DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert bei der Verleihung des Sepp Herberger Awards

Ralph-Uwe Schaffert DFB-Vizepräsident vergleicht Nationalspieler mit "Äffchen"

Stand: 16.01.2023 12:37 Uhr

DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert hat die deutschen Nationalspieler wegen der "Mund-zu-Geste" vor dem WM-Spiel gegen Japan mit "Äffchen" verglichen. Den eigenen Verband kritisierte er scharf.

Beim Neujahrsempfang des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), dem er vorsteht, sagte Schaffert nach einem Bericht der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung", dass die Weltmeisterschaft in Katar auch aus gesellschaftspolitischer Sicht "eine große Blamage" gewesen sei. "Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Äffchen die Münder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen, muss man sich nicht wundern, wenn sie gegen Japan verlieren", sagte der ehemalige Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Celle am Sonntag (15.01.2023).

Vor dem mit 1:2 verlorenen Auftaktspiel der WM am 23. November 2022 gegen Japan hatten sich die deutschen Spieler beim Mannschaftsfoto die Hände vor den Mund gehalten. Damit protestierten sie auch gegen den Weltverband FIFA, der nach Angaben des DFB "unbeschränkte sportliche Sanktionen" für den Fall angedroht hatte, dass Torwart Manuel Neuer mit der viel diskutierten "One Love"-Kapitänsbinde auflaufen würde. Nach dem Verbot hatte sich die Nationalmannschaft nach kontroversen Diskussionen auch unter den Profis für die "Mund-zu-Geste" entschieden.

Die Affäre um die "One Love"-Kapitänsbinde soll die deutsche Nationalmannschaft stärker als bisher angenommen beschäftigt haben. Nach Informationen der Sportschau habe das Thema die Spieler "belastet" und "genervt". 

DFB-Präsident hält Vergleich für völlig unakzeptabel

Nach Informationen der Sportschau hat der "Äffchen"-Vergleich für Verärgerung in der Frankfurter Verbandszentrale gesorgt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf soll ihn für völlig inakzeptabel halten. In einer offiziellen Stellungnahme sagte Ronny Zimmermann als 1. Vizepräsident: "Bei allen Kontroversen sollten wir einen fairen Umgang miteinander wahren. Wenn man unseren Nationalspielern unterstellt, sie hätten sich 'wie Äffchen den Mund zugehalten', tut man dies nicht."

Schaffert tätigte beim Neujahrsempfang in Hildesheim noch weitere Aussagen, die gegen den DFB gerichtet waren, in dem er selbst seit März 2022 als Vizepräsident für sozialpolitische Aufgaben, DFB-Stiftungen und Satzungsfragen zuständig ist.

So nannte Schaffert die Diskussion um WM-Gastgeber "verlogen und scheinheilig". Er polterte: "Wenn eine WM nur noch in Ländern ausgetragen werden soll, die man selbst gut findet, dann bleiben nicht viele übrig." Schaffert klagte in dem Zusammenhang den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk an, aber zielte auch in Richtung Neuendorf: "Deutsche Unternehmen haben dort (in Katar, d. Red.) zweistellige Milliardenbeträge mit verschiedenen Projekten verdient. Kritik daran habe ich nicht gehört – weder vom DFB noch von sonst wem."

Vier Wochen Weltmeisterschaft in Katar gehen zu Ende. Der Gastgeber hat für sehr viel Geld bekommen, was er wollte. Die Kritik bleibt berechtigt. Eine persönliche Bilanz.

Zurechtweisung des Verbandes nach Äußerung zu Frauen-WM

Die Vorwürfe sind umso brisanter, als Schaffert nach Informationen der Sportschau schon vor Monaten gerügt wurde, öffentlich zurückhaltender aufzutreten. Im November hatte er zwar Neuendorfs Positionen geteilt, die Vergabe nach Katar selbst als "Fehler" bezeichnet und die vorerst abgelehnte Unterstützung bei der Wiederwahl Gianni Infantinos begrüßt, diese Brüskierung des FIFA-Präsidenten schmälere aber die Aussichten, den Zuschlag für die Frauen-WM 2027 zu bekommen.

Schaffert soll anschließend vom DFB nahegelegt worden sein, die Kommunikation bei solch sportpolitisch heiklen Themen anderen zu überlassen.

Deutschland will sich zusammen mit den Niederlanden und Belgien um die Ausrichtung der Frauen-WM 2027 bewerben, sobald dies formell möglich ist. Auch Südafrika hat entsprechende Absichten angekündigt. Die Ablehnung, die Infantino aus wenigen, aber mächtigen Verbänden aus Europa spürt, könnte tatsächlich bei der Vergabe, die voraussichtlich im Sommer 2024 erfolgen wird, eine Rolle spielen.