Florian Wirtz, Kevin Schade und Jonny Burkardt

Für die EM 2024 Flicks Neustart - Das sind die Hoffnungsträger

Stand: 09.12.2022 07:23 Uhr

Es wird unter Hansi Flick wohl kaum einen Radikalumbruch geben - aber seine Mannschaft braucht mit Blick auf die EM 2024 dringend neue Einflüsse. Ein paar Hoffnungsträger gibt es.

Dass Jamal Musiala eine tragende Rolle innehaben wird, wenn Deutschland am 14. Juni 2024 in München das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft bestreitet, ist ausgesprochen wahrscheinlich. Zwar wurde der 19-jährige Bayern-Shootingstar vom ein oder anderen Experten möglicherweise etwas zu früh zu Messi II verklärt, vor allem wenn man die durchaus ausbaufähige Körperhaltung beim Torabschluss und das zu oft fehlende Auge für den besser postierten Nebenmann in die Bewertung einbezieht.

Doch genau das sind Dinge, die Flick in anderthalb Jahren durchaus in erfolgversprechendere Bahnen als in Katar lenken kann, denn Musialas Grundausstattung aus Tempo, Dribbling und Zug zum Tor verspricht Weltklasse - in naher Zukunft. Das kann auf der Zehn sein, auf dem linken offensiven Flügel oder auf der Achterposition. Aber wer im deutschen Fußball hat ähnliche Anlagen? Oder auch ganz andere Skills, mit denen das DFB-Team endlich mal wieder weiter kommen kann als bis zur Vorrunde wie bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 oder bis zum Achtelfinale wie bei der EURO 2021?

Wirtz, Schade, Burkardt oder Samardzic

Es gibt durchaus eine ganze Reihe von Hoffnungsträgern. Und ein Schlüssel zum Erfolg von Flick wird ganz sicher darin liegen, aus den Spielern, die sich in Katar deutlich unter Wert geschlagen haben wie Serge Gnabry, Leroy Sané, Kai Havertz und Nico Schlotterbeck, wieder das Optimum fürs Team herauszuholen. Dazu kommt der verletzt fehlende Timo Werner, der in Flicks Amtszeit die meisten Tore geschossen hat.

Was aber beispielsweise Thomas Müller, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Niklas Süle in Katar völlig unabhängig von ihren früheren Verdiensten gespielt haben, das sollten auch die Jüngeren können. Wie Florian Wirtz, Kevin Schade, Lukas Nmecha, Armel Bella-Kotchap, Jonathan Burkardt und Youssoufa Moukoko. Auch Yannik Keitel oder Lazar Samardzic haben schon auf sich aufmerksam gemacht. Und sehr begehrt bei vielen Bundesligavereinen ist derzeit auch Noah Weißhaupt vom SC Freiburg. Doch da dürfte, ählich wie bei Keitel und Samardzic, die Zeit bis zur EM knapp werden, zumal der 21-jährige Weißhaupt auf Linksaußen zurzeit Vincenzo Grifo vor sich hat.

Lange Leidenszeiten

Auf den Leverkusener Wirtz hätte Flick sicher auch schon bei der WM in Katar gerne gesetzt, doch ein Kreuzbandriss stoppte das neben Musiala größte Talent im deutschen Fußball. Erst jetzt ist dieser geniale Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff wieder auf dem Weg zur vollständigen Fitness, wie sehr er auch seinem Verein gefehlt hat, lässt sich leicht an der Tabelle ablesen.

Auch Kevin Schade hat einen langen Leidensweg hinter sich, vielleicht wäre er sonst schon früher in den Fokus von Flick geraten. Als die deutsche U 21 von Antonio Di Salvo zuletzt am 20. November 4:2 in Italien gewann, war Schade einer der Besten und traf zum 3:0. Freiburgs Trainer Christian Streich hält ganz große Stücke auf den gelernten Rechtsaußen, der über einen sehr platzierten Schuss verfügt, aber mehr als ein halbes Jahr mit einer Bauchmuskelverletzung ausfiel.

