Gehäufte Coronainfektionen - Profisport in Alarmbereitschaft

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Corona-Pandemie

Gehäufte Coronainfektionen - Profisport in Alarmbereitschaft

Von Marcus Bark

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus steigt rasant an, auch bei Menschen mit Impfschutz. Der deutsche Profisport ist davon betroffen und hat sich in Alarmbereitschaft versetzt. Über Änderungen in den Hygienekonzepten wird nachgedacht.

In der Fußball-Bundesliga gibt es mehrere Einzelfälle und den VfB Stuttgart, bei dem gleich fünf Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Julian Nagelsmann, der Trainer des FC Bayern, ist der prominenteste Name, der sich derzeit aufgrund einer Infektion in häuslicher Isolation befindet.

Seine Mannschaft trifft am Samstag (23.10.2021) auf die TSG Hoffenheim, die auf einen infizierten Spieler verzichten muss. Christoph Baumgartner habe es trotz vollständigen Impfschutzes erwischt, teilte sein Verein mit. Auch Nagelsmann, so der FC Bayern, habe sich trotz des Impfschutzes infiziert.

Infektionen nach direktem Duell

Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg und Marvin Friedrich vom 1. FC Union Berlin, die sich am Samstag (16.10.2021) auf dem Platz duellierten, sind weitere Fußballprofis, die ihren Mannschaften aufgrund einer Infektion fehlen.

In der 3. Liga musste die Partie zwischen 1860 München und dem SV Waldhof am 12. Spieltag abgesagt werden, weil viele Spieler der Mannheimer betroffen waren. Die Partie am 13. Spieltag gegen den FSV Zwickau stand auf der Kippe. Am Freitag (22.10.2021) gab der Verein bekannt, dass gespielt werden kann.

22 Fälle trotz hoher Impfquote

Anders sieht es in der 2. Handball-Bundesliga aus. Weil mehrere Spieler von Elbflorenz Dresden infiziert sind, muss das Spiel gegen den TSV Dormagen verlegt werden. Eine Klasse höher ist ein Spiel der Rhein-Neckar Löwen verlegt worden. "Die betroffenen Spieler sind alle vollständig geimpft und haben keine bis schwache Symptome", schrieb der Klub zu den Infizierten.

Zwei DEL-Klubs geschlossen in Quarantäne

Der EHC München aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) meldete 22 Coronafälle, obwohl 97,5 Prozent der Mannschaft und des ebenfalls betroffenen Betreuerstabes zumindest einmal geimpft worden seien. Da sich auch die Düsseldorfer EG wegen mehrerer Fälle geschlossen in Quarantäne begab, hat die DEL nun schon fünf Spiele verlegt.

Angesichts des engen Terminkalenders, den nahenden Olympischen Spielen und dem Problem, dass manche Hallen häufiger durch andere Veranstaltungen wie Konzerte belegt sind, ist die DEL in Sorge.

Telefonkonferenz der führenden Köpfe

Am Donnerstag (21.10.2021) kam es daher zu einer Telefonkonferenz der "Initiative Profisport Deutschland". Das ist ein Zusammenschluss zwischen DEL, Deutscher Fußball Liga (DFL), Handball-Bundesliga (HBL) und Basketball-Bundesliga (BBL).

"Wir beobachten, ohne in Panik zu geraten", sagte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der HBL, zur Sportschau. Bei der Konferenz seien zwischen den führenden Köpfen der Verbände "keine Absprachen" getroffen worden hinsichtlich einer Änderung der Hygienekonzepte. Bohmann stellte das aber für die HBL in Aussicht. Am Mittwoch (27.10.2021) werde er mit den Klubvertretern sprechen, ob möglicherweise wieder regelmäßige Testungen vorgeschrieben werden. Derzeit werde "nur bei Verdachtsfällen" getestet.

Professor Julian Schulze zur Wiesch empfiehlt der HBL und auch anderen Verbänden eine Änderung des Hygienekonzepts. "Für eine bestimmte Zeit würde ich dazu raten, zweimal wöchentlich zu testen. Das wäre klug gerechnet", sagte der Infektiologe des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg der Sportschau. Die Gefahr, dass sich gleich ganze Mannschaften und Betreuerstäbe anstecken, werde dadurch verringert.

Hohe Impfquoten

Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga: Frank Bohmann.

HBL-Chef Frank Bohmann: "Man muss das sehr ernst nehmen."

Die HBL hat keine gesicherten Daten über die Zahl der geimpften Spieler und Betreuer, schätzt die Quote nach Gesprächen mit den Klubs aber auf "95 Prozent und drüber bei den aktiv Beteiligten", so Bohmann.

Ähnlich hoch soll die Quote bei der DFL sein. Der scheidende Geschäftsführer Christian Seifert bezifferte sie bei "Bild live" auf 94 Prozent. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung sollen allerdings allein fünf Spieler des FC Bayern nicht geimpft sein. Ob es sich dabei um genesene Profis handelt, von denen es bei den Münchnern etliche gibt, wird in dem Bericht nicht erwähnt.

Impfdurchbrüche das große Problem

Die sogenannten Impfdurchbrüche könnten für den deutschen Profisport zu einem großen Problem werden. Denn auch ein asymptomatischer Verlauf und ein vollständiger Impfschutz bewahren nach den aktuell gültigen Coronaschutzverordnungen in den 16 Bundesländern niemanden vor einer Isolation. "Dass nun durchgeimpfte Spieler, teilweise sogar trotz negativer Tests, von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt wurden, ist eine neue Situation", ließ die DEL in einer Stellungnahme wissen.

Der Infektiologe Schulze zur Wiesch hält eine Quarantäne von fünf Tagen "als untere Grenze" für Infizierte mit vollständigem Impfschutz für sinnvoll: "Damit ist man zwar eher auf der vorsichtigen Seite, aber das ist sehr vernünftig, um Infektionsketten zu durchberechen."

Dass sich Sportler trotz des Impfschutzes infizieren, hält der Mediziner für vorhersehbar. Die Impfe schütze in den allermeisten Fällen vor schweren Verläufen. Selbst wenn jemand eine Erkältung habe, also Symptome zeige, sei das noch kein Grund zur Sorge.

Die derzeitige Situation zeige, dass die Pandemie noch nicht vorüber und weiter Vorsicht geboten sei, gerade auch bei Profisportlern, bei denen es zwangsläufig zu vielen Kontakten komme.

HBL weicht von ihren Vorgaben ab

"Man muss das sehr ernst nehmen", sagte auch Bohmann über die steigenden Inzidenzen. Daher sei die HBL bei der Verlegung des Spiels der Rhein-Neckar Löwen auch schon von ihren Vorgaben abgewichen. Die sehen vor, dass eine Mannschaft antreten muss, sollte die Hälfte des Kaders zu Verfügung stehen. Das wäre für die für den 16. Oktober angesetzte Partie gegen den SC DHfK Leipzig der Fall gewesen. Doch aus Sorge um die Ansteckung weiterer Spieler, auch beim Gegner, wurde das Spiel verlegt.

Die Aussichten sind trübe, wie das Beispiel in der DEL zeigt. In der vergangenen Saison mussten nur vier Spiele wegen Coronainfektionen verlegt werden, nun sind es vor Beginn des 15. Spieltags schon fünf. Der am 21. Oktober veröffentlichte Wochenbericht des Robert Koch-Institutes klingt für den in der Pandemie ohnehin schon wirtschaftlich arg gebeutelten Profisport ebenfalls bedrohlich: "Es ist damit zu rechnen, dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird."

Stand: 22.10.2021, 12:00

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