Kameras bei einem Spiel der UEFA Champions League

Fußball | Champions League UEFA holt noch mehr Geld für Champions League - die Ungleichheit wächst

Stand: 14.02.2022 13:48 Uhr

Die UEFA hat die Übertragungsrechte für die Champions League ab 2024 verkauft. Sie erlöst künftig deutlich mehr Geld - das die Super League blockieren soll, aber die Ungleichheit in den nationalen Ligen weiter vorantreiben könnte.

Von Chaled Nahar

Die Rechte für die Übertragung der UEFA-Klubwettbewerbe für die Saisons 2024/25 bis 2026/2027 standen zum Verkauf - und mit dem Ergebnis war man bei der UEFA offenbar zufrieden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sagte vergangene Woche einer Mitteilung zufolge, man begrüße die getroffenen Vereinbarungen, "die in einer so wichtigen Zeit, die nach finanzieller Stabilität verlangt, eine weitere Ausschüttung von Einnahmen an Vereine in ganz Europa ermöglichen werden".

Es ist mehr geworden als nur "Stabilität". Rund 15 Milliarden Euro wird die UEFA mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge für die drei Saisons der Champions League, der Europa League und der Europa Conference League einnehmen - maßgeblich ist natürlich die Königsklasse. Im Vergleich zum Zeitraum 2018 bis 2021 bedeutet das etwa eine Verdopplung. Der deutliche Anstieg der Einnahmen hat Folgen: für die Klubs, für die Super League und für die nationalen Ligen wie die Bundesliga.

Medienrechte UEFA-Klubwettbewerbe
Zeitraum Euro
2000 - 2003 1.852.500.000
2003 - 2006 1.449.400.000
2006 - 2009 2.006.500.000
2009 - 2012 3.214.800.000
2012- 2015 4.053.300.000
2015 - 2018 6.021.400.000
2018 - 2021 7.785.000.000
2021 - 2024 9.105.000.000
2024 - 2027 15.000.000.000*

*Schätzung

Spitzenklubs mit noch mehr Macht in der UEFA

Die Rechte kauften die Vermarktungsagentur TEAM und zudem allein für den Markt in den USA die Gruppe Relevant. Diese werden nun die Rechte an Fernsehsender und Streaminganbieter vergeben. Das Geld der beiden Vermarkter wird die UEFA an die teilnehmenden Klubs verteilen. Und die freuen sich nicht nur über das Geld. Nasser Al-Khelaifi, Chef der europäischen Klub-Vereinigung ECA, schrieb nach Angaben der britischen Zeitung "The Times" in einem Brief an die Klubs: "Die Vereinbarung stellt eine tektonische Verschiebung in der Rolle dar, die die Klubs jetzt bei den Entscheidungen spielen, die den europäischen Fußball prägen."

Nasser Al-Khelaifi und Aleksander Ceferin stehen nebeneinander

Nasser Al-Khelaifi und Aleksander Ceferin

Anders gesagt: Die Klubs haben deutlich mehr Macht als früher, sie haben die Verhandlungen gemeinsam mit der UEFA geführt. Schon in den Verhandlungen zur Reform der Champions League wollte die ECA mehrheitlich das Sagen in einer gemeinsam mit der UEFA geführten Firma "UEFA Club Competitions SA" haben, die die Wettbewerbe kommerziell verwertet. Al-Khelaifi und die ECA sprechen nun von einer "gemeinsamen Entscheidungsfindung" mit der UEFA. Es ist ein Mitspracherecht, von dem die nationalen Ligen, Spielergewerkschaften oder Fan-Organisationen nur träumen können. Und es ist eines, das sich wahrscheinlich auch auf die Verteilung des Geldes auswirken wird: Von dem wirtschaftlichen Wachstum des europäischen Profifußballs könnte erneut vor allem die Elite profitieren.

