Frauenfußball | Champions League Champions League: Barcelonas Fußballerinnen vor der Wachablösung

Stand: 20.05.2022 07:35 Uhr

Die Fußballerinnen des FC Barcelona stehen erneut im Finale der Champions League und können dort ihren Titel verteidigen. Mit einem Sieg gegen Olympique Lyon wäre die Wachablösung im internationalen Frauenfußball wohl endgültig perfekt.

Der Begriff der Wachablösung ist ja auch im Sport ein wenig schwammig. Wie viele Titel braucht es, um einen anderen Klub sozusagen vom Thron zu stoßen? Die Fußballerinnen von Olympique Lyon beispielsweise haben zwischen 2016 und 2020 fünfmal in Folge die Champions League gewonnen. Im vergangenen Jahr triumphierte dann der FC Barcelona im Endspiel gegen den FC Chelsea.

Am Samstag (21.05.2022) stehen sich beide Klubs jetzt in Turin im Finale gegenüber. Sollte Olympique gewinnen, wäre der Sieg der Barça-Frauen nur eine Eintagsfliege gewesen. Doch holen die Spanierinnen den Cup zum zweiten Mal in Serie und erstmals im direkten Duell mit dem ehemaligen Dauer- und Rekordsieger, dann wäre die Wachablösung wohl perfekt.

Barcelona mit perfekter Saison

Und ein wenig sieht es danach aus. Denn in Spanien spielte der FC Barcelona die perfekte Saison. Der Meister gewann alle 30 Partien. Dabei kassierte das Team nur elf Gegentreffer bei 159 eigenen Toren. Im Schnitt schoss die Mannschaft von Trainer Jonatan Giráldez somit 5,3 Tore pro Spiel

Auch in der Champions League trumpfte die "Blaugrana" mächtig auf. Im Halbfinale gab es daheim einen 5:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg, den Königsklassen-Sieger der Jahre 2013 und 2014.

Die Fußballerinnen des FC Barcelona spielten eine starke Saison.

Ästhetik und Dynamik

Der gefürchteten Offensive um Weltfußballerin Alexia Putellas hatten die "Wölfinnen" nichts entgegenzusetzen. Barcelona besticht durch hohes Tempo und hat ein spektakuläres Umschaltspiel.

Das Team ist durch die Bank technisch perfekt und taktisch geschult, die Spielerinnen machen wenige Fehler und bestechen durch eine Ästhetik und Dynamik, die ihresgleichen sucht. Ein wenig scheint es so, als wären die Frauen des FC Barcelona ihrer Zeit weit voraus.

Alexia Putellas vom FC Barcelona jubelt nach ihrem Treffer gegen Real Madrid

Alexia Putellas vom FC Barcelona

Vorreiter in Sachen Aufmerksamkeit

So sind sie auch Vorreiter, was die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball angeht. Beim Gastspiel der Wolfsburgerinnen waren 91.648 Zuschauer im Stadion Camp Nou. Auch im Viertelfinale gegen Real Madrid waren es mehr als 91.000 Fans.

Das sind Zahlen, von denen deutsche Klubs nur träumen können. "Wir ebnen den Weg für alle kommenden Generationen", sagte Mittelfeldspielerin Aitana Bonmati. Und auch Nationaltorhüterin Almuth Schult vom VfL Wolfsburg zeigte sich beeindruckt: "Da bekomme ich Gänsehaut. Für uns Frauen ist das eine große Belohnung. Es ist genau das, was wir erleben wollen."

Vor der Saison hatte die UEFA der Königsklasse der Frauen mehr Profil verschafft: erstmals Gruppenspiele, mehr Live-Übertragungen, höhere Prämien, eine eigene Hymne.

Doch selbst die Marketing-Experten in Nyon hatten von solchen Champions-League-Abenden wohl nur zu träumen gewagt. Die spanische Sportzeitung "Marca" schrieb von "Festtagen für die Fans des FC Barcelona und für den Frauenfußball allgemein".

Barcelona-Niederlage in Wolfsburg

Zurück zum Finale, in dem Olympique Lyon trotz aller Lobeshymnen natürlich nicht chancenlos ist. Hoffnung darf den Französinnen zum Beispiel das Halbfinal-Rückspiel der Barça-Frauen in Wolfsburg machen. Das gewann der Deutsche Meister mit 2:0 und beendete damit Barcelonas 45 Pflichtspiele andauernde Siegesserie.

Wolfsburgs Lynn Wilms (r) im Duell mit Barcelonas Ana-Maria Crnogorcevic

Wolfsburgs Lynn Wilms (r) im Duell mit Barcelonas Ana-Maria Crnogorcevic

Lyon, das ist zudem auch die pure Final-Erfahrung. Das bekam auch schon Barcelona zu spüren. 2019 gab es in Budapest einen klaren 4:1-Sieg für Lyon, das nicht nur zwischen 2016 und 2020, sondern auch 2011 und 2012 die Königsklasse gewann.

Hegerberg wieder in Form

Olympique kann zudem wieder auf Ada Hegerberg setzen. Die lange verletzte Norwegerin ist wieder fit und nähert sich ihrer Topform an. Den Barça-Frauen ist sie noch in schlechter Erinnerung. Beim Finale 2019 gelang ihr ein Hattrick.

Ada Hegerberg schießt ihr drittes Tor im Spiel gegen den Kosovo

Ada Hegerberg

Und sie schickte schon eine nett formulierte Kampfansage nach Spanien: "Ich freue mich sehr darauf, das ganze Team freut sich darauf. Es wird eines der größten Spiele der Fußballgeschichte werden." Will heißen, dass sich Lyon nicht kampflos von Thron stoßen lässt und es mit der Wachablösung dann vielleicht noch ein wenig dauert.