FIFA WM 2022 Effiziente Ghanaer schlagen Südkorea - Addos WM-Hoffnung lebt

Stand: 28.11.2022 17:40 Uhr

Ghana hat mit dem 3:2 gegen Südkorea die ersten Punkte auf sein WM-Konto gebucht und damit noch alle Chancen auf das Achtelfinale. Das Team um Superstar Heung-Min Son muss zittern.

Nach dem 2:3 gegen Portugal stand Ghana mit Interimscoach Otto Addo in der Gruppe H unter Druck, hielt am Montag (28.11.2022) im Education City Stadium von Al-Rayyan aber auf bemerkenswerte Weise stand. Während die Südkoreaner um Addos fußballerischen Ziehsohn Heung-Min Son ein verrücktes Spiel über weite Strecken bestimmten, nutzten die Afrikaner eiskalt ihre wenigen Torchancen zum ersten Sieg bei einer WM-Endrunde seit 2010.

Der in Hamburg geborene Addo, im Hauptberuf Nachwuchstrainer bei Borussia Dortmund, hat vor dem abschließenden Spiel gegen Uruguay am Freitag (02.12.2022/16 Uhr) gute Karten für den dritten Vorstoß in die K.o.-Runde einer WM. Südkorea, vor vier Jahren noch Stolperstein für die deutsche Mannschaft, hat aus dem 0:0 gegen Uruguay nur einen Punkt und muss gegen Portugal ums Weiterkommen bangen.

Bento ärgert sich - Kudus: "Was für ein Tag!"

Südkoreas Trainer Paulo Bento ärgerte sich nach Abpfiff: "Wir haben dumme Fehler gemacht, aber ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Das ist kein faires Resultat, ich bin nicht glücklich", sagte er. Dagegen jubelte Ghanas Doppeltorschütze Mohammed Kudus: "Was für ein Tag! 2:2 nach 2:0 und am Ende doch 3:2", sagte der 22-Jährige von Ajax Amsterdam. "Ich bin jetzt voller Zuversicht für das Uruguay-Spiel. Da brauchen wir dieselbe Mentalität."

Freiburger Jeong rückt in die Startelf

Beide Trainer nahmen je drei Änderungen in ihrer Startelf vor. Südkoreas Bento schenkte auch dem Freiburger Offensivspieler Woo-Yeong Jeong das Vertrauen. Für den Mainzer Jae-Sung Lee blieb nur der Bankplatz. Da der angeschlagene Abwehrchef Min-Jae Kim rechtzeitig grünes Licht gab, war die Kim-Kette im Defensivverbund der Südkoreaner wieder komplett. Ghanas Addo richtete sein Team etwas offensiver aus als gegen Portugal, als sich die "Black Stars" erst in der Nachspielzeit gegen die drohende Niederlage gestemmt hatten.

Salisu bringt Ghana überraschend in Führung

Zunächst hatte aber die auf eine Viererkette umgestellte Abwehr der Ghanaer Schwerstarbeit zu verrichten. Südkorea begann stark, inszenierte über Tottenham-Star Son druckvolle Angriffe über die Flügel und holte in der Anfangsphase eine Vielzahl von Eckbällen heraus. Doch während die Ghanaer den Gegner im Mittelfeld häufig lange gewähren ließen, behielten sie im Strafraum die Lufthoheit.

2010 verpasste Ghana gegen Uruguay dramatisch und emotional das Halbfinale einer WM. Auch unter Trainer Otto Addo zeigt das Team wieder Emotionen und will nun mehr erreichen.

5:0 Torabschlüsse standen für Südkorea in den ersten 20 Minuten zu Buche. Doch in Führung ging Ghana wie aus dem Nichts dank einer Standardsituation. Jordan Ayew trat einen Freistoß von der linken Seite in den Fünfmeterraum, den die Südkoreaner nicht klären konnten. Mohammed Salisu staubte zum 1:0 ab (24. Minute). Der Treffer wurde vom VAR-Team noch auf ein mögliches Handspiel von André Ayew gecheckt, der englische Schiedsrichter Anthony Taylor erkannte den Treffer jedoch an.

Kudus legt das 2:0 nach

Zehn Minuten später wurde der Spielverlauf mit dem 2:0 vollends auf den Kopf gestellt. Ausgangspunkt war wieder Jordan Ayew, der diesmal eine Flanke aus dem linken Halbfeld servierte. Die Südkoreaner gestatteten ihm sogar, sich den Ball noch auf seinen starken rechten Fuß zu legen. Kudus stand zentral vor dem Tor sträflich frei und ließ die perfekte Hereingabe über den Scheitel ins Eck rutschen (34.). Zwei Bälle brachte Ghana bis dahin aufs gegnerische Tor, zweimal schlug es ein. Begleitet von Kopfschütteln, trabten die Südkoreaner in die Kabinen.

"Kopfball-Ungeheuer" Cho stellt mit Doppelpack auf 2:2

Das Mittel, das sie für ihre Aufholjagd nach Wiederanpfiff wählten, überraschte - vor allem die Hintermannschaft der Ghanaer. Gue-Song Cho, mit 1,88 Meter einer der größten Südkoreaner, wurde plötzlich zum "Kopfball-Ungeheuer". Seinen ersten Versuch wehrte Ghanas Torhüter Lawrence Ata Zigi noch mit einer Flugeinlage ab (53.). Doch bei den beiden folgenden Angriffen der Südkoreaner nach dem Schema "Flanke von links, Kopfball" war er machtlos. Der sprunggewaltige Cho schraubte sich jeweils höher als seine Bewacher und glich binnen drei Minuten zum 2:2 aus.

Südkoreas Cho bejubelt seinen Treffer gegen Ghana.

Der Doppelpack von Südkoreas Cho gegen Ghana war zu wenig.

Wieder Kudus - 3:2 für Ghana

Im Bestreben, noch ein drittes Tor draufzusetzen, vernachlässigten die Südkoraner nun aber ihre Abwehrarbeit. Kurze Zeit nach ihrem spektakulären Doppelpack ließen sie bei einem Angriff über ihre rechte Abwehrseite gleich zwei Ghanaer frei im Strafraum stehen. Iñaki Williams säbelte über den Ball, doch der rechts lauernde Kudus nahm Maß und vollstreckte mit links zum 3:2 ins lange Eck (68.).

Rote Karte für Trainer Bento

Das Spektakel war damit noch nicht vorüber. Südkorea drückte auf den erneuten Ausgleich. Doch Torhüter Zigi zeigte mit einer weiteren Parade bei einem gefährlichen Freistoß von Kang-In Lee, warum sich Addo bei der WM für den Keeper vom FC St. Gallen entschieden hatte (75.). Eine Minute später räumte Salisu einen Schuss von Jin-Su Kim für seinen geschlagenen Keeper von der Torlinie. Auch in der 84. Minute behielt Jin-Su Kim nicht die Nerven.

Am Ende überstand Ghana das Powerplay der Südkoreaner und brachte das wertvolle Ergebnis mit Leidenschaft und Glück über die Zeit. Südkoreas Trainer Bento bekam nach Abpfiff noch die Rote Karte - vermutlich weil er sich bei Taylor mit deutlichen Worten darüber beschwerte, dass der Schiedsrichter einen Eckball der Südkoreaner nicht mehr ausführen ließ.

Das WM-Gruppenspiel zwischen Südkorea und Ghana in voller Länge. Kommentatorin: Christina Graf.