München: Fans und Stadt sorgen für bunte Stimmung ohne Stadionbeleuchtung

Fußballfans aus Mannheim kommen mit Regenbogenfahnen zum Stadion

EURO 2020

München: Fans und Stadt sorgen für bunte Stimmung ohne Stadionbeleuchtung

Von Chaled Nahar

In München haben die Stadt und die Fans für eine bunte Stimmung rund um das deutsche Spiel gegen Ungarn gesorgt. Ein Fan lief vor dem Spiel mit einer Regenbogenflagge auf den Platz. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte zuvor die Entscheidung des Verbandes verteidigt, die Regenbogenbeleuchtung des Müncher Stadions zu untersagen.

Beim Abspielen der ungarischen Hymne lief der Mann mit Flagge auf das Spielfeld vor die Mannschaften und reckte die Fahne vor dem ungarischen Team in die Höhe. Zwei Ordner führten den Mann anschließend aus dem Innenraum - unter Applaus der deutschen Fans. Viele Menschen im Stadion hatten Regenbogenflaggen mitgebracht.

Derzeit gibt es Kritik an einem neuen Gesetz in Ungarn, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am vergangenen Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Der Münchner Stadtrat hatte die UEFA gebeten, aus diesem Anlass das Stadion in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. Die UEFA hatte am Dienstag den Antrag abgelehnt und war daraufhin hart kritisiert worden.

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Fans und Stadt sorgen für buntes Ambiente im und am Stadion

Vor der Allianz Arena werden Regenbogenfahnen verteilt

Vor der Allianz Arena werden Regenbogenfahnen verteilt

Das Stadion und die Umgebung strahlten trotzdem bunt. Der Dachverband des deutschen Christopher Street Days (CSD) hatte den Fans mit Partnern wie Amnesty International rund 11.000 Fahnen zur Verfügung gestellt.

Ein Windrad in der Nähe des Stadions wurde bunt angestrahlt, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kam mit einer Regenbogen-Maske auf die Tribüne. Am Rathaus und weiteren öffentlichen Gebäuden ließ die Stadt Regenbogenflaggen anbringen. Torwart Manuel Neuer trug im deutschen Tor erneut seine Regenbogen-Kapitänsbinde - diese hatte die UEFA nach einer "Überprüfung" schon vor der Debatte um die Stadionbeleuchtung für problemlos erachtet.

Flitzer mit Regenbogenflagge während ungarischer Hymne Sportschau 23.06.2021 00:25 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Ceferin: "Wir wollen nicht benutzt werden"

Der Wunsch des Münchner Stadtrats, das Stadion aus Protest dagegen in Regenbogenfarben zu beleuchten, sei politisch, sagte Ceferin am Mittwoch (23.06.2021) in der Tageszeitung "Welt". Mit der Illuminierung solle gegen die Entscheidung der Regierung eines anderen Landes protestiert werden. "Die UEFA kann kein Werkzeug für jeden Politiker sein, der uns anruft und sagt: Ihr macht jetzt bitte dies und jenes gegen diesen oder jenen Politiker", sagte Ceferin. "Sie wissen ganz genau, dass die UEFA keine homophobe Organisation ist. Und ich persönlich bin es natürlich auch nicht. Das haben wir oft genug gezeigt. Aber wir wollen bei populistischen Aktionen nicht benutzt werden."

Am Mittwoch kleidete die UEFA ihr Logo in den sozialen Netzwerken in Regenbogenfarben und erntete noch mehr Kritik. Denn die UEFA nannte das gerade in München aus politischen Gründen verbotene Symbol selbst ausdrücklich "nicht politisch" - alleine der Antrag aus dem Münchner Stadtrat sei es gewesen.

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UEFA beruft sich auf ihre "politische Neutralität"

Der Münchner Vorstoß richtete sich gegen die Politik der rechtsnationalen Regierung Ungarns unter Ministerpräsident Viktor Orban. Hintergrund des Protestes ist besagtes Gesetz, das als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban gilt. Orban besuchte das Spiel in München nicht.

Das nahm die UEFA zum Anlass, den Vorschlag abzulehnen. "Die UEFA ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt - muss die UEFA diesen Antrag ablehnen", hieß es vom Verband.

Ceferin kündigte bei "Welt" weitere Kampagen der UEFA für Vielfalt an. "Wir haben uns hier immer schon engagiert und werden unser Engagement weiter verstärken. Aber wie gesagt: Wenn Sie den Beschluss eines Landes anfechten wollen, dann benutzen Sie bitte keine Sportorganisation dafür."

red | Stand: 23.06.2021, 23:28

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