Champions League - die neue Realität des FC Barcelona

Ronald Koeman, Trainer von FC Barcelona, schaut seiner Mannschaft während des Spiels zu

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Champions League - die neue Realität des FC Barcelona

Von Reinhard Spiegelhauer (Madrid)

Der FC Barcelona hat Schulden, hohe Schulden, und nun ist auch noch Lionel Messi fort. In der Champions League kommen am Dienstag die Bayern - in Katalonien erinnern sie sich ungerne.

Der Blick auf die Tabelle der spanischen Primera Division ist für Fans des FC Barcelona nicht eben herzerwärmend: Platz sieben vor dem fünften Spieltag. Allerdings haben die Katalanen ein Spiel weniger gemacht. Der Grund dafür ist kurios: Weil beide Mannschaften südamerikanische Legionäre in den Reihen haben, die für ihre jeweiligen Nationalmannschaften spielen sollten, wurde die Partie FC Sevilla gegen FC Barcelona verschoben.

Der spanische Fußballverband hatte sich dagegen ausgesprochen - aber der Sportgerichtshof hat die Entscheidung der Liga abgesegnet. Mit einem Sieg im Nachholspiel wäre der FC Barcelona punktgleich mit Valencia, Real und Atletico Madrid an der Tabellenspitze.

So weit also alles im grünen Bereich - aber man kann nicht sagen, dass im Verein wieder Ruhe eingekehrt wäre, nach dem Weggang von Lionel Messi. Womöglich fragt sich der eine oder andere Fan inzwischen schon, ob die Krokodilstränen des Argentiniers bei seiner Abschiedspressekonferenz nicht arg groß waren. Der Auftritt scheint in der Rückschau eine Spur zu dick, der Jubel in Paris natürlich zu euphorisch. Aber so muss das wohl sein, wenn einer wie Messi gegangen wird.

Barca ohne Messi - ist das noch Barca?

Fans vor dem Camp-Nou-Stadion, wo Barcelonas argentinischer Stürmer Lionel Messi am 8. August 2021 eine Pressekonferenz gab.

Fans vor dem Camp-Nou-Stadion, wo Barcelonas argentinischer Stürmer Lionel Messi am 8. August 2021 eine Pressekonferenz gab.

Der FC Barcelona ist ohne Messi jedenfalls nicht mehr, was er war. Messi war Kopf, Vorlagengeber, Knipser - und er hinterlässt eine Mannschaft, deren Spielweise mehr als zehn Jahre auf ihn zugeschnitten war. Die Sportstatistiker in Spanien entwerfen Diagramme, die die herausragende Bedeutung Messis zeigen, kein anderer großer Name Barcas reicht auch nur annähernd an ihn heran - nicht in der jüngeren Vergangenheit und erst recht nicht im Hier und Jetzt.

Für den Trainer Ronald Koeman ist die Suche nach einem Ersatz eine knifflige. Nicht nur Neuzugang Sergio Agüero ist verletzt, auch Ansu Fati, Ousmane Dembélé und Martin Braithwaite fallen aus. Als Mittelstürmer bleiben nur noch Memphis Depay und Luuk de Jong - zwei Niederländer, die das Vertrauen ihres Landsmanns Koeman genießen.

Und vielleicht stehen diese Namen exemplarisch für eine Entwicklung, die man bei Barca dieser Tage erkennen kann. Barcelona, das ist noch immer ein großer Name im europäischen Fußball. Koeman hat gerade in einem Fernsehinterview in seiner niederländischen Heimat gesagt: "Der FC Barcelona wird immer eine gute Mannschaft sein." Aber auch eine sehr gute?

Gegner FC Bayern - Erinnerungen, die schmerzen

Einen ersten Eindruck davon, wie gut der FC Barcelona wirklich ist, wird man am Dienstagabend (14.09.2021) bekommen können, wenn der FC Bayern in der Champions League zu Gast ist. Und Erinnerungen an die Bayern haben sie in Barcelona keine guten: Vor knapp einem Jahr war der Gegner in diesem Wettbewerb schon einmal der deutsche Rekordmeister, es war das Viertelfinale. Endstand: 2:8 aus Sicht von Barca.

Thomas Müller erzielte an diesem denkwürdigen Abend zwei Tore. Natürlich ist er in den vergangenen Tagen oft auf den nächsten Gegner angesprochen worden. Müller ist keiner, der um Worte verlegen ist, man erlebt ihn auch in Interviews selten ratlos. Doch diesmal wusste auch er nicht weiter. Barca ohne Messi, das sei eine andere Mannschaft, sagte Müller. Er könne die Mannschaft "absolut nicht einschätzen."

Wo steht der FC Barcelona vor dem Champions-League-Start?

Sportschau 13.09.2021 02:44 Min. Verfügbar bis 13.09.2022 ARD


Barcelona hat 1,35 Milliarden Euro Schulden

Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Geld. Das Geld, dessentwegen Messi gehen musste, das Geld, das dem Verein fehlt. "Dem Klub geht es finanziell noch schlechter als wir befürchtet haben", sagte der neue Vereinspräsident Joan Laporta, als er bekannt gab, dass es keinen Vertrag mit Messi geben würde. Kann man so sagen: 1,35 Milliarden Euro Schulden hat Barca.

Trotzdem wehrt sich Barca zusammen mit Real Madrid und Athletic Bilbao gegen das, was die drei Klubs den Ausverkauf der spanischen Liga nennen: das finanzielle Engagement einer Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Gegen die Stimmen der drei Vereine hat sie sich in die Liga eingekauft. Dass der FC Barcelona nicht darauf eingegangen ist, unter anderem Fernsehrechte für eine lange Zeit abzugeben, bringt den Klub um eine eigentlich dringend nötige Finanzspritze. Laut der spanischen Zeitung "Marca" geht es dabei um eine Summe von 250 bis 275 Millionen Euro.

Zugleich betreibt Barca - ironischerweise zusammen mit Erzrivale Real Madrid - das Ende genau des Wettbewerbs, in dem sich nun die Katalanen und Bayern gegenüberstehen. Nach wie vor streben Real, Barca und Juve die Gründung einer Super League an. Übrigens: Für den Start einer Superliga war als Geldgeber angeblich genau die gleiche Beteiligungsgesellschaft vorgesehen, deren Angebot die Katalanen gerade abgelehnt haben.

Stand: 13.09.2021, 16:11

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