Die Bundesliga ringt mit den Corona-Beschlüssen bezüglich der Zuschauerzahlen.

Fußball | Corona

Zwei Jahre nach der Coronapause - Schluss mit dem Gerede von Demut

Stand: 13.03.2022, 07:00 Uhr

Vor zwei Jahren ging der deutsche Profifußball in die durch Corona verordnete Zwangspause. Er wollte sie auch nutzen, um über Fehlentwicklungen zu sinnieren und Demut zu zeigen. Die Bestandsaufnahme fällt ernüchternd aus. Ein Kommentar.

Von Marcus Bark

Der 13. März 2020 stellte eine Zäsur dar. Das Coronavirus schickte den deutschen Profifußball in eine Zwangspause, von der an jenem Tag niemand wusste, wie lange sie dauern würde.

Bis es auf Grundlage des weltweit beachteten Hygienekonzeptes gut zwei Monate später weiterging, war viel davon zu hören, dass die Pause auch zum Innehalten, zum Nachdenken genutzt werden müsse. Der Fußball habe die Demut entdeckt, hieß es, da dieses Versprechen allenthalben zu hören war.

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Sonntag, 13. März 2022. Wieder ist die Bundesliga am 26. Spieltag angelangt, das Coronavirus wütet auf der sechsten Welle. Demut? Innehalten? Umdenken?

"Personalaufwand deutlich erhöht"

Ein paar Tage zuvor meldete Hertha BSC, dass der Verein etwa sieben Millionen Euro Coronahilfen vom Staat erhalten hat. Alles in Ordnung. Beantragt, genehmigt, ausbezahlt. Aber moralisch sieht es blöd aus, wenn Steuerzahler:innen einen Verein subventionieren, dessen Investor Lars Windhorst keine Gelegenheit auslässt, rumzuposaunen, dass er fast 400 Millionen Euro in den Klub pumpte.

"Der Personalaufwand im Bereich Lizenzspielbetrieb hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht." Dieser Satz stammt aus dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Konzernabschluss des FC Bayern für ein Geschäftsjahr, das am 1. Juli 2020 begann.

Bei neuen Verträgen, die in den vergangenen Monaten etwa mit Joshua Kimmich und Kingsley Coman abgeschlossen wurden oder mit Serge Gnabry und Robert Lewandowski abgeschlossen werden sollen, ist stets nur von Gehaltssteigerungen zu lesen. Dass der FC Bayern immer mal wieder von einem Salary Cap, also einer Deckelung spricht, klingt da wie Hohn.

Umdenken nur über die größten Profiteure möglich

Klar, diese Entwicklung hat mit der Gier der Spieler zu tun, getrieben oft von windigen Beratern, die etwas von Karriereplan und nächstem Schritt schwafeln. Die Vereine und Verbände, so wenig sie auch versuchen, diese Gier zu brandmarken, stecken in der Klemme.

Sie brauchen - sofern sie nicht von Konzernen unter Überdehnung der 50+1-Regel alimentiert werden - den sportlichen für den wirtschaftlichen Erfolg. Das zwingt sie geradezu, bei der Verpflichtung oder Unterhaltung ihres wichtigsten Kapitals an die Grenze zu gehen.

80 Euro für ein Testspiel

Der gestiegene Personalaufwand ist nicht das einzige Beispiel. Am 26. März spielt die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal im Jahr der WM. In Sinsheim, gegen Israel. Der DFB betont seit langem, dass er die Gunst der Fans zurückgewinnen wolle.

Oliver Bierhoff, der für die Nationalmannschaften zuständige Direktor des DFB, will schon seit Jahren aufpassen, "die Schraube nicht zu überdrehen". Was macht der DFB? Verkauft Eintrittskarten für 80 Euro. Gegen Israel, in Sinsheim.

"Nach wie vor keine Bewegung"

Es geht aber nicht nur um Geld, es geht auch darum, sein Wort zu halten. Die "Taskforce Zukunft Profifußball" wurde mit großem Tamtam ins Leben gerufen. Sie sollte das Umdenken einleiten. Ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit ist dabei herausgekommen, das ist lobenswert.

Ansonsten ist es die Bereitschaft der dort oben, weiter mit denen da unten auf der Tribüne zu sprechen. Wie gnädig. "In vielen Bereichen gibt es nach wie vor keine Bewegung", schrieb ein Fanbündnis zum vor wenigen Wochen veröffentlichten Zwischenbericht der Taskforce.

Schluss mit dem Gerede von Demut

Die Coronapandemie, das kann zusammenfassend zwei Jahre nach Beginn der Zwangpause mit höchster Wahrscheinlichkeit gesagt werden, wird den Fußball weder auf den Pfad der Demut führen noch die Gier beseitigen, die bei den größten Profiteuren besteht.

Das ist so wahrscheinlich wie eine Meisterschaft des Hamburger SV in den kommenden fünf Jahren. Es wird eher schlimmer statt besser. Deshalb sollte zumindest das Gerede von Demut aufhören.

Donata Hopfen hat das immerhin schon getan. Die neue Chefin der DFL sprach in ihrem ersten großen Interview in einem Satz vom Supercup und von Saudi-Arabien. Mitten in der Pandemie, in der sie gleichzeitig über Milliardenverluste klagte.

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