FIFA WM 2022 Australien knockt Dänemark aus und zittert sich ins Achtelfinale

Stand: 30.11.2022 17:54 Uhr

Zum ersten Mal seit 16 Jahren hat Australien wieder die Vorrundenhürde übersprungen. Mit einem 1:0-Sieg gegen Dänemark zogen die "Socceroos" ins Achtelfinale bei der Fußball-WM in Katar ein und stürzten den EM-Halbfinalisten ins Tal der Tränen.

Für die Erlösung im entscheidenden Spiel im Al-Janoub Stadium in Al-Wakrah sorgte am Mittwoch (30.11.2022) Mathew Leckie. Der Ex-Bundesliga-Profi (u.a. Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach) traf nach einem Konter mit einem präzisen Linksschuss zum Tor des Tages (61. Minute). "Es ist ganz schwer, meine Emotionen zu beschreiben", sagte Leckie: "Wir wussten, wir können es schaffen - mit unserem Spirit, mit unserem Glauben. Die letzten 15, 20 Minuten haben wir stark gekämpft. Ich bin so stolz. Jetzt geht es darum, sich auszuruhen. Schon bald kommt das nächste Spiel."

Erst Sommermärchen, jetzt Wüsten-Wintermärchen

Fünfmal waren die Australier zuvor bei einer WM dabei, viermal mussten sie nach der Gruppenphase die Koffer packen. In Katar klappte es mal wieder mit der K.o.-Runde. Es war der erste Achtelfinal-Einzug bei einer WM seit dem Turnier 2006 in Deutschland. Die Dänen - nach einer starken WM-Quali als Geheimfavorit gehandelt - schieden mit nur einem Punkt (0:0 gegen Tunesien) überraschend früh aus.

Dänemarks Pierre-Emile Hojbjerg und Andreas Christensen sind nach dem  0:1 enttäuscht

Dänen: Neue Taktik, frische Spieler

Die Australier hatten vor dem Gruppenfinale die beste Ausgangssituation und ihr Schicksal im Gegensatz zu den Rivalen aus Dänemark und Tunesien in der eigenen Hand. Die "Socceroos" hatten sich mit einem 1:0-Sieg gegen Tunesien in die glänzende Ausgangslage gebracht. Kein Wunder, dass Trainer Graham Arnold seine Startelf kaum veränderte und lediglich einen Wechsel vornahm: Der frühere 1860-München-Profi Milos Degenek verteidigte anstelle von Fran Karacic.

Kasper Hjulmand, Cheftrainer der Dänen, setzte nach dem enttäuschenden Start mit nur einem Punkt aus zwei Spielen auf drei frische Spieler. Mathias Jensen rückte für Victor Nelsson ins Team, in der Offensive sollten Andreas Skov Olsen und Martin Braithwaite mehr Torgefahr ausstrahlen, als es zuletzt Mikkel Damsgaard und Andreas Cornelius gelang. Zudem agierten die Dänen erstmals mit einer Vierer-Abwehrkette.

"Danish Dynamite" zündet nicht

Damit wollte der EM-Halbfinalist von 2021 mehr Offensiv-Power entfachen. Der Plan ging auf - allerdings nur bei Ballbesitz und Torschüssen. Torgefahr strahlte "Danish Dynamite" nur in den ersten 20 Minuten aus.

In der Startphase zogen sich die "Socceroos" extrem weit zurück und überließen Dänemark den Ball. Die Hjulmand-Elf kombinierte sich gefällig durch das Mittelfeld, doch im letzten Drittel wurde es zu ungenau. So landeten nahezu alle Eingaben beim Gegner.

Und wenn doch mal ein Schuss auf das Tor flatterte, war Mathew Ryan zur Stelle. Der Schlussmann der Australier musste in der elften Minute bei einem strammen Schuss aus spitzem Winkel von Jensen erstmals eingreifen und blieb auch gegen Christian Eriksen, der aus Nahdistanz zum Abschluss kam, Sieger.

Australien kämpft sich in die Partie

Insgesamt mangelte es den Dänen trotz deutlicher Überlegenheit wie schon in den ersten beiden Spielen an zwingenden Abschlüssen und ab der 30. Minute auch an Ideen. Stattdessen kämpften sich die Australier in die Partie, verlagerten das Geschehen in das Mittelfeld und tauchten nach einfachen Fehlern der Dänen in der Schlussphase der ersten Hälfte immer öfter gefährlich vor dem Tor von Kasper Schmeichel auf.

Dänemark verunsichert

Dänemark blieb noch eine Halbzeit, um das WM-Aus abzuwenden. Doch der Start in die zweite Halbzeit war katastrophal. Schmeichel bescherte Australien mit einem Larifari-Pass eine Ecke, daraus resultierte eine Top-Schusschance von Aziz Behich. Die Szene war beispielhaft für das enttäuschende Auftreten des EM-Überfliegers, der Körpersprache und Tempo vermissen ließ.

Leckie trifft cool zum 1:0

Australien musste spätestens ab der 57. Minute mehr riskieren. Zu diesem Zeitpunkt war Tunesien gegen Frankreich in Führung gegangen und in der Tabelle der Gruppe D an Australien vorbeigezogen. Die Antwort kam prompt: Riley McGee schickte Mathew Leckie steil, der schlug wie ein Hase Haken, ließ damit Joakim Maehle alt aussehen und traf mit links ganz platziert ins lange Eck.

Mathew Leckie erziehlt das 1:0 für Australien

Mathew Leckie erziehlt das 1:0 für Australien

Australien zittert sich zum Schlusspfiff

Dänemark brauchte jetzt drei Tore, um doch noch die K.o.-Runde zu erreichen. Davon waren die Nordeuropäer an diesem Tag jedoch meilenweit entfernt. Stattdessen drängte Australien nach der Führung auf das 2:0. Das hätte für Ruhe gesorgt.

So aber musste Australien zittern, denn die Nordafrikaner führten immer noch gegen Frankreich. Ein Tor der Dänen und Australien wäre ausgeschieden. Die Spieler aus "Down Under" warfen sich in jeden Ball, verteidigten das knappe 1:0 mit Glück und Geschick und jubelten über den zweiten Achtelfinaleinzug ihrer WM-Historie.