Englands Fußball-Nationalspielerin Ellen White (l.) im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich beim Abschluss

EM-Auftaktspiel England gegen Österreich in der Favoritenrolle

Stand: 06.07.2022 14:12 Uhr

Englands Fußballerinnen wollen bei der heute (06.07.22) beginnenden Heim-EM ihren ersten bedeutenden Titel gewinnen. Die seit 14 Partien ungeschlagenen Gastgeberinnen zählen zum engsten Favoritenkreis. Doch können die "Lionesses" dem Druck standhalten?

Mit ihren 35 Jahren hat Jill Scott schon viel erlebt. Die Mittelfeldakteurin ist mit vier Weltmeisterschaftsteilnahmen und 157 Länderspiel-Einsätzen für die Auswahl der Football Association (FA) die mit Abstand erfahrenste Spielerin im Aufgebot Englands. Doch wenn Scott, die 2006 für ihr Heimatland debütierte, an die Auftaktpartie am Mittwoch (06.07.22, 21 Uhr, live im Ersten und hier bei sportschau.de) in Manchester denkt, bekommt Englands WM-Rekordspielerin "Gänsehaut", wie sie freimütig zugab.

Christoph Prössl, Sportschau, 05.07.2022 13:17 Uhr

Scott: "Müssen uns auf das Spiel fokussieren"

Das Stadion Old Trafford ist mit den von der UEFA zugelassenen 74.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Nie zuvor in der EM-Historie hatte ein Eröffnungsspiel eine solch große Kulisse. Und die allermeisten der Besucher im "Theater der Träume" werden den "Lionesses" die Daumen drücken und einen Sieg von ihnen erwarten. Scott ist sich dessen und der damit verbundenen Drucksituation bewusst. "Wir müssen uns auf das Spiel fokussieren und unseren Job machen. Am Ende des Tages zählt, dass wir gewinnen", sagte die 35-Jährige.

England in bestechender Form

Die Favoritenrolle im Duell mit dem Überraschungs-Halbfinalisten der EM 2017 liegt klar bei den Engländerinnen. Seit 14 Partien sind die "Löwinnen" ungeschlagen. Zuletzt fegten die Gastgeberinnen in der Vorbereitung auf das Heimturnier Europameister Niederlande mit 5:1 und die Schweiz auswärts 4:0 vom Platz. Handelte es sich dabei nur um Freundschaftsspiele, unterstreicht die Bilanz in der WM-Qualifikation Englands Stärke noch eindrucksvoller: Acht Spiele, acht Siege, 68:0 Tore.

Einzig im Duell mit Österreich taten sich die EM-Gastgeberinnen am 27. November des vergangenen Jahres schwer. Die Partie in Sunderland wurde "nur" mit 1:0 gewonnen. Torschützin vor 9.159 Zuschauern war dabei Ellen White, die in ihrem 100. Länderspiel kurz vor der Pause erfolgreich war (39.).

Trainerin Wiegman will erneut ins EM-Finale

Die 33 Jahre alte Angreiferin von Manchester City zählt auch beim Heimturnier zu den großen Hoffnungsträgerinnen der englischen Auswahl. "Wir sind so glücklich, dass so viele Leute zu unseren Spielen kommen werden. Wir wollen das Land stolz machen", sagte White, die in der Vorbereitung wegen einer Corona-Infektion einige Tage lang ausfiel. Ihr großes Ziel: Das Finale am 31. Juli im Londoner Wembley-Stadion, das mit 87.200 Zuschauern bereits jetzt restlos ausverkauft ist.

Sollten die Gastgeberinnen es bis dorthin schaffen, wäre es für ihre Trainerin Sarina Wiegman die zweite Endspiel-Teilnahme in Folge. 2017 wurde die Niederländerin mit ihrem Heimatland Europameisterin, nun will sie es mit England werden. "Ja, wir können es schaffen", zeigte sie sich zuversichtlich.

Österreich mit 13 Deutschland-Legionärinnen

Auch bei Auftaktgegner Österreich sitzt eine Frau auf der Trainerbank. Die frühere Nationalspielerin Irene Fuhrmann beerbte Ende Juli 2020 Dominik Thalhammer, der das Team beim EM-Debüt in den Niederlanden sensationell in die Vorschlussrunde geführt hatte. Wie ihr Vorgänger setzt auch die 41-Jährige auf Angriffspressing, hat den Spielstil der Mannschaft allerdings hier und da etwas modifiziert.

Den letzten Eindrücken zufolge sind die Österreicherinnen inzwischen variabler als vor fünf Jahren, als ihr Auftreten zuweilen geradezu wild wirkte. Das mag allerdings auch auf dem gestiegenen Altersdurchschnitt des Teams gründen, aus dem 13 Spielerinnen bei deutschen Bundesligisten unter Vertrag stehen.

Statistik spricht für "Lionesses"

Verteidigerin Laura Wienroither und Keeperin Manuela Zinsberger verdienen ihren Lebensunterhalt hingegen beim Arsenal WFC in London und haben somit in gewisser Weise ein Heimspiel bei der EM. Ob ihre Erfahrungswerte aus dem Ligabetrieb dem Team helfen können, wird sich zeigen. Fakt ist: Österreich geht als klarer Außenseiter in die Auftaktpartie.

Alle bisherigen sieben Vergleiche mit England verlor die Alpenrepublik. Beim 0:1 zuletzt in der WM-Qualifikation fiel die Niederlage zwar knapp aus. Doch knapp 72 Prozent Ballbesitz sowie 22:4 Torabschlüsse sprachen eine deutliche Sprache für die Dominanz der "Lionesses", mit der auch am Mittwochabend zu rechnen ist.

Zinsberger gab sich dennoch kämpferisch. "Am Tag X musst du performen können, da hilft dir keine Statistik. Wir schauen nicht in die Vergangenheit, sind im Hier und Jetzt. Das ist wichtig", erklärte die 26-Jährige. Die frühere Keeperin des FC Bayern München erinnerte daran, dass Österreich in der Vergangenheit bereits bewiesen habe, größere Teams "ärgern" zu können.

Zu verlieren hat der Außenseiter im "Theater der Träume" ohnehin nichts. Anders als die Engländerinnen, auf die am Mittwochabend ein ganzes Land schaut...

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Sportschau | 06.07.2022 | 20:15 Uhr