Leeres Spielfeld und leere Tribünen in der Allianz Arena München

Fußball | Bundesliga Spielabsage wegen Coronafällen - das sind die Regeln in der Bundesliga

Stand: 05.01.2022 12:35 Uhr

Bundesliga-Klubs, denen viele Spieler wegen einer Corona-Infektion oder einer Quarantäne fehlen, können eine Spielabsetzung beantragen. Die Hürden dafür sind allerdings hoch.

Von Volker Schulte

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) würde laut der gültigen Spielordnung einen solchen Antrag ablehnen, wenn dem Klub mehr als 15 Spieler zur Verfügung stehen - darunter mindestens neun Lizenzspieler und darunter wiederum mindestens ein Torwart. Die restlichen Kaderplätze können Amateur- und Vertragsspieler einnehmen, die in der Lizenzmannschaft spielberechtigt sind.

Voraussetzung dafür ist, dass diese Spieler auf der "Spielberechtigungsliste" der DFL stehen. Diese werden allerdings nicht veröffentlicht, eine Bekanntgabe liegt im Ermessen der Klubs. Nach Sportschau-Informationen handhaben die Vereine diese Liste sehr unterschiedlich. Einige melden nur einzelne Jugend- oder Amateurspieler, andere ganze U23-Mannschaften.

Gesperrte und verletzte Spieler gelten als "zur Verfügung stehend"

Wichtig kann außerdem werden, dass die DFL gesperrte und sporttypisch verletzte Spieler als "zur Verfügung stehend" wertet. Gleiches gilt bei Coronainfektionen, die aus grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Verstößen gegen das Hygienekonzept der DFL resultieren. Profis, die für den Afrika-Cup abgestellt sind, gelten dagegen nicht als "zur Verfügung stehend".

Diese Einschränkungen verhindern unter anderem, dass Vereine die Statuten missbrauchen können. Denkbar wäre sonst zum Beispiel, dass ein Klub zwei weitere Spieler vorsätzlich als verletzt meldet, um unter die Grenze von 16 verfügbaren Spielern zu kommen und damit eine Spielverlegung zu erreichen.

Antreten in Unterzahl denkbar

Die Einschränkungen bedeuten allerdings auch, dass Teams mit einer langen Verletztenliste und einem zusätzlichen Corona-Ausbruch unter Umständen antreten müssen, obwohl sie noch nicht einmal elf einsatzbereite Spieler haben. Laut DFL-Spielordnung muss ein Schiedsrichter ein Spiel anpfeifen, wenn jede Mannschaft mindestens sieben Spieler auf dem Feld versammelt hat.

Das ist zwar nur Theorie, aber es gibt auch kuriose Beispiele aus der Praxis. So musste der coronageplagte portugiesische Klub Belenenses Ende November 2021 mit nur neun Spielern gegen Benfica Lissabon antreten, darunter zwei Torhüter, von denen einer im Mittelfeld spielte. Weil nach und nach weitere Spieler verletzt ausschieden, hatte Belenenses in der zweiten Hälfte nur noch sechs Spieler auf dem Feld. Der Schiedsrichter brach die Partie beim Stand von 0:7 ab.

Bielefeld mit zehn Mann gegen Saarbrücken

Inwiefern die DFL ein solches Szenario tatsächlich zulassen würde, ist eine andere Frage. In der Saison 2020/21 hat sie nach eigenen Angaben 17 Anträgen auf Spielverlegungen wegen Erkrankungen von Spielern stattgegeben. Und letztlich ist jeder Antrag eine Einzelfallentscheidung.

Es gibt aus der Historie aber auch ein Beispiel, bei dem ein Zweitligist in Unterzahl antreten musste. Arminia Bielefeld hatte 1986 aus finanziellen Gründen einen kleinen Kader und viele Verletzte. Die Bielefelder begannen gegen den 1. FC Saarbrücken zu zehnt, spielten nach einer frühen Verletzung überwiegend zu neunt und verloren nach großem Kampf am Ende 1:3.

Suche nach neuem Termin

Grundsätzlich gilt bei ausgefallenen oder abgebrochenen Spielen, dass diese spätestens am folgenden spielfreien Dienstag oder Mittwoch nachgeholt werden müssen. In den DFL-Statuten heißt es weiter: "Der DFL e.V. bestimmt einen anderen zeitnahen Nachholtermin, wenn an dem darauffolgenden Dienstag oder Mittwoch übergeordneter Spielbetrieb stattfindet."