FIFA Präsident Gianni Infantino lacht ausgelassen
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Nach der FIFA-Verlegungs-Posse Das Endspiel vielleicht an Heiligabend?

Stand: 11.08.2022 22:20 Uhr

Auf Wunsch von Gastgeber Katar ist der WM-Spielplan gut 100 Tage vor dem Start nochmal verändert worden. Wer weiß, was sich die Organisatoren noch überlegen - eine Glosse.

Von Christian Hornung

Dass diese Winter-Weltmeisterschaft mit der Tradition des Fußballs wenig bis gar nichts zu tun hat, ist keine neue Erkenntnis. Unterstrichen wurde das nun auch noch mal durch den Spielplan, dessen Rahmen seit dem 15. Juli 2020 - also seit über zwei Jahren - feststeht und der mit der Auslosung der Gruppen am 2. April dieses Jahres endgültig fixiert wurde. Endgültig? Okay, war nicht so gemeint, ziehen wir zurück.

Es ist ja so: Traditionell tragen entweder der Weltmeister oder seit 2006 der Gastgeber das Eröffnungsspiel aus. In Katar brach die FIFA mit dieser Praxis. Als der Spielplan im April herausgegeben wurde, sollten die Niederlande gegen den Senegal den Auftakt bestreiten, um 13 Uhr Ortzeit, das ist 11 Uhr im mitteleuropäischen Raum. Katar gegen Ecuador war erst als drittes Spiel der WM vorgesehen, sechs Stunden nach dem ersten Anstoß.

Ziemlich spät bemerkt

Erstaunlich: Erst vor einigen Tagen scheint dies dem Gastgeberland aufgefallen zu sein. Womöglich ist es Katar sehr lange nur ganz am Rande um diese Fußballspiele gegangen, die während eines solchen Events ja quasi ständig ausgetragen werden.

Ein Glück, dass die FIFA mit dem seit Januar dem Vernehmen nach in Katar beheimateten Gianni Infantino an der Spitze dem Verlegungswunsch freudig zustimmte (Offizielle Mitteilung: "Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 beginnt mit einem noch größeren Spektakel für die in- und ausländischen Fans, da Gastgeber Katar exklusiv nun bereits am Sonntag, 20. November, um 19 Uhr gegen Ecuador spielt!"). Und wer weiß, womöglich zeigt man sich auch anderen Anpassungen gegenüber offen.

Da geht noch einiges

Was ist beispielsweise, wenn Katar einfällt, dass sich das Spektakel für die in- und ausländischen Fans noch viel weiter vergrößert, wenn er in jedes Spiel mit einem 1:0-Vorsprung geht? Oder dass mehr Spannung aufkommt, wenn die Gegner pro erzieltem Tor mit einem Mann weniger weiter spielen müssen? Noch sind es 100 Tage bis zum Start - da geht sicher noch einiges, Katar!

Auch für weitere Veränderungen am Spielplan ist noch ausreichend Zeit. Wie wäre es beispielsweise mit einer Verlegung des Endspiels auf Heiligabend? Das garantiert höherere Einschaltquoten, weil da in vielen Ländern traditionell nicht so viele Menschen arbeiten müssen. Zugegeben: Allzu wahrscheinlich ist das nicht. Denn bei der Terminierung des Finalspiels hat sich die FIFA schon richtig doll Mühe gegeben, es aller Welt recht zu machen. Das Endspiel steigt ja am 18. Dezember. Am Nationalfeiertag des Emirats.

Interne Kommunikation des katarischen WM-Organisationskomitees legt die Vermutung nahe, dass Berichterstattung über ausbeuterische Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen verhindert werden sollte. Unterdessen bekräftigen Menschenrechtsorganisationen ihre Kritik.