Belgiens Kapitän Eden Hazard im weißen Trikot der Nationalmannschaft

FIFA WM 2022 Keine politischen Gründe - Belgien ohne das Wort "Liebe" am Kragen

Stand: 23.11.2022 13:26 Uhr

Der belgische Verband muss bei der WM in Katar 2022 das Wort "Liebe" am Kragen des Auswärtstrikots seiner Mannschaft entfernen oder verdecken. Doch es ist keine vermeintliche politische Botschaft, die die FIFA beanstandet.

Von Chaled Nahar

Das Wort "Love", das am Kragen der weißen Auswärtstrikots Belgiens angebracht war, darf nicht verwendet werden. Nach Informationen der Sportschau gibt es für die Maßnahme der FIFA allerdings keine politischen Gründe.

FIFA sieht im Wort "Liebe" Werbung für eine Drittpartei

Der belgische Verband hatte mit dem Sportartikel-Hersteller Adidas und dem Elektro-Musikfestival "Tomorrowland" eine gemeinsame Kollektion herausgebracht, das Trikot ist ein Teil dieser Kollektion - die den Namen "Love" trägt. Das Innere des "O" von "Love" schmückt ein Schmetterling - das Logo des Elektro-Musikfestivals "Tomorrowland".

Die FIFA verlangte nun die Entfernung oder Verdeckung des Worts, weil sie durch den Bezug zu der Kollektion einen kommerziellen Einsatz sieht. "Love" steht demnach in einem werblichen Zusammenhang mit dem Festival, also einer Drittpartei.

Das Trikot der belgischen Nationalmannschaft mit dem Schriftzug "Love" im Kragen

Das Trikot der belgischen Nationalmannschaft mit dem Schriftzug "Love" im Kragen

Belgiens Verbandschef kritisiert die FIFA

"Es ist traurig, aber die FIFA lässt uns keine Wahl. Der Rest des Trikots bleibt unverändert", sagte Belgiens Verbandspräsident Peter Bossaert bei "Het Nieuwsblad".

Bereits jetzt steht fest, dass das Trikot ohnehin in der Gruppenphase nicht zum Einsatz kommen wird. Die FIFA hat im Voraus alle Trikots für jedes Spiel festgelegt. Belgien spielt nach bisheriger Planung alle drei Spiele in roten Trikots.

Dänemark darf Slogan "Menschenrechte für alle" nicht tragen

Anders gelagert war der Fall Dänemark. Die FIFA hatte der dänischen Mannschaft den Slogan "Menschenrechte für alle" auf ihren Trainingsshirts verboten. Der Weltverband verwies nach dänischen Angaben auf das Verbot von politischen Botschaften.

Nach Informationen der Sportschau haben mehrere Nationalverbände bei der FIFA ähnliche Anfragen wie Dänemark gestellt. Der Weltverband lehnte sie allesamt ab und verwies auf eine Gleichbehandlung.

Beide Teams Teil der "One Love"-Gruppe

Belgien und Dänemark sind beide Teil der Gruppe von europäischen Verbänden, die die "One Love"-Kapitänsbinde bei der WM als Zeichen gegen Diskriminierung für die Rechte von Frauen und Gastarbeitern tragen wollte.

Die FIFA verwies auf ihr Regelwerk, demzufolge der Weltverband die Kapitänsbinden stellt und diese auch getragen werden müssen. Unter Androhung von sportlichen Sanktionen bei Zuwiderhandlungen setzte sich die FIFA letztlich durch.

Die Kapitäne von England und den Niederlanden spielten am Montag ohne die Binde und trugen eine von der FIFA produzierte und genehmigte Binde.

Sieben europäische Verbände verzichten nach der Androhung von Sanktionen durch die FIFA auf die "One Love"-Binde für ihre Kapitäne. DFB-Präsident Neuendorf und DFB-Geschäftsführer Bierhoff bezogen Stellung.

Auf Druck der FIFA entscheiden sich große Fußballverbände Europas dagegen, die "One Love"-Kapitänsbinde zu tragen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat damit eine Schlacht im Machtkampf gegen Europa gewonnen.