Felix Zwayer - Schiedsrichter mit Fragezeichen

Schiedsrichter Felix Zwayer in Aktion

Fußball | Bundesliga

Felix Zwayer - Schiedsrichter mit Fragezeichen

Von Sebastian Hochrainer

Nach dem Erfolg des FC Bayern München bei Borussia Dortmund wird über die Rolle von Schiedsrichter Felix Zwayer diskutiert. Sein Mitwirken im Hoyzer-Skandal ist dabei das Streitthema.

Wenn es nach Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc geht, hat Jude Bellingham nach der emotionalen 2:3-Niederlage gegen Bayern München nichts Unrechtes getan. "Er benennt alte Fakten", sagte der 59-Jährige und stellte sich damit schützend vor seinen Spieler.

Bellingham hatte über die vieldiskutierten Elfmeterentscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer zuvor im Interview mit dem norwegischen Sender "Viaplay" gesagt: "Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?"

Hoyzer wurde verurteilt, Zwayers Verfahren eingestellt

Dem Mittelfeldspieler droht ein Nachspiel, der DFB-Kontrollausschuss ermittelt, Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase stellte sogar Strafanzeige unter anderem wegen Beleidigung.

Die Frage ist aber auch: Was steckt hinter der Bellingham-Aussage? Welche Rolle spielte Zwayer, als Robert Hoyzer (mit ihm als Linienrichter) 2004 für einen Manipulationsskandal sorgte?

Zwayer war 2005 einer der Kronzeugen, er deckte mit auf, dass Hoyzer damals über mehrere Monate Spiele in der 2. Liga, Regionalliga und im DFB-Pokal manipuliert und dafür Geld bekommen hatte.

Hoyzer wurde zu zwei Jahren und fünf Monaten Haftstrafe verurteilt, ein Verfahren gegen Zwayer im November 2005 nach Paragraf 153, Absatz 1 wegen geringfügiger Schuld gegen eine Geldstrafe eingestellt. Zuvor war auch seine Wohnung durchsucht worden auf der Suche nach Beweisen.

Ein Konstrukt aus Zweifeln und Heimlichkeiten

Die Staatsanwaltschaft gab damals an, die Einstellung "mit nicht unerheblichen Bedenken" zu beantragen. Zwayer war zwar nicht gerichtlich verurteilt, der Verdacht aber auch nicht aus der Welt, dass auch er etwas mit den Manipulationen zu tun gehabt habe.

Genau das hielt aber der DFB offenbar für erwiesen, sperrte Zwayer für sechs Monate, weil er für das Spiel zwischen dem Wuppertaler SV und Werder Bremen II am 30. Mai 2004 300 Euro "Schmiergeld" erhalten haben soll.

Das Problem: Kommuniziert wurde das nie. Zwayer habe sich als Assistent "sportrechtlicher Verfehlungen schuldig gemacht", teilte der DFB im November 2005 mit, ohne jedoch die Sperre zu erwähnen. "Die Zeit" deckte diese erst 2014, neun Jahre später, auf.

Wie das Ganze so lange unter dem Deckmantel des Schweigens bleiben konnte? Zwayer hatte das Urteil sofort angenommen, deswegen kam es nie zu einer öffentlichen Verhandlung. Laut DFB habe der damals 23-Jährige zwar "grob sportwidrig" gehandelt, das Hoyzer-Angebot nicht abgelehnt und dem Verband die Manipulationen nicht sofort mitgeteilt - doch der Öffentlichkeit wollte der Verband diese Erkenntnisse offenbar nicht mitteilen.

Zwayer gibt nur das zu lange Schweigen zu

Dem DFB spielte dabei in die Karten, dass die Sechs-Monats-Sperre verrechnet wurde mit der Schutzsperre, die Zwayer auferlegt wurde, solange er als Kronzeuge im Hoyzer-Prozess beteiligt war. In dieser Zeit durfte der Schiedsrichter des Jahres 2014 also aus zwei Gründen keine Spiele leiten - bekannt war jedoch zu dieser Zeit nur einer.

Robert Hoyzer manipulierte unter anderem das Pokalspiel zwischen dem damaligen Drittligisten SC Paderborn und dem Hamburger SV.

Robert Hoyzer manipulierte unter anderem das Pokalspiel zwischen dem damaligen Drittligisten SC Paderborn und dem Hamburger SV.

Dass Zwayer die 300 Euro, wie von Hoyzer mehrfach vor Gericht und gegenüber dem DFB beteuert, angenommen hat, bestreitet er. Er gab lediglich zu: "Rückwirkend betrachtet gestehe ich, dass der Zeitpunkt, zu dem ich die Sache beim DFB angezeigt habe, nicht rechtzeitig genug gewählt war." Laut (geheimem) Urteil des DFB habe Zwayer jedoch das Geld erhalten, um "als Schiedsrichter-Assistent kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden". Eine Prüfung konnte Zwayer jedoch keine absichtlichen Fehler beim 1:0-Sieg des WSV nachweisen.

Wie beschädigt ist der Ruf dieses Schiedsrichters?

Fakt ist also: Zwayer wusste von Manipulationen, verschwieg sie aber zunächst. Er wurde für sechs Monate gesperrt, akzeptierte die Sperre sofort. Zwayer soll 300 Euro von Hoyzer angenommen haben, um den Ausgang des Spiels Wuppertal gegen Bremen II zu beeinflussen. Lediglich ein Vorwurf ist jedoch, dass Zwayer das Spiel manipuliert habe.

Wenn Bellingham sagt, Zwayer habe "schon mal Spiele verschoben", sind das also keine "alten Fakten", wie von Zorc behauptet. Eine Rolle im Hoyzer-Skandal ist unbestritten, eine größere, als der DFB damals publik machte. Doch zumindest nach den bisherigen Erkenntnissen eben keine aktiv manipulierende.

VAR-Projektleiter Drees verteidigt Zwayer

Wie geht es weiter mit Zwayer? Auch nach den Geschehnissen in Dortmund sieht der DFB offenbar keine Grundlage, an der Tragbarkeit des Schiedsrichters zu zweifeln. Jochen Drees, VAR-Projektleiter beim DFB, stärkte dem Referee den Rücken, bezeichnete den Elfmeterpfiff nach Handspiel von Mats Hummels als "korrekt" und den nicht gegebenen Strafstoß nach einem vermeintlichen Foul an Marco Reus als "Bewertungsfrage, die der Schiedsrichter auf dem Platz treffen muss". Die Fakten sind demnach auf Zwayers Seite.

Stand: 06.12.2021, 10:38

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