In Hönningen ist am Montag der symbolische Scheck aus Katar übergeben worden

"Sponsoringvertrag" Katars Spende an den Fußballverband Rheinland

Stand: 21.06.2022 07:43 Uhr

Der Fußballverband Rheinland (FVR) hat eine Spende von einer Million Euro aus Katar erhalten, um nach der Flutkatastrophe 2021 Kleinspielfelder für Kinder zu bauen. Der FVR nahm das Geld an - obwohl sein Ehrenpräsident Theo Zwanziger jahrelang im Auftrag Katars von einem ehemaligen CIA-Agenten bespitzelt worden sein soll. Der ebenfalls von der Flut betroffene Fußballverband Mittelrhein betonte, eine solche Spende nicht angeboten bekommen zu haben und dass er sie im Zweifel abgelehnt hätte.

Von Chaled Nahar

Mitte Mai kam der Botschafter Katars im Ahrtal persönlich vorbei. "Vom ersten Moment, als ich von der Situation gehört habe, war ich einer der ersten, der hier angerufen hat", sagte Abdullah Bin Mohammed bin Saud Al-Thani im SWR. Er habe herausfinden wollen, "wo die größten Probleme liegen und wie wir helfen können". Das Ergebnis war eine Spende in Höhe von einer Million Euro an die FVR-Stiftung "Fußball hilft!".

Zu der Spende bleiben aber Fragen. Denn der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger ist einer der größten Kritiker des Landes.

Zwanziger nannte Katar "Krebsgeschwür" - und wurde bespitzelt

Zwanziger bezeichnete Katar 2015 in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk als "Krebsgeschwür des Fußballs", es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Emirat, die Zwanziger gewann. Anfang 2022 wurde zudem durch eine Recherche der Nachrichtenagentur Associated Press bekannt, dass Katar für 10 Millionen US-Dollar einen ehemaligen CIA-Agenten zur Bespitzelung und Beeinflussung auf Zwanziger angesetzt haben soll.

Er saß für den DFB nach der WM-Vergabe als Nachfolger von Franz Beckenbauer von 2011 bis 2015 im FIFA-Exekutivkomitee. Wegen Zwanzigers kritischer Haltung gegenüber dem Emirat soll sein privates und geschäftliches Umfeld ausgespäht worden sein.

Wie passen diese Vorgänge um Zwanziger und die Menschenrechtsverletzungen in Katar mit der Annahme der Spende durch die FVR-Stiftung zusammen? "Die Menschenrechtslage in Katar und der Umgang Katars mit Dr. Zwanziger wurden diskutiert und sind in die Entscheidung eingeflossen", teilte FVR-Präsident Walter Desch der Sportschau mit. "Dr. Zwanziger war bei den internen Diskussionen nicht beteiligt, seine grundsätzliche Einstellung war dem Vorstand allerdings bekannt." Zwanziger sei vom Verband informiert worden, so Desch. "Er sagte, er werde sich zu dieser Spende und der Rolle der Stiftung nicht äußern."

Zwanziger: "Das ist eigentlich ein Sponsoringvertrag"

Zwanziger teilte der Sportschau auf Anfrage mit, dass er die Stiftung 2010 gegründet und das Stiftungskapital aus privaten Mitteln gestellt habe, aber den Gremien nicht mehr angehöre und sich deshalb nicht weiter äußern wolle. "Es ist unschwer feststellbar, welchem Zweck diese 'vermeintliche Spende', die eigentlich ein Sponsoringvertrag ist, in Wirklichkeit dient", so Zwanziger.

FVR-Ehrenpräsident und der Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger

FVR-Ehrenpräsident und der Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger

Gemeint ist wohl eine PR-Maßnahme. Norbert Weise, Vorstandsmitglied der Stiftung, sagte bei der Spendenübergabe dem SWR, dass intern viel diskutiert worden sei. Letztendlich habe man sich für die Annahme des Geldes entschieden. "Weil es eine Hilfe für die Vereine ist. Wir können nicht auf das Geld verzichten", sagte Weise. "Wir sehen das als Sympathiewerbung des Ausrichters der Fußball-WM an. Das hat Deutschland früher auch gemacht und das ist legitim."

Katar steht seit der Vergabe des Turniers in der Kritik. Dabei geht es um die Ausbeutung von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern, die Kriminalisierung von Homosexualität, fehlende Frauenrechte und um die von der US-Justiz festgestellte Korruption bei der Vergabe des Turniers 2010.

Fußballverband Mittelrhein: "Hätten Spende abgelehnt"

Der Fußballverband Rheinland, dessen Stiftung die Spende erhielt, ist einer von 21 Landesverbänden des DFB und organisiert den Spielbetrieb im nördlichen Rheinland-Pfalz. Neben dem FVR waren auch der Fußballverband Mittelrhein (FVM) und seine Vereine im Süden Nordrhein-Westfalens schwer von der Flutkatastrophe betroffen. Gab es auch eine Spende Katars an den FVM, der der Heimatverband des aktuellen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf ist?

"Dem Fußball-Verband Mittelrhein lag und liegt keine offizielle Anfrage bezüglich einer Spende aus Katar vor", teilte der FVM auf Anfrage der Sportschau mit. "Im Falle einer Anfrage hätte der FVM ein etwaiges Angebot abgelehnt. Sponsorings müssen mit den Werten und Grundsätzen der FVM-Satzung, die im FVM gelebt und vertreten werden, vereinbar sein." Eine Anfrage der Sportschau an eine zuständige PR-Agentur Katars, ob in Deutschland weitere Spenden geplant sind und welchem Zweck sie dienen, blieb unbeantwortet.

DFB und Norwegens Verband wollen Druck auf FIFA und Katar verstärken

Sportschau, 11.04.2022 00:00 Uhr

Reisen nun Mädchenteams aus Rheinland-Pfalz nach Katar?

Der FVR teilte bei der Bekanntgabe der Spende auf seiner Website mit, dass mit dem Fußballverband Katars eine fußballerische Zusammenarbeit mit gemeinsamen Trainingscamps und Turnieren angedacht sei. Neben der bestehenden Zusammenarbeit mit Ungarn, Norwegen und Ruanda könne nun "Katar als erstes arabisches Partnerland, auch mit dem Austausch von Mädchenmannschaften, hinzukommen", sagte FVR-Präsident Desch. Katars Botschafter bin Saud Al-Thani fügte hinzu: "Ich freue mich bereits sehr auf das erste gemeinschaftliche Trainingscamp."

Ob, wann und in welcher Altersklasse Mädchenteams aus dem FVR nach Katar reisen oder Gäste aus dem Land des WM-Gastgebers empfangen werden, wurde noch nicht bekannt. Das Thema sei bisher nur kurz angesprochen worden, teilte Desch auf Nachfrage mit. "Es ist weder eine Grundsatzentscheidung dazu getroffen worden noch wurde über Einzelheiten gesprochen."