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ARD-Doku "Milliardenspiel Amateurfussball"

Die Amateure und das (Schwarz-)Geld - die wichtigsten Fragen

Stand: 19.01.2022, 06:00 Uhr

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zur großen ARD-Befragung im deutschen Amateurfußball und zur weiteren Recherche.

Von Hajo Seppelt, Arne Steinberg, Wigbert Löer und Ben Arcioli

Wie viele Spielerinnen und Spieler haben die Fragen beantwortet – und in welchem Zeitraum?

Die Befragung lief von Mitte Oktober 2020 bis Ende Januar 2021. Die Teilnehmerzahl lag bei 10.134, der allergrößte Teil davon waren Männer. Viele haben mitgemacht, ohne ihren Namen zu nennen, einige hinterließen ihren Namen und auch Kontaktdaten. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 28 Jahre alt.

ARD-Doku: "Milliardenspiel Amateurfußball - Wenn das Geld im Umschlag kommt"

Sportschau 17.01.2022 41:00 Min. UT Verfügbar bis 19.01.2023 Das Erste

Worum ging es bei der Befragung?

Um die Bezahlkultur im deutschen Amateurfußball. Die Teilnehmer konnten angeben, in welcher Liga sie aktuell spielen und welches die höchste Liga war, in der sie gespielt haben; ob sie fürs Fußballspielen Geld erhalten haben, aktuell erhalten, wie viel das war, auf welche Weise sie das Geld erhalten und ob das schriftlich dokumentiert wurde. Die Teilnehmer hatten auch noch die Möglichkeit, Anmerkungen zu machen, eigene Erfahrungen zu schildern und Dokumente hochzuladen.

Welche Rolle spielten andere Medien bei der Befragung?

Das Recherchezentrum Correctiv hat uns technisch entscheidend unterstützt. Bei der Verbreitung haben neben Correctiv etliche deutsche Tageszeitungen geholfen, Fußballmagazine und auch das Portal fupa.net.

Welche Ergebnisse brachte die Befragung?

60,2 Prozent der männlichen Amateurspieler zwischen 18 und 39 Jahren haben schon einmal Geld dafür bekommen, Fußball zu spielen. Für den Beispielmonat Oktober 2020 kam heraus, dass 36,9 Prozent der Teilnehmer Geld kassiert haben. Aufgeteilt in verschiedene Amateurligen waren es 89,9 Prozent in der fünften Liga und 76,6 Prozent in der sechsten Liga. In Liga 7 verdiente jeder zweite (50,9 Prozent) Geld mit Fußballspielen. Selbst in der achten Liga, in vielen DFB-Landesverbänden die Kreisliga, kassierten 36,4 Prozent Geld. Außerdem haben 18,2 Prozent der Teilnehmer schon einmal Sachwerte oder Dienstleistungen entgegengenommen. Sie bekamen etwa eine Wohnung zur Verfügung gestellt, ein Auto, erhielten Handwerkerleistungen oder einen Mini-Job bei einem Sponsor des Vereins, für den sie aber nichts anderes tun als Fußball spielen mussten.

Wie viel Schwarzgeld fließt im deutschen Amateurfußball?

Die Daten der Befragung erlauben eine Hochrechnung unter der Annahme, dass Deutschlands Amateurfußballer im Schnitt etwa genauso viel Geld bekommen wie die Teilnehmer der bundesweiten Befragung. In dem abgefragten Monat Oktober 2020 wurden in Deutschland demnach rund 100 Millionen Euro an Amateurspieler bezahlt. Auf eine Saison mit zehn Verdienstmonaten gerechnet macht dies eine Milliarde Euro. Geht man dann ebenfalls davon aus, dass der Anteil verdeckter Zahlungen ("schwarz", "im Umschlag") in etwa genauso hoch ist wie von den Spielern in der Befragung angegeben, so würden pro Monat etwa 50 Millionen, pro Saison also 500 Millionen Euro mutmaßliches Schwarzgeld bezahlt.

Ist die Befragung repräsentativ?

Das kann sie nicht sein, eine Online-Befragung dieser Art unterliegt immer der Selbstauswahl. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Dortmund haben sich aber mit der Befragung und mit der Auswertung der Daten beschäftigt. Der Dortmunder Statistik-Professor Andreas Groll sagt, die Erhebung sei "statistisch und wissenschaftlich sauber durchgeführt". Das Statistik-Labor der Ludwig-Maximilians-Universität München bescheinigt nach Prüfung der Hochrechnung, diese sei unter den getroffenen Annahmen "korrekt und nachvollziehbar".

Helfen Amateurverträge nicht, Zahlungen im Amateurfußball legal abzuwickeln?

Doch. Allerdings stellte sich bei den Recherchen heraus, dass in Deutschland kaum Amateurverträge geschlossen werden. Laut der Spielordnung des DFB dürfen Amateurfußballer nicht mehr als 250 Euro pro Monat an Auslagenerstattung und/oder Aufwandsentschädigung bekommen. Sobald mehr Geld fließt, müssen sie mit ihrem Verein einen Amateurvertrag abschließen. Mit diesem werden dann auch Steuern und Sozialabgaben fällig. In der Saison 2020/2021 kamen jedoch auf mehr als 700.000 männliche Amateurspieler in Deutschland laut Angaben der 21 Landesverbände des DFB nur rund 8500 Amateurverträge. Im Amateurfußball wird demnach im großen Stil Geld ohne Amateurvertrag verdient.

Was ist in der ARD-Dokumentation "Milliardenspiel Amateurfussball" noch zu sehen?

Ein Mäzen äußert sich ausführlich zu seinem finanziellen Engagement im nordhessischen Amateurfußball. Der Unternehmer erklärt auch, warum in den von ihm unterstützen Vereinen wenig Amateurverträge abgeschlossen werden. Ein Spielerberater, der sich auf Amateurfußballer spezialisiert hat, schildert seine Erfahrungen in dem Geschäft. Ein Lockvogel meldet sich bei zwei Vereinen, stellt sich als potenzieller Neuzugang vor und verhandelt vor versteckter Kamera über seine Bezahlung. Ein Finanzbeamter erklärt, warum es für die Finanzbehörden so schwierig ist, illegale Bezahlmethoden im Amateurfußball zu ahnden. Ein Sportrechtler ordnet die Ergebnisse der Recherche juristisch ein.

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