Bundesliga - große Kader, hohe Kosten, kleiner Markt

Trainingslager des VfL Wolfsburg

Viele Klubs mit mehr als 30 Spielern

Bundesliga - große Kader, hohe Kosten, kleiner Markt

Von Marcus Bark

Der Branchenführer FC Bayern ist zufrieden, viele Klubs in den beiden Bundesligen haben allerdings noch einen zu großen Kader. Der Transfermarkt liegt (noch) weitestgehend brach, Kreativität ist gefragt, um die Gehaltskosten zu senken.

Stefan Kuntz muss mit 18 Spielern auskommen, darunter drei Torhütern. Der Trainer des Deutschen Fußball-Bundes hat allerdings auch nur ein Olympiaturnier mit maximal sechs Partien zu spielen. Da wird es vermutlich schon irgendwie gehen.

Für eine Saison wäre der Kader gewiss zu schmal, auch wenn Bayern Münchens neuer Trainer Julian Nagelsmann sagt: "Wenn man die Statistik sieht, die letzten Jahre - das ist nicht nur bei Bayern so - dann machen 14, 15 Spieler 90 Prozent der Spiele." Er komme daher etwa drei Wochen vor dem Start der Bundesliga zum Schluss: "Die Kadergröße ist völlig ausreichend."

Keine Vorgaben zur Größe, keine offiziellen Listen

Die Spielordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) enthält gewisse Vorgaben über von Vereinen selbst ausgebildete Spieler und unterscheidet in Lizenspieler, Vertragsspieler und vereinseigene Amateure, aber Angaben über eine Mindestgröße oder maximale Größe eines Kaders fehlen.

Die aktuell tatsächliche Kadergröße dürfte über die "Spielberechtigungsliste" ersichtlich sein. Diese wird allerdings nur den Klubs und nicht öffentlich zugänglich gemacht, und so kommt es, dass verschiedene Angaben kursieren. Die offizielle Seite der beiden höchsten Ligen, bundesliga.de, führt für den FC Bayern 27 Spieler auf, die Homepage der Münchner nur 26. Bei Hertha BSC sind es 26 auf der Seite der Liga, nur 22 auf der des Vereins.

Differenzen gibt es auch bei Borussia Dortmund, aber in beiden Quellen sind es mindestens 32 Spieler, die aufgeführt werden. Das ist ziemlich viel, aber es gibt auch Besonderheiten. So steht Jadon Sancho weiter auf der Liste, dessen Wechsel zu Manchester United vom englischen Klub immer noch nicht offiziell vermeldet wurde. Auch Marcel Schmelzer ist aufgeführt, der beim BVB mittrainiert und aus versicherungstechnischen Gründen nach langer Verletzungspause einen neuen Vertrag erhielt.

Kadergrößen Bundesliga
VereinAnzahl Spieler (laut Vereinshomepage)
FC Bayern26
RB Leipzig30
Borussia Dortmund31
VfL Wolfsburg38
Eintracht Frankfurt33
Bayer Leverkusen30
1. FC Union Berlin33
Borussia Mönchengladbach28
VfB Stuttgart32
SC Freiburg26
TSG Hoffenheim33
1. FSV Mainz 0526
FC Augsburg29
Hertha BSC22
Arminia Bielefeld26
1. FC Köln30
VfL Bochum29
SpVgg Greuther Fürth28
Stand: 22.07.2021, 12 Uhr

Mit dem für Sancho angedachten Ersatz bleiben also weiter mehr als 30 Spieler, angesichts der wegen Corona dramatisch gesunkenen Einnahmen dürfte Sportdirektor Michael Zorc zu Beginn seines letzten Arbeitsjahres ein größeres Interesse daran haben, noch etwas auszudünnen, um möglicherweise Ablösesummen zu kassieren und vor allem Gehälter zu sparen.

Markt liegt weitestgehend brach

Der Markt für gut bezahlte Profis wie Julian Brandt und Nico Schulz liegt allerdings nahezu brach, zumindest jetzt noch. Wie im vergangenen Sommer, könnte sich zum Ende der Transferperiode am 31. August viel mehr tun als nun zwischen Europameisterschaft, Olympia und Saisonstart.

Viele Kader, das zeigen die Tabellen, sind derzeit noch aufgebläht, vielfach durch Leihspieler, die zurückgekehrt sind, aber kaum eine Perspektive bei ihrem aktuellen Klub haben.

Modell Drexler

Dominick Drexler stand fest beim 1. FC Köln unter Vertrag, mit allerdings geringen Chancen auf viel Einsatzminuten unter dem neuen Trainer Steffen Baumgart. Also wechselte Drexler zum FC Schalke 04. Nach Medienberichten wird keine Ablöse fällig, sondern erst eine Prämie, sollten die Gelsenkirchener den Wiederaufstieg schaffen. Angeblich wurde Drexler vom FC abgefunden, um die Gehaltsverluste zu kompensieren.

Das Geld, das dem Kreislauf wegen der fehlenden Zuschauereinnahmen genommen wurde, erfordert kreative Lösungen.

Werders Baumann kündigt "15 bis 20 Transfers" an

In der 2. Liga sind diese drei Wochen länger im laufenden Wettkampfbetrieb gefragt, denn es geht schon am Freitag (23.07.2021) los. Der SV Werder startet einen Tag später mit der Partie gegen Hannover 96 in die Saison. Bei den Bremern führt bundesliga.de 31 Spieler im Kader auf, auf der Homepage von Werder sind es nur 24, auf dem erst am Montag veröffentlichten Mannschaftsfoto sind es 28.

Das Foto wird wahrscheinlich nur noch einen Sammlerwert haben, wenn das Transferfenster geschlossen ist, denn Werders Geschäftsführer Frank Baumann sagte während der Saisoneröffnung: "Ich rechne alles in allem noch mit einer Zahl von 15 bis 20 Transfers bis zum 31. August." Aufgrund der angespannten finanziellen Lage dürften mehr gehen als kommen. "Die Abgänge werden etwas höher sein", so Baumann.

Kadergrößen 2. Liga
VereinAnzahl Spieler (laut Vereinshomepage)
Werder Bremen24
FC Schalke 0431
Holstein Kiel18
Hamburger SV24
Fortuna Düsseldorf27
Karlsruher SC25
SV Darmstadt 9829
1. FC Heidenheim27
SC Paderborn 0731
FC St. Pauli29
1. FC Nürnberg28
FC Erzgebirge Aue27
Hannover 9629
SSV Jahn Regensburg26
SV Sandhausen25
SG Dynamo Dresden31
FC Hansa Rostock28
FC Ingolstadt 0431
Stand: 22.07.2021, 12 Uhr

Während vier Zweitligisten, darunter der wirtschaftlich ebenfalls schwer angeschlagene FC Schalke 04, laut ihrer Homepage 31 Spieler im Kader haben, sind es bei Holstein Kiel nur 18. Allerdings hat diese geringe Zahl einen banalen Hintergrund. Der Kader soll mit neuen Fotos, gerade beim "Media Day" der DFL aufgenommen, so schnell wie möglich aktualisiert werden, sagte ein Sprecher des Klubs. Tatsächlich seien es theoretisch 28 Spieler, aus denen Trainer Ole Werner für das Auftaktspiel beim FC St. Pauli auswählen könne.

Stand: 22.07.2021, 13:36

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