Vereinstrainer bei Nmecha und Burkardt gefordert

Im Angriff ist es keineswegs so, als gäbe es zu Niclas Füllkrug oder einer falschen Neun wie Havertz gar keine Alternativen. Moukoko hat jetzt schon eine erste WM-Erfahrung sammeln dürfen, er bringt ähnlich wie Musiala und Wirtz für die Zukunft alles mit. Beim BVB hat Moukoko zuletzt den Zweikampf gegen Anthony Modeste eindeutig für sich entschieden, ob ihm das auch gegen Sebastien Haller nach dessen Rückkehr gelingt, wird spannend zu beobachten sein.

Lukas Nmecha

Vereint Spielwitz und Torgefahr: Lukas Nmecha muss aber wieder konstanter werden

Dazu haben auch der Mainzer Jonathan Burkhardt und der Wolfsburger Lukas Nmecha immer wieder Top-Ansätze gezeigt. Burkhardt ist ein zweikampf- und kopfballstarker Konterstürmer, Nmecha spielintelligent und ein Schlitzohr im Sturmzentrum. Beide stagnierten zuletzt aber über längere Zeit, auch bedingt durch Verletzungen fehlte die Konstanz. Hier ist in erster Linie nicht Flick, sondern sind die Vereinstrainer Bo Svensson und Niko Kovac gefordert, und natürlich vor allem Burkhardt und Nmecha selbst.

U21 als Bühne für Keitel und Samardzic

In der Innenverteidigung hat Flick selbst schon eine Entscheidung für die Zukunft getroffen, als er Mats Hummels aus- und Armel Bella-Kotchap für Katar einlud. Der 20-jährige 1,90-Meter-Hüne war schon mit 18 Abwehrchef beim VfL Bochum und hat sich jetzt in der Premier League beim FC Southampton auch sofort einen Stammplatz erkämpft - sein Verein kämpft aber gegen den Abstieg.

In der Serie A hat der bei Hertha etwas verkannte Lazar Samardzic 14 von 15 möglichen Einsätzen bei Udinese Calcio absolviert, drei Tore geschossen und eins vorbereitet. Der zentrale Mittelfeldspieler kann sich über die Junioren-Nationalelf für Flick empfehlen, genau wie sein U-21-Nebenmann Yannik Keitel, der in Freiburg auch schon elf Saisoneinsätze hat und technisch und taktisch mit 22 Jahren bereits auf sehr gutem Niveau spielt.

Yannik Keitel vom SC Freiburg freut sich mit Trainer Christian Streich

Yannik Keitel vom SC Freiburg freut sich mit Trainer Christian Streich

Formdelle bei Adeyemi, Waldschmidt und Koch

Schon bei Flick auf dem Platz, derzeit aber ohne allzu große Perspektive erscheinen Karim Adeyemi, Luca Waldschmidt und Robin Koch. Adeyemi wurde zwar trotz seiner schwachen Hinrunde bei Borussia Dortmund völlig überraschend für die WM nominiert, blieb aber ohne Einsatz und muss sich jetzt zunächst dringend wieder auf Vereinsebene stabilisieren.

Das gilt auch für Waldschmidt vom VfL Wolfsburg, der bei Niko Kovac kaum noch Berücksichtigung findet. Robin Koch hat bei Leeds United in der Premier League zwar einen Stammplatz, 26 Gegentore in 14 Spielen sprechen aber nicht für große Stabilität. Für alle drei gilt aber natürlich auch, dass sie sich über Top-Leistungen auch schnell wieder empfehlen können. Die Fähigkeiten haben sie bereits nachgewiesen, alle drei auch im Deutschland-Trikot.

Der Krisengipfel beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) um die Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick war nach zweieinhalb Stunden beendet: Der 57-Jährige bleibt DFB-Coach.