FC Barcelona, dürfte dies ein weiterer Grund dafür gewesen sein, fast alles für die Verpflichtung eines anderen europäischen Top-Stürmers einzusetzen: Robert Lewandowski. "Er bringt das Camp Nou zum Träumen", schrieb die in Barcelona ansässige Sportzeitung "Mundo Deportivo", nachdem der langjährige Bayern-Torjäger beim 6:0 gegen den mexikanischen Klub Pumas UNAM im Spiel um die Joan-Gamper-Trophäe seinen ersten Treffer im "Blaugrana"-Trikot erzielt hatte.

Mit Weltfußballer Lewandowski sieht sich Barcelona wieder bereit, die an Madrid verlorene Vormachtstellung in Spanien zurückzuerobern. Spanische Medien, auch die aus Madrid, schwärmten bereits davon, wie blendend sich Lewandowski vor allem mit dem jungen Spielmacher Pedri versteht. Auf Lewa-Pedri, schrieb "AS", müsse man wirklich aufpassen."

Mit der Verpflichtung eines 34 Jahre alten Top-Stürmers ist Barcelona noch ein Stück weiter von der eigenen Klub-DNA abgerückt, die den Verein vor allem in der Ära unter Pep Guardiola großgemacht hat: ein eingespieltes Erfolgsteam, das nachhaltig mit jungen Spielern aus der berühmten Akademie La Masia verstärkt wird. Talente, die sich nahtlos in Barcas Spielsystem einfügen, weil sie es von klein auf verinnerlicht hatten. Auch im aktuellen Kader stehen neben Pedri weitere Jungstars wie Gavi oder Ansu Fati - Spieler, die längst das Potenzial nachgewiesen haben, dass sie das Barca-Team der Zukunft prägen können.

150 Millionen Euro für Lewandowski, Raphinha und Koundé

Doch für die Gegenwart hatte Barcas Präsident Joan Laporta offenbar anderes im Sinn. Laporta setzte die riskante Strategie hochpreisiger Star-Einkäufe fort, die den Klub in den vergangenen Jahren vor allem an den Rand des Ruins gebracht haben. Neben der Verpflichtung von Lewandowski gewann Barca auch das Wettbieten um Brasiliens Offensivmann Raphinha und Innenverteidiger Jules Koundé, insgesamt soll der Klub weitere 150 Millionen Euro ausgegeben haben.

Zwar wird in spanischen Medien weiter darüber spekuliert, ob die Katalanen für ihre Neuzugänge überhaupt eine Spielgenehmigung von der Liga bekommen. Der Klub steht wegen seiner horrenden Schulden weiter unter Beobachtung. Es kursieren teils abenteuerlich klingende Meldungen über Barcas Finanzabteilung, über angebliche Buchungstricks und sonstige Manöver. So soll der Klub auch versucht haben, die noch vom Vorgängerpräsidium eingefädelte Vertragsverlängerung mit Frenkie de Jong für ungültig zu erklären, wohl um das bereits vereinbarte Gehalt für de Jong nachträglich zu drücken.

Pedri verspricht Titel: "Wir sind Barca"

Lässt man dies alles beiseite und geht davon aus, dass alle neuen Stars auch tatsächlich spielen werden – dann dürfen sich die Katalanen in der neuen Saison definitiv wieder auf Augenhöhe mit Real fühlen, und als erster Herausforderer des Meisters und Champions-League-Siegers. "Das Präsidium hat großartige Arbeit geleistet, die Neuverpflichtungen tun uns sehr gut", sagte Nationalspieler Pedri bei "Mundo Deportivo". Den Fans versprach er, dass sie nicht noch eine Horror-Saison wie die vergangene erleben werden: ohne Titel und mit dem kläglichen Scheitern, erst in der Champions League, dann in der Europa League. "Wir sind Barca, wir müssen um Titel spielen."