Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach am Ball

Gladbacher Wackelkandidat Marcus Thuram - Unterschiedsspieler auf Abwegen?

Stand: 17.08.2022 12:39 Uhr

Marcus Thuram präsentiert sich in diesen Tagen bei Borussia Mönchengladbach wie ein hochambitionierter Neuzugang. Alles scheint zu harmonieren. Es gibt dennoch einen Schönheitsfehler.

Von Jörg Strohschein

Mit dieser Bilanz kann sich Marcus Thuram sicher sehen lassen. Der Angreifer von Borussia Mönchengladbach traf in jedem der drei bisherigen Pflichtspiele dieser Saison und erzielte dabei insgesamt fünf Treffer. Damit ist der 25-Jährige jetzt schon erfolgreicher als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Ganz zu schweigen von seiner spektakulären Hackenvorlage zum Teffer von Teamkollege Jonas Hofmann gegen Schalke 04, die eine spezielle Intuition voraussetzt, die man nicht lernen kann. "Er kann gerne so weitermachen. Er spielt bisher eine sehr gute Runde. Ich bin sehr zufrieden", sagte Borussia-Trainer Daniel Farke nach dem 2:2 bei Schalke 04 über Thuram.

Dass Thuram derzeit solch einen Elan aufweist, dürfte manch einen Kritiker überraschen. Hat der Offensivspezialist doch eine völlig verkorkste Spielzeit hinter sich, in der er vor allem dadurch auffiel, dass bei ihm so gut wir gar nichts funktionierte. Thuram galt in Gladbach schon als Verkaufskandidat, schien seine Fähigkeiten irgendwo zwischen Trainingsplatz und Stadion unauffindbar verloren zu haben. Der Angreifer war im Vergleich zu seiner Anfangszeit in Mönchengladbach kaum wiederzuerkennen.

Thuram nutzt die Vorbereitung

Unter Ex-Trainer Adi Hütter konnte sich Thuram nicht so entfalten, wie er es derzeit unter Farke kann. Zudem setzten ihn ein Innenbandriss im Knie sowie muskuläre Probleme für insgesamt zwölf Bundesligaspiele außer Gefecht. Nun scheint aber alles anders zu sein. Bei den Gladbachern und auch bei Thuram herrschen Aufbruchstimmung. Die Chemie zwischen Spielern und Trainer scheint zu stimmen, speziell auch die zwischen dem Coach und seinem Angreifer. Auch die Gesundheit des Franzosen spielt mit.

Thuram habe die Vorbereitung genutzt, um sich in eine hervorragende Verfassung zu bringen, erläuterte Farke den plötzlichen sportlichen Quantensprung seines Angreifers. "Er ist ein Unterschiedsspieler und wir sind froh, dass wir ihn bei uns haben. Es ist aber auch seine Aufgabe, Woche für Woche abzuliefern", sagte Farke jüngst.

Es macht wohl die Mischung aus Lob und dauerhaftem (Leistungs-) Anspruch durch den Coach aus, die Thuram reizt und offensichtlich dazu veranlasst hat, sich wieder an seine alten Qualitäten zu erinnern: an seine Schnelligkeit, gepaart mit einer besonderen körperlichen Robustheit. Aber auch seine technischen Fähigkeiten, unterstützt durch seine Auffassungsgabe im Spiel mit seinen Kollegen.

Thurams Vertrag läuft aus

Thuram wirkt in diesen Tagen wie ein hochmotivierter Neuzugang, alles scheint nahezu perfekt zu sein bei ihm und dem Zusammenspiel mit der Borussia. Allerdings gibt es in dieser Liaison zwischen dem Klub und dem Franzosen einen Schönheitsfehler. Thurams Vertrag läuft in einem Jahr aus. Und die große Frage rund um die Borussia ist, wie der Verein mit dieser Situation umgehen soll. Denn momentan macht der Angreifer keine Anstalten, ein neues Angebot der Gladbacher anzunehmen.

Soll die Borussia Thuram noch in dieser Transferperiode (1.September) verkaufen und eine Ablösesumme einstreichen? Oder den Vertrag nach der Saison auslaufen und ihn ablösefrei ziehen lassen? Damit würde die Borussia auf vermeintlich viel Geld verzichten.

Hoher Millionenbetrag wäre nötig

"Die Frage beantwortet sich von allein", sagte Sportdirektor Roland Virkus am vergangenen Wochenende. Denn eine allzu große Auswahl an Offensivkräften hat Farke nach dem Verkauf von Breel Embolo nicht mehr zur Verfügung. Es soll ohnehin - unabhängig von der Personalie Thuram - kurzfristig ein weiterer Angreifer an den Niederrhein kommen.

Deshalb müsste es wohl schon ein stattlicher Millionenbetrag sein, den die Borussia angeboten bekommen müsste, um Thuram jetzt noch zu verkaufen. Damit es für Virkus genug finanziellen Handlungsspielraum gäbe, um noch schnellstmöglich einen adäquaten Ersatz besorgen zu können. Ansonsten würde man ihn am Niederrhein wohl gerne im Kader behalten.

Und womöglich überlegt es sich Thuram im Laufe der Zeit ja doch noch - und unterschreibt nochmals bei den "Fohlen". Momentan hätte wohl niemand etwas dagegen.