Die russische Tennisspielerin Anastasia Pavlyuchenkova

Sportpolitik | Krieg in der Ukraine Nach Ausschluss abgetaucht: Russlands Sportler halten sich (noch) zurück

Stand: 01.03.2022 14:08 Uhr

Tennis-Star Daniil Medwedew, seine Kollegin Anastasia Pavlyuchenkova und Fußballer Fedor Smolov - aktive russische Sportler, die sich öffentlich gegen den Angriffskrieg ihres Landes stellen, sind noch rar. Umso entrüsteter sind die russischen Sportverbände über den Ausschluss aus den Wettbewerben.

Am Dienstagmorgen (01.03.2022) übermittelte Spartak Moskau sein Entsetzen per Twitter: "Die Entscheidung, unser Team aus der Europa League auszuschließen, ist erschütternd. Wir glauben, dass der Sport auch in den schwierigsten Zeiten darauf abzielen sollte, Brücken zu bauen und sie nicht abzubrechen." Auch die Fußballer aus der russischen Hauptstadt bezahlen schwer für den Angriffskrieg ihrer politisch verantwortlichen Landsleute gegen die benachbarte Ukraine.

Es ist ein gemässigter Post, dessen Zusatz tief blicken lässt: "Wir werden uns auf nationale Wettbewerbe konzentrieren und auf eine baldige Verwirklichung des Friedens hoffen, den alle brauchen", twittert Spartak weiter. Übersetzt ist dies nichts weniger als ein Appell an die eigene Regierung: "Hört auf damit!"

Aktive Sportler noch sehr vorsichtig

Natürlich müssen sich Sportler in Russland selbst vorsichtig ausdrücken, wenn sie die russische Regierung in diesen Tagen kristisieren. Entsprechend sind auch kaum klare Bekenntnisse von aktiven Sportlern aus dem Land selbst zu lesen oder zu hören. Die Gefahr vor Restriktionen sind wahrscheinlich zu groß.

Anders sieht das bei russischen Sportlern aus, die permanent auf der ganzen Welt unterwegs und kaum an ihr Heimatland gebunden sind. Die Tennisspieler beispielsweise. So ließ der gerade erst zum Weltranglisten-Ersten gekürte Daniil Medwedew von einem Turnier aus Mexiko wissen: "Ich stehe für den Frieden auf der ganzen Welt ein".

Ausschluss von russischen Athleten durch internationale Sportverbände

Morgenmagazin, 01.03.2022 05:00 Uhr

Deutliche Äußerungen von Tennisprofis

Noch deutlicher äußerte sich seine Landsfrau Anastasia Pavlyuchenkova über Twitter: "Ich spiele Tennis seit meiner Kindheit und repräsentiere seither Russland. Aber ich bin ganz klar gegen Krieg und Gewalt. Persönliche Ambitionen oder politische Motive rechtfertigen niemals Gewaltanwendung!"

Ebenso machte der russische Tennisprofi Andrej Rublew beim Tennisturnier in Dubai seine Einstellung zum Krieg deutlich, als er die Botschaft "No war please" (Bitte keinen Krieg) auf eine TV-Kameralinse schrieb, nachdem er den Polen Hubert Hurkacz bezwungen hatte.

Fußballer Smolov - "Nein zum Krieg!!"

Der russische Fußballprofi Fedor Smolov, mit 577.000 Instagram-Followern sehr stark in den Sozialen Medien aktiv, postete auf seinem Kanal als Reaktion einfach nur ein Schwarzbild mit der Zeile: "Nein zum Krieg!!".

Sonst war von russischen Fußballern, deren Nationalmannschaft ja von den bevorstehenden WM-Playoff-Spielen ausgeschlossen wurde, öffentlich noch nichts zu hören oder lesen. Dafür aber von ihrem Fußballverband (RFS), der Russlands Ausschluss als "ausdrücklich diskriminierend" veurteilte. Dies verstoße "gegen alle Standards und Prinzipien des internationalen Wettbewerbs" sowie gegen "das Ethos von Sportsgeist und Fairplay", heißt es in einer Erklärung des RFS.

Till Krause, Sportschau, 01.03.2022 11:28 Uhr

Russischer Biathlonverband entrüstet

Ähnlich entrüstet hat sich der russische Biathlon-Verband (RBU) über die Entscheidung des Weltverbands IBU gezeigt, wonach Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus bei den letzten drei Weltcups in diesem Winter nur unter neutraler Flagge antreten dürfen.

Die RBU halte den Schritt für "rechtswidrig, unvernünftig und kategorisch inakzeptabel", hieß es in einem Statement auf der eigenen Webseite am Samstagabend. "Um die russischen Athleten nicht dem Risiko einer Demütigung auszusetzen" und ihre Sicherheit zu gewährleisten, habe man nun von sich aus entschieden, weder bei den anstehenden Weltcups noch im zweitklassigen IBU-Cup anzutreten.