Fußball-Bundesliga Acht Bundesligateams im Abstiegskampf - aber ein Duo fremdelt

Stand: 11.02.2022 07:00 Uhr

Fast die halbe Fußball-Bundesliga steckt vor dem 22. Spieltag im Abstiegskampf. Zwei Teams davon hatten den Blick ursprünglich eher Richtung Champions League gerichtet – genau das ist ihr Problem.

Von Christian Hornung

Am 8. Dezember des vergangenen Jahres, also vor ziemlich genau zwei Monaten, ertönte noch diese wunderbare Musik im Stadion des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg: "Sie sind die Besten, these are the champions" heißt es in diesem ikonischen Song des britischen Komponisten Tom Britten.

Die Vermutung liegt nahe, dass man sich wirklich den Allerbesten dieses Kontinents zugehörig fühlt, wenn man als Spieler vor dem Anpfiff den Klängen der UEFA-Hymne lauscht und kurz darauf zum Champions-League-Spiel auf dem Rasen steht.

Harte Landung in der Realität

Auch Borussia Mönchengladbach hat in der Saison zuvor zu dieser fußballerischen Elite gehört und das Wunder geschafft, in einer Gruppe mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtjor Donezk die K.o.-Runde zu erreichen. Erst Manchester City war die Endstation der Traumreise.

Sportschau, 10.02.2022 10:07 Uhr

Der Kader der Gladbacher blieb nach dieser Spielzeit nahezu unverändert, zum zweiten Mal in Folge wurde kein einziger Star verkauft. Nach dem Abgang von Trainer Marco Rose schien Adi Hütter mit seinen begeisternden Europapokal-Nächten zuvor bei der Frankfurter Eintracht genau die richtige Wahl, um die Elf vom Niederrhein erneut nach Europa zu führen – und das war Hütters eigener Anspruch. Die Realität ist aber genau wie in Wolfsburg: Abstiegskampf.

Grätschen statt feiner Kombinationen

Plötzlich heißt es für die "Wölfe", die sogar noch mit einer selbst für die Bayern beeindruckenden Siegesserie in die aktuelle Saison gestartet waren, ebenso wie für die Gladbacher: Statt feiner Kombinationen gegen den FC Sevilla oder Real Madrid sind jetzt Grätschen gegen Fürth und Augsburg gefragt.

Marcus Thuram und Lars Stindl nach der Derby-Niederlage gegen Köln

Plötzlich im Abstiegskampf: Marcus Thuram und Lars Stindl sind fassungslos

Dazu sind viele Profis beider Teams gedanklich nur schwer in der Lage. Der Gladbacher Marcus Thuram ist dafür ein Paradebeispiel: Er wäre vor der Saison beinahe zu Inter Mailand gewechselt, erst eine Verletzung am 2. Spieltag stoppte den bereits ausgehandelten Transfer.

Thuram fand nach seiner Rückkehr weder Form noch Einstellung wieder, um sich den neuen Aufgaben zu stellen. Er stand unter Hütter nur viermal in der Startelf und verbucht noch kein Saisontor.

Wegweiser-Spiel für Gladbach und Hütter

Vor dem Wegweiser-Spiel am kommenden Samstag (12.02.2022) gegen Augsburg sieht ihn der Coach offenbar immer noch nicht als große Hilfe an: "Bei Marcus Thuram ist es so, dass er im Training versucht, an sein altes Niveau heranzukommen", sagte Hütter am Donnerstag ziemlich unverblümt.

Geschafft hat er es also noch nicht, dabei wäre ein Thuram in Top-Form extrem wichtig – denn vom Relegationsrang trennt die Gladbacher nur noch ein einziger Punkt.

"Keine falsche Lockerheit"

Auch nur einen Zähler mehr haben die "Wölfe" nach einer Wahnsinns-Talfahrt mit nur zwei von möglichen 27 Punkten zwischen Spieltag elf und 20. Wie nachhaltig der Sieg gegen Fürth mit Rückkehrer Max Kruse war, wird sich am Samstag gegen den Trainer zeigen, der Wolfsburg in die Königsklasse geführt hat: Frankfurt mit Oliver Glasner wartet auf den VfL.

Sein Wolfsburger Nach-Nachfolger Florian Kohfeldt (Marc van Bommel wurde früh entlassen) ist sicher: "Der Sieg gegen Fürth war für jeden im Verein wichtig, aber er hat keine falsche Lockerheit reingebracht – alle sind hochkonzentriert."

Volle Konzentration brauchen auch die sechs anderen Teams im Liga-Keller. Während der bisher klasse auftretende VfL Bochum mit 25 Punkten auf der Habenseite das Heimspiel gegen Bayern München aber auch ein wenig genießen kann, steht Hertha BSC beim abgeschlagenen Schlusslicht Fürth unter Siegzwang. Bei den Berlinern haben sich bisher weder die Wahnsinns-Investitionen der vergangenen beiden Jahre noch der Trainerwechsel von Pal Dardai zu Tayfun Korkut ausgezahlt.

Stuttgart steht trotz Talfahrt zum Trainer

Beim VfB Stuttgart sieht es aber noch ein Stück schlimmer aus – nicht nur, weil es am Samstagabend nach Leverkusen geht. Der Effekt des kurzfristig eingeschobenen Marbella-Trainingslagers war mit der Heimniederlage gegen Frankfurt schnell wieder verpufft, auch die Rückkehr der Langzeitverletzten Silas Katompa Mvumpa und Sasa Kalajdzic hat sich noch nicht in Punkten ausgezahlt.

Den Trainer als Alibi können sich die Spieler hier aber nicht nehmen, denn Sportdirektor Sven Mislintat stellte Pellegrino Matarazzo eine Job-Garantie selbst im Abstiegsfall aus: "Jetzt zeigt sich, ob wir uns nur eine Kontinuität wünschen oder ob wir sie auch leben. Der Trainer ist mit der wichtigste Teil in diesem Klub. Er hat uns unseren Weg ermöglicht und wir werden nicht darüber sprechen, ihm das Vertrauen zu entziehen."

Bei Bochum, Bielefeld und Augsburg läuft es

Die positiven Schlagzeilen schreiben derzeit die Teams, denen von Anfang klar war, dass sie um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Seit dem 8. Spieltag haben die Bochumer neben den Bayern die beste Defensive der Liga. Arminia Bielefeld hat seit sechs Spielen nicht verloren – das können nicht mal die Bayern von sich behaupten.

Der FC Augsburg rang zuletzt Union Berlin nieder und sorgte durch Michael Gregoritsch und André Hahn in der Rückrunde für wunderschöne Tore. Die Gefahr, dass nach solchen Momenten bei Augsburg, Bielefeld und Bochum irgendeinem Spieler die UEFA-Hymne durch den Kopf schießt und den Sinn fürs Wesentliche vernebelt, ist dazu auch noch ausgeschlossen.