Nach Italien-Niederlage Österreich geht trotz EM-Aus als Gewinner

Stand: 27.06.2021 08:16 Uhr

Eine gute Vorrunde gespielt, dann den Turnierfavoriten Italien fast geschlagen: Österreich verabschiedet sich mit viel Stolz von der Euro und richtet bereits den Blick zur WM 2022.

Von Jens Mickler

"Stolz" war das Wort, das gefühlt in keiner Aussage der Österreicher fehlte nach dieser starken Leistung im EM-Achtelfinale gegen die Italiener. "Wir können sehr stolz auf uns sein", sagte Mannschaftskapitän David Alaba. "Die Nation Österreich kann stolz sein, die Mannschaft hat das Land toll präsentiert“, meinte Trainer Franco Foda.

Und kurz vor Mitternacht schickte auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Botschaft, die das Team nach dem Ausscheiden aufbauen sollte. "Danke für dieses großartige Turnier, ein sensationelles Spiel und vor allem für die kämpferische Leistung heute", twitterte Kurz. "Ihr habt bis zur allerletzten Minute alles gegeben. Wir sind stolz auf euch!"

Foda: "Jetzt haben die Kritiker Pause"

Klar, die Österreicher müssen nach dieser 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Italien, nach diesem "heroischen Kampf" ("Die Presse") das Turnier verlassen, aber sie tun es mit einem positiven Eindruck. "Wir wollten Geschichte schreiben, das war unser Motto. Das ist uns eindrucksvoll gelungen", sagte der deutsche Teamchef Franco Foda: "Der Ausgleich wäre über 120 Minuten verdient gewesen. Jetzt haben die Kritiker zwei, drei Wochen Pause."

Der Einzug in die K.o.-Runde war bereits historisch. Dem ersten Sieg bei einer EM-Endrunde (3:1 gegen Nordmazedonien) folgte nach einem 0:2 gegen die Niederlande mit einem 1:0 gegen die Ukraine der erstmalige Einzug ins Achtelfinale. Vor dieser Endrunde hatte Österreich kein EM-Spiel gewonnen und entsprechend nie die Gruppenphase überstanden.

Hadern mit der Abseitsentscheidung

Beim Duell mit Titelanwärter Italien im Londoner Wembley-Stadion hielt der Außenseiter gut mit und hätte dem Spiel mit etwas Glück auch eine andere Wendung geben können, wenn Marko Arnautovic etwa bei seinem sehenswerten Kopfball-Tor in der 64. Minute nicht ein paar Zentimeter im Abseits gestanden oder Stefan Lainer einen Elfmeter nach einem Ellbogenschlag eine Viertelstunde vor Schluss bekommen hätte.

Auch diese Szenen hatte Stürmer Sasa Kalajdzic wohl im Blick, als er sagte: "Ich glaube, das ist nicht nur das grausamste Spiel in meiner Karriere, sondern auch in der gesamten österreichischen Fußball-Geschichte."

Grillitsch: "Jetzt wissen es auch die Italiener"

Immerhin darf sich Sasa Kalajdzic rühmen, mit seinem Tor in der Verlängerung den Italienern doch noch einen Treffer eingeschenkt zu haben, sodass die Zu-Null-Rekordmarke der "Azzurri" bei 1.168 Minuten endete. "Jetzt wissen auch die Italiener, dass wir Österreicher richtig gut Fußball spielen können“, sagte der Hoffenheimer Florian Grillitsch.

Mit dem richtig gut Fuball spielen wollen die Foda-Schützlinge bald weitermachen, wenn es im September in die Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft in Katar geht. Der Start in diese Vorausscheidung war im März missglückt. Mit nur vier Punkten aus drei Spielen und einer 0:4-Heimpleite gegen Dänemark liegt das ÖFB-Team etwas zurück.

Jetzt geht es nach Moldau (1. September), nach Israel (4.) und gegen Schottland (7.). Mit Siegen in dieser September-Woche könnte sich Österreich wieder ins Rennen um Katar bringen. Sollte diese Qualifikation gelingen, gäbe es den nächsten Grund, stolz auf "Unsere Burschen", so der Team-Spitzname, zu sein.