Hannover 96 - Borussia M'gladbach 3:0 Hannover bereitet Mönchengladbach nächsten Pokal-Albtraum

Stand: 19.01.2022 20:15 Uhr

Hannover 96 hat Borussia Mönchengladbach den nächsten Albtraum beschert. Wie im Pokal-Finale 1992 behielt der Zweitligist die Oberhand und steht nun hochverdient im Viertelfinale.

Von Christian Hornung

Gleich nach der Auslosung für die Runde der letzten 16 waren in Hannover und Mönchengladbach die alten Geschichten wieder hochgekommen. Vor allem der damalige Pokalheld Jörg Sievers war ein enorm gefragter Gesprächsgast in den vergangenen Wochen gewesen, der Keeper der 96er hatte vor 30 Jahren im Elfmeterschießen die Versuche von Holger Fach und Karlheinz Pflipsen entschärft. Jetzt haben die Hannoveraner neue Helden.

Ohne den letzten Willen

Beim total verdienten 3:0 (2:0)-Erfolg am frühen Mittwochabend (19.01.22) erzielten Maximilian Beier (4. und 51. Minute) sowie Sebastian Kerk (36.) mit einem berechtigten Handelfmeter nach Videobeweis die Tore gegen einen taumelnden Bundesligisten, der erstaunlicherweise angesichts dieser Riesenchance sogar den letzten Einsatz und Willen vermissen ließ.

Dabei war es der Pokal, von dem sich VfL-Manager Max Eberl und Trainer Adi Hütter so sehr versprochen hatten, eine bisher verkorkste Saison wieder in bessere Bahnen zu lenken. In diesem Pokalwettbewerb hatte Gladbach unter anderem Rekordchampion Bayern München eine 5:0-Lehrstunde erteilt - doch diese Gala der Borussia von Ende Oktober wirkt angesichts der momentanen Verfassung wie aus einer anderen Zeit.

Elvedis fatale Hackeneinlage

Hannover hingegen war wild entschlossen, diesen Abend zu einem denkwürdigen zu machen. Schon nach dreieinhalb Minuten landete ein hanebüchener Klärungsversuch per Hacke von Nico Elvedi bei Hendrik Weydandt, der Beier perfekt in die Tiefe schickte - mit einem Kracher in den linken Winkel ließ der Linksaußen der 96er Yann Sommer keine Chance.

Gladbach bekam in der Folge keine Linie in die Aktionen, blieb spielerisch fast alles schuldig - und hätte trotzdem ausgleichen können. Doch Sievers-Erbe Ron-Robert Zieler entschärfte mit einer grandiosen Fußabwehr die Chance von Florian Neuhaus, der nach einem per Kopf von Marcus Thuram abgelegtem Ball frei vor ihm aufgetaucht war (11.).

Friedrich mit klarem Handspiel

Hannover setzte auf der anderen Seite immer wieder Nadelstiche und stellte die Gladbacher Dreierkette, in die Hütter auch den zuletzt aussortierten Matthias Ginter zurückgeholt hatte, vor Riesenprobleme. Zehn Minuten vor der Pause wurde die Gier der Mannschaft von Christoph Dabrowski belohnt, wenn auch mit Verzögerung. Nach einem klaren Handspiel von Neuzugang Marvin Friedrich brauchte Schiedsrichter Florian Badstübner den Videobeweis, ehe er auf Strafstoß entschied - Sebastian Kerk überwand mit etwas Mühe Sommer zum 2:0.

Wie konzeptlos Hütter derzeit agiert, zeigte seine Reaktion in der Halbzeitpause. Thuram und Alassane Plea, denen er nach längerer Pause mal wieder eine Chance von Anfang an gegeben hatte, nahm er schon nach 45 Minuten wieder aus dem Spiel. Neben Breel Embolo brachte er mit Denis Zakaria dafür einen defensiven Mittelfeldspieler - kein Wunder, dass das nicht gerade als Signal zum Sturmlauf bei seiner Mannschaft ankam.

Beier mit der frühen Entscheidung

Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff war die Sache dann endgültig besiegelt: Nach einer eigenen Ecke versagte die Konterabsicherung der Borussen, Linton Maina überlief die Gäste-Defensive und bediente wiederum Beier, der mit einem wunderbaren Schlenzer dem bedauernswerten Sommer erneut düpierte.

Einer ordentlichen Möglichkeit, das Ergebnis zumindest noch erträglich zu gestalten (Zakaria/74.), standen gleich mehrere Chancen der Hannoveraner (Beyer/47., Weydandt/63. und Börner/80.) gegenüber, den unwürdigen Auftritt des VfL noch härter zu bestrafen.

Lars Stindl fassunglos

Gladbach-Kapitän Lars Stindl, früher selbst für Hannover aktiv, war nach Schlusspfiff fassungslos: "Wir nehmen uns soviel vor, fahren hier voller Euphorie hin - und kriegen es dann null auf den Platz. Das müssen wir uns absolut vorwerfen lassen. Wir wissen, in welch prekärer Lage wir uns befinden, von daher sind alle Fragen berechtigt."

Gladbach's Lars Stindl enttäuscht nach dem Abpriff.

Fast schon eine Ohrfeige war das Statement von Hannovers Mittelfeldspieler Kerk: "Es kam überraschend wenig Gegenwehr von Gladbach. Wir hätten durchaus noch das ein oder andere Tor mehr machen können."

Für die Gladbacher geht es am Samstag (22.01.22) zu Hause gegen Union Berlin weiter. Hannover empfängt tags darauf Dynamo Dresden.