"2G Plus" - die möglichen Folgen für den Profisport

Zwei Bochumfans zeigen bei der Einlasskontrolle ihren 3G-Nachweis vor

Coronavirus-Pandemie

"2G Plus" - die möglichen Folgen für den Profisport

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine generelle 2G-Regelung für Veranstaltungen inklusive Testpflicht angeregt. Für den Profisport sind Geisterspiele oder kleinere Kapazitäten noch nicht zu befürchten - wohl aber deutlich mehr Aufwand im Spielbetrieb.

Der Vorschlag von Spahn, der aktuell noch geschäftsführend im Amt ist, würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte und Genesene zusätzlich mit einem aktuellen Coronatest Einlass bekommen. "Das ist wieder ein schwerer Schritt. Aber das ist ein Schritt, den wir gehen müssen", sagte Spahn. Der CDU-Politiker kündigte außerdem an, dass er eine Verordnung für die Wiedereinführung kostenloser Coronatests unterzeichnen werde.

Für die Fußball-Bundesliga, die Handball-Bundesliga, die Basketball-Bundesliga oder die Deutsche Eishockey-Liga würde eine wie von Spahn angeregte Neuregelung Folgen haben.

Mehr Aufwand für die Klubs - und für die Fans

Die Klubs in den Ligen müssen sich nach den Corona-Schutzverordnungen in ihren Bundesländern richten. Einige Klubs arbeiten längst mit 2G, andere mit 3G. "2G Plus" würde aber bedeuten, dass am Einlass neben der Impfung auch der Testnachweis kontrolliert werden muss. Ein Mehraufwand, der Zeit kostet und bei der Abfertigung Tausender Fans ein Problem darstellen kann.

Der 1. FC Köln beispielsweise, der seit der Wiederzulassung von Fans in den Stadien konsequent nach der 2G-Regelung verfährt, sieht sich aber grundsätzlich in der Lage. "Wir müssten erst die technische Umsetzbarkeit prüfen, grundsätzlich erscheint das aber möglich. Wir müssten die Einlasssituation ändern, neben dem Impfnachweis auch den QR-Code des Tests kontrollieren und die Drehkreuze entsprechend anders programmieren", sagte Geschäftsführer Alexander Wehrle dem "Kölner Stadt-Anzeiger", sprach aber von einem "weiteren, großen Aufwand".

Den gäbe es auch für die Fans - sie müssten vor jedem Spiel extra zum Test. Das könnte sich auf die Nachfrage auswirken, manche könnten es dann vorziehen, zu Hause zu bleiben.

Alte Mechanismen zurück auf der Tagesordnung

Nun greifen möglicherweise Mechanismen, die viele Menschen in der Vergangenheit wähnten: "Wir brauchen die Ministerpräsidentenkonferenz", sagte Spahn. Bei einem solchen Termin zwischen Bund und Ländern könnte eine Regelung "2G Plus" vereinbart werden, die dann aber erst von den Ländern in ihre Corona-Schutzverordnungen aufgenommen werden müsste, bevor sie bindende Gültigkeit hat. In mehreren Bundesländern gilt bereits 2G.

Der Termin steht auch schon: Donnerstagmittag steht die Videokonferenz an. Das Coronavirus nehme keine Rücksicht darauf, "ob wir gerade eine geschäftsführende Regierung haben oder ob gerade Koalitionsverhandlungen geführt werden", wird Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Ankündigung der Bundesregierung zitiert. "Wir brauchen hier vielmehr wieder eine gesamtstaatliche Kraftanstrengung."

Dramatische Lage: RKI-Chef würde Großveranstaltungen lieber absagen

Pressekonferenz mit Jens Spahn und Lothar Wieler

Pressekonferenz mit Jens Spahn (r.) und Lothar Wieler

Lothar Wieler, Präsident der Robert Koch-Instituts, erinnerte bei der Pressekonferenz mit Spahn an die Tragweite der aktuellen Zahlen. Deutschland vermeldet zurzeit Höchstwerte bei den Neuinfektionen und bei der Inzidenz. "Mehr als die Hälfte der Intensivstationen meldet akute Personalengpässe", warnte Wieler und zog Vergleiche zum Januar 2020. Größere Veranstaltungen dürften nur "mit maximaler Sicherheit" stattfinden: "Am besten wäre es, wenn wir Großveranstaltungen absagen würde, ganz klar." Das RKI schrieb in seinem Wochenbericht zur Pandemie am 11. November: "Das RKI rät dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden."

Dass diese Sätze nun erneut zu Geisterspielen oder sogar zu einer Unterbrechung des Spielbetriebs in den Ligen führen, ist zumindest kurzfristig nicht anzunehmen. Die Sorge davor ist im Sport aber da. "Wenn das so kommen würde, wie es das RKI empfohlen hat, dann würden wir in die Situation zurückfallen, die wir vor ziemlich genau einem Jahr hatten", sagte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, im Deutschlandfunk. In den Niederlanden wurden am Wochenende allerdings Geisterspiele beschlossen. In Österreich gilt ab Montag (15.11.2021) ein Lockdown für Ungeimpfte.

Klar bleibt: Der Sport wird auch in dieser Phase der Pandemie seinen Beitrag zur Eindämmung des Virus leisten müssen. Es ist zu erwarten, dass in Deutschland nach RKI-Zählung bald mehr als 100.000 Menschen an oder mit dem Virus gestorben sein werden.

nch/red/sid/dpa | Stand: 14.11.2021, 13:10

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