UEFA-Präsident Aleksander Ceferin auf der Pressekonferenz des UEFA-Exekutivkomitees in Nyon

Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees UEFA reformiert Regeln für Financial Fairplay

Stand: 07.04.2022 18:05 Uhr

Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hat am Donnerstag (07.04.2022) die erwartete Reform des Financial Fairplay (FFP) beschlossen. Noch keine Entscheidung gibt es über einen Ausschluss des russischen Verbandes.

Das häufig kritisierte und oftmals unzureichend umgesetzte FFP wird ab Juni durch die Nachfolgeregelung der "Financial Sustainability" (finanzielle Nachhaltigkeit) ersetzt.

Damit gelten nun zwei Grundregeln:

  1. Von dem, was ein Klub im Fußballgeschäft einnimmt, darf er künftig nur 70 Prozent für den Kader ausgeben, dazu sollen neben Ablösesummen auch Gehälter und Beraterhonorare zählen. 
  2. Ein Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben soll ein externer Geldgeber/Investor künftig in Höhe von 20 Millionen Euro pro Saison ausgleichen dürfen. Hinzu könnten weitere 10 Millionen kommen, die an Bedingungen geknüpft wären. In der bisherigen Regelung sind es grundsätzlich 10 Millionen pro Saison.

Die Regeln sollen über einen Zeitraum von drei Jahren schrittweise eingeführt werden. Eine absolute Gehaltsobergrenze kommt dagegen nicht. Im Gespräch war eine Deckelung von 500 Millionen Euro pro Kader und Saison. Die Prüfung der Zahlungsfähigkeit der Klubs soll künftig vier Mal pro Jahr erfolgen.

DFL: "Regularien an entscheidenden Stellen positiv beeinflusst"

"Die Fußballindustrie hat sich geändert. Die Reform war nötig", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees in Nyon: "Die neuen Regeln helfen uns, das Spiel zu schützen." Die Deutsche Fußball Liga äußerte sich zustimmend. "Die neuen Regularien sind ein Kompromiss unter Berücksichtigung verschiedener europäischer Perspektiven, der die finanzielle Stabilität und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Clubs stützt", sagte Dr. Marc Lenz, in der DFL zuständig für Internationale Angelegenheiten, einer Mitteilung zufolge.

Lenz sitzt auch in der Klublizenzierungskommission der UEFA und nahm an den Verhandlungen in den vergangenen zwei Jahren teil. Die DFL sei Vorschlägen zur Deregulierung von Investorengeldern "mit großer Klarheit entgegengetreten", sagte Lenz. Die deutsche Perspektive habe sich durch die Unterstützung weiterer europäischer Partner durchgesetzt, trotzdem "gehen die Sichtweisen innerhalb Europas weiterhin stark auseinander". Die Regularien seien "an entscheidenden Stellen im Sinne des deutschen - und aus unserer Sicht auch europäischen - Profifußballs positiv beeinflusst" worden. Ein solches Ergebnis habe zu Beginn des Prozesses nicht in Aussicht gestanden.

Sanktionen bleiben der entscheidende Punkt

Woran es in der Vergangenheit im alten System oft fehlte, war eine konsequente Durchsetzung von Sanktionen. Verstöße gegen die Regeln können von Geldstrafen bis zu Punktabzügen gehen. Der diskutierte mögliche Zwangsabstieg, beispielsweis von der Champions in die Europa League, wurde laut UEFA noch nicht beschlossen. Möglich ist aber weiterhin ein Ausschluss von Clubs. "Die neuen Regelungen müssen nun konsequent umgesetzt sowie Vergehen konsequent sanktioniert werden - sodass die finanzielle Stabilität des europäischen Fußballs gestärkt wird", sagt Lenz von der DFL.

Sportliche Sanktionen werden der entscheidende Punkt sein. In einer Zeit, in der die größten Klubs von Staatsfonds reicher Länder getragen werden, haben Geldstrafen nur noch eine geringe abschreckende Wirkung.

Russland-Ausschluss und EM-Bewerbung: "Wir beraten"

Über einen Ausschluss des russischen Verbandes als Folge des Ukraine-Kriegs hat die UEFA noch nicht entschieden. "Wir beraten nach wie vor darüber", sagte Ceferin nach der Sitzung. Auch über die russische Bewerbung für die Ausrichtung der EM-Endrunde 2028 und 2032 werde weiter "diskutiert".

Über den Ablauf der Frauenfußball-EM in England (6. bis 31. Juli) wurde ebenfalls noch nicht entschieden. Ceferin verwies auf den nach wie vor anhängigen Fall vor dem Internationalen Sportgericht CAS, bei dem es um den bereits beschlossenen Ausschluss der russischen Mannschaften aus den UEFA-Wettbewerben geht. "Wir müssen bald entscheiden, brauchen aber mehr Informationen", sagte Ceferin. Die russische Mannschaft wäre eigentlich in der Gruppe C auf Titelverteidiger Niederlande, die Schweiz und Schweden getroffen.