Uruguays Nationalspieler Diego Godín greift Schiedsrichter Daniel Siebert an

FIFA WM 2022 Siebert von Uruguay bedrängt - Chancen auf weitere Einsätze ungewiss

Stand: 02.12.2022 21:39 Uhr

Schiedsrichter Daniel Siebert hat beim Spiel Uruguay gegen Ghana schwierige Situationen entscheiden müssen. Uruguays Spieler waren wütend - ob das Sieberts Chancen auf weitere Einsätze schmälert, ist unklar.

Siebert, der einzige deutsche Schiedsrichter bei der WM, musste drei schwierige Situationen entscheiden:

  • 17. Minute, Strafstoß für Ghana: Nach einem Eingriff des Video-Assistenten korrigierte sich Siebert von Abseits auf Foulelfmeter für Ghana. Torwart Rochet hatte Kudus gefoult, eine strafbare Abseitsstellung hatte zuvor nicht vorgelegen. Ghana verwandelte den Strafstoß nicht.
  • 57. Minute, kein Strafstoß für Uruguay: Uruguays Darwin fiel im Zweikampf mit Amartey - eine knifflige Situation. Siebert ging zum Monitor, gab aber keinen Elfmeter. Amartey spielte den Ball minimal mit dem Fuß, so zeigte es auch Siebert an. Inzwischen stand es 2:0 für Uruguay.
  • 90.+3 Minute, kein Strafstoß für Uruguay: Ein drittes Mal ging es um eine Elfmeter-Frage. Ein zweites Mal entschied sich Siebert gegen einen Strafstoß - diesmal ohne Monitor. Uruguays Edinson Cavani war im Zweikampf mit Ghanas Seidu zu Fall gekommen.

Für Uruguay war vor allem die dritte die wohl entscheidende Situation. Durch die 2:1-Führung Südkoreas gegen Portugal brauchte Uruguay unbedingt das 3:0 - und erzielte es nicht mehr. Groß war die Wut der Spieler aus Uruguay, die Siebert mit Schlusspfiff bedrängten.

Doppeltorschütze Giorgian de Arrascaeta sagte später: "Wir sind sehr traurig. Es hing am Ende aber nicht von uns ab, weil es andere Faktoren gab." Am Ende stand Uruguays WM-Aus - und auch das von Siebert?

Ghana gegen Uruguay - die Zusammenfassung

Ralf Scholt, Sportschau, 02.12.2022 16:00 Uhr

Lag Siebert daneben? Unterschiedliche Sicht der Experten

Besonders strittig war die dritte Situation. "Bei der WM wurde bislang sehr kontaktfreudig gepfiffen", sagt Sportschau-Experte Lutz Wagner. "Hier weiterspielen zu lassen, ist für mich aber in Ordnung. Cavani stellt sein Bein bewusst in den Laufweg und initiiert damit bewusst diesen Kontakt. Cavani macht das clever, aber Siebert hat es richtig analysiert."

Ähnlich sah es Mike Dean, ehemaliger englischer Schiedsrichter und Experte für den TV-Sender "beIN Sports". "Ein ungeschickter Zusammenprall, nichts Unfaires. Der Schiedsrichter hatte eine gute Sicht, der Video-Assistent hat es geprüft - für mich eine gute Entscheidung", sagte Dean. Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben sagte im Gespräch mit der Sportschau: "Ein Strafstoß wäre wohl kaum beanstandet worden, aber man sieht auch die kleine unnatürliche Bewegung von Cavani."

Völlig anderer Meinung war der ehemalige Schiedsrichter und heutige ZDF-Experte Manuel Gräfe. "Klares Foulspiel an Cavani: am Oberschenkel nur leicht, unten aber klarer Treffer/Tritt in die Wade", schrieb er bei Twitter. Und er stellte infrage, dass Siebert nochmal bei dieser WM zum Einsatz kommt. Die Entscheidung würde "leider dazu führen, dass er kein weiteres Spiel mehr als Schiedsrichter erhalten wird. So ist das Los des Schiedsrichters - erst recht bei einer WM."

Die WM ist Sieberts zweites großes Turnier

Bedeutet das Spiel wirklich das WM-Aus für Siebert? "Daniel Siebert hatte schon zwei Spiele bei der WM, andere Unparteiische hatten noch gar keins. Das zeigt die Wertschätzung, die er genießt", sagt Sportschau-Experte Wagner. Wie die FIFA Sieberts Leistung bewertet, wird sich zeigen. Sollte er nicht mehr berufen werden, wird die FIFA-Schiedsrichterkommission unter der Leitung von Pierluigi Collina allerdings nicht öffentlich begründen, ob das an der Leistung gelegen hat oder daran, dass aus ihrer Sicht nun andere Unparteiische dran waren.

Die Schiedsrichter für die Partien werden von der FIFA immer zwei Tage vorher nominiert, die ersten Berufungen für das Achtelfinale stehen bereits fest. Siebert ist zwar die aktuelle Nummer eins unter den deutschen Schiedsrichtern, aber noch nicht lange ganz oben dabei. Nach der EM 2021 ist die WM 2022 sein zweites großes Turnier. Bei der WM 2018 war noch Felix Brych im Einsatz, der dort nach einer Fehlentscheidung vorzeitig nach Hause geschickt wurde.