Schiedsrichter Janny Sikazwe (l.) mit Tunesiens Trainer Mondher Kebaier

Fußball | Afrika-Cup Schiedsrichter pfeift Tunesien gegen Mali zwei Mal zu früh ab, Protest erfolglos

Stand: 14.01.2022 07:52 Uhr

Der Schiedsrichter beim Afrika-Cup-Spiel zwischen Tunesien und Mali hat zwei Mal zu früh abgepfiffen. Die Teams sollten lange nach dem vermeintlichen Schlusspfiff wieder spielen - doch Tunesien weigerte sich. Ein Protest wurde abgewiesen.

Schiedsrichter Janny Sikazwe aus Sambia pfiff das Spiel in Limbe zur Verwunderung der Anwesenden nach 85:06 Minuten zum ersten Mal ab. Nach kurzen Diskussionen überzeugten ihn die Spieler davon, dass die Zeit noch nicht abgelaufen war, das Spiel lief weiter.

Nach 89:45 Minuten wiederholte Sikazwe seinen Fehler und pfiff erneut ab, bevor die 90 Minuten abgelaufen waren. Die Delegation von Tunesien, das 0:1 gegen Mali zurücklag, protestierte vergeblich. Der Schiedsrichter verließ unter dem Schutz von Sicherheitskräften den Platz.

Pressekonferenz unterbrochen für eine weitere Fortsetzung des Spiels

Der verfrühte Abpfiff verwunderte auch deshalb, weil der Schiedsrichter sowohl einen von Tunesiens Wahbi Khazri verschossenen Strafstoß (77. Minute) als auch eine Rote Karte gegen Malis Mittelfeldspieler El Bilal Touré (87.) noch am Monitor überprüfte. Auch das einzige Tor, das Malis Ibrahima Koné per Handelfmeter erzielt hatte (48.), fiel in der zweiten Hälfte. Gründe für eine Nachspielzeit lagen klar vor.

Alles schien nach dem zweiten Schlusspfiff vorbei: Torwart Ibrahim Bosso Mounkoro erhielt nach dem vermeintlichen 1:0-Sieg seines Teams einen Preis als "Spieler des Spiels", Malis Trainer saß in der Pressekonferenz. Doch die wurde plötzlich unterbrochen, das Spiel sollte erneut wieder aufgenommen werden.

Mali und der Schiedsrichter erneut auf dem Platz - aber Tunesien kam nicht

Malis Spieler und der Schiedsrichter kamen zurück auf den Platz. Tunesien spielte allerdings nicht mehr mit, es erfolgte in Abwesenheit der tunesischen Mannschaft der dritte und letzte Schlusspfiff.

"Wir wollten die verbleibenden Minuten nachholen, aber Tunesien wollte nicht weiterspielen", sagte Malis Trainer Mohamed Magassouba. Mondher Kebaier, Trainer von Tunesien, erklärte: "Der Schiedsrichter hat nach 85 Minuten und nach 89 Minuten abgepfiffen, er hat uns die Konzentration genommen. Wir wollten nicht weitermachen, weil die Spieler bereits geduscht hatten, dekonzentriert und demoralisiert angesichts dieses Grauens waren."

Ein formeller Protest wurde am Donnerstag (13.01.2022) abgewiesen. "Nach Prüfung des tunesischen Protestes und des Berichts der Spielleitung hat das Organisationskomitee beschlossen, den Protest der tunesischen Mannschaft abzulehnen und das Spiel mit 1:0 für Mali zu werten", teilte der afrikanische Kontinentalverband CAF mit.

Erfahrener Schiedsrichter

Schiedsrichter Sikazwe ist zum fünften Mal beim Afrika-Cup dabei. Auch bei der WM 2018 leitete er Spiele. Sikazwe war im November 2018 nach einem Spiel der afrikanischen Champions League suspendiert worden, wegen "Korruptionsverdachts". Wegen fehlender Beweise wurde die Sperre wieder aufgehoben.

Drei Mal die falsche Hymne Mauretaniens

Auch die zweite Partie der Gruppe F zwischen Mauretanien und Gambia (0:1) in Limbe verlief keineswegs nach Plan: In drei Versuchen wurde jeweils nicht die seit vier Jahren gültige, sondern die alte Hymne Mauretaniens gespielt. Die mauretanischen Spieler schauten irritiert, einige schüttelten den Kopf. Das Siegtor für Gambia erzielte Ablie Jallow in der 10. Minute.

Im dritten Spiel des Tages in Gruppe E feierte die Elfenbeinküste beim 1:0 (1:0) gegen Äquatorialguinea einen unspektakulären Favoritensieg.