Mehr Geld von der UEFA bedeutet mehr Ungleichheit in der Liga

Die finanzielle Ungleichheit in den nationalen Ligen, die die sportliche Ungleichheit antreibt, dürfte sich durch die Mehreinnahmen weiter verstärken. Bayern München als Dauermeister der Bundesliga ist nur ein Beispiel, in mehreren Ländern beschränkt sich der Titelkampf auf wenige Klubs oder gar nur ein Spitzenteam. In Deutschland erhält Bayern München in dieser Saison mehr als 88 Millionen Euro aus der Vermarktung der Bundesliga. Am Tabellenende sind es nur 30 bis 35 Millionen Euro. Die Unterschiede werden noch deutlicher, wenn das Geld von der UEFA hinzukommt. Für ihren Sieg in der Champions League 2019/20 bekamen die Bayern mehr als 125 Millionen Euro. Und diese jährlich fließenden Beträge der UEFA könnten sich nun erheblich erhöhen.

Jacco Swart, Geschäftsführer der European Leagues

Jacco Swart, Geschäftsführer der European Leagues

100 Spiele zusätzlich wird es in der Champions League ab 2024 im Zuge einer Reform geben. "Wir verstehen, dass der Wert der Rechte durch die größere Anzahl an Spielen gestiegen ist", sagt Jacco Swart, Geschäftsführer des europäischen Ligenverbands, in dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) organisiert ist. "Wir wollten mit der UEFA und der ECA Grundlagen für die Geldverteilung festlegen - beide haben das abgelehnt." Nun muss verhandelt werden, sagt Swart im Gespräch mit der Sportschau. "Es muss sichergestellt werden, dass die Klubwettbewerbe der UEFA die sportliche und finanzielle Ausgeglichenheit der nationalen Ligen nicht weiter beeinträchtigen." Doch es wäre wohl verwunderlich, wenn nicht genau das passiert - die Profiteure dieses Vertrags werden kaum VfB Stuttgart, FC Burnley, FC Granada oder Sampdoria Genua heißen.

Eine Hoffnung der UEFA: Wer mehr Geld bekommt, braucht keine Super League

Denn hinter dem neuen Vertrag glimmt für die UEFA eine weitere Hoffnung: Das neue Mitspracherecht der Klubs und die massiv erhöhten Einnahmen könnten für Elite des europäischen Klubfußballs die Super League überflüssig machen. Sie müssten sich nicht mehr in den Konflikt mit Fans, Öffentlichkeit und UEFA begeben, ohne auf mehr Geld verzichten zu müssen. Den Preis dafür zahlen womöglich die Ligen, auch auf einer anderen Ebene. Wenn die Rechte der Champions League 15 Milliarden Euro an Rechtezahlungen von Sendern und Plattformen binden, müssen diese möglicherweise woanders Geld sparen - diese Befürchtung hatten die European Leagues in den Reform-Verhandlungen mehrfach geäußert. Auch die in den vergangenen Jahren gewachsene Ungleichheit zwischen Champions League und Europa League ist ein Problem.

Bisherige Geldverteilung Klubwettbewerbe
Saison Champions League (32 Teams) Europa League (48 Teams + 8 Absteiger)
2010/11 754.100.000 150.360.000
2011/12 754.100.000 150.360.000
2012/13 904.600.000 209.000.000
2013/14 904.600.000 209.000.000
2014/15 987.900.000 239.750.000
2015/16 1.295.258.000 411.155.000
2016/17 1.315.343.000 423.188.000
2017/18 1.335.669.000 428.813.000
2018/19 1.931.474.000 559.214.117
2019/20 1.922.417.000 543.774.000
2020/21 noch nicht veröffentlicht noch nicht veröffentlicht

Dass in die Reform insgesamt noch Bewegung reinkommt, ist mit dem Vertragsabschluss unwahrscheinlicher geworden, weil er den Vermarktungsagenturen Rahmenbedingungen zusichern muss. Die Reform beinhaltet ab 2024 nach jetzigem Stand für die Champions League maßgeblich vier Eckpunkte:

  • 100 zusätzliche Spiele.
  • 19 statt 15 Spieltage durch Ligaformat statt Gruppen ("Schweizer System").
  • 36 statt 32 Teams, die vier neuen Plätze sollen zum Teil nicht mehr über die nationale Liga, sondern über den Fünf-Jahres-Koeffizienten der UEFA vergeben werden - ein Rettungsnetz für schwächelnde Spitzenklubs, wenn sie die Champions League in ihrer Liga verpassen.
  • Deutlich mehr Geld für teilnehmende Klubs.