DFB-Team Lena Oberdorf - Jahrhundert-Talent mit Bodenhaftung

Stand: 07.07.2022 13:58 Uhr

Über viele Positionen in der deutschen Startelf ist diskutiert worden, von der Torhüterin bis zur Mittelstürmerin. Lena Oberdorf ist im zentralen Mittelfeld gesetzt. Dass die Wolfsburgerin erst 20 ist, merkt man ihr nicht an - zumindest nicht auf dem Platz.

Von Florian Neuhauss (London)

2019 debütierte Oberdorf bei der WM - mit gerade einmal 17 Jahren. Ein halbes Jahr später wurde sie, ebenfalls noch als Spielerin der SGS Essen, mit dem hoch angesehenen NxGn-Award als beste Nachwuchsspielerin der Welt ausgezeichnet. Als sie im folgenden Sommer zum VfL Wolfsburg wechselte, bezeichnete sie auch Sportchef Ralf Kellermann als "eines der größten Talente im weltweiten Frauenfußball".

Oberdorf wurde vom DFB die Fritz-Walter-Medaille in Bronze (2018), Silber (2019) und Gold (2020) verliehen. Zudem wählten die Fans sie zur besten Nationalspielerin des Jahres 2020.

Was macht es mit einer jungen Frau, wenn sie immer wieder als Jahrhundert-Talent bezeichnet wird? "Das freut mich natürlich. Aber entscheidend ist, was auf dem Platz passiert. Ich habe nichts davon, wenn alle auf mich gucken, aber dann gibt es gar nichts zu sehen", bleibt Oberdorf auf dem Boden.

Ich habe nichts davon, wenn alle auf mich gucken, aber dann gibt es gar nichts zu sehen.
Lena Oberdorf

Expertin Künzer: Ein "unfassbares" Talent

Wer die Abräumerin beim VfL Wolfsburg und in der Nationalmannschaft - am liebsten vor der Abwehr - in Aktion sieht, würde nicht auf die Idee kommen, dass da eine 20-Jährige in den ersten Jahren ihrer Profikarriere unterwegs ist. "Es ist unfassbar, wie präsent sie schon mit 17 gewesen ist", sagt auch Sportschau-Expertin Nia Künzer. "Und mittlerweile hat sie dazu noch viel Erfahrung."

Oberdorfs Körperlichkeit kann sich kaum eine Gegenspielerin entziehen. Künzer würde sich wünschen, die 20-Jährige würde manches Mal ein bisschen weniger aggressiv in die Zweikämpfe gehen: "Gelbe Karten können in einem Turnier wehtun."

Kapitänin Huth: "Obi ist ein Phänomen"

Aus den Plänen, mal in der Nationalmannschaft reinzugucken oder nach ihrem Wechsel aus Essen in Wolfsburg erst mal reinzuschnuppern, ist nichts geworden. "Der Plan ist anders aufgegangen", sagt "Obi" und lacht. Sowohl in Wolfsburg als auch in der Nationalmannschaft ist sie rasend schnell zur Stammspielerin geworden - gerade wegen ihres robusten Spielstils.

Ein "Phänomen" nennt sie Teamkollegin Svenja Huth: "Sie hat auf dem Platz eine Reife und eine Konstanz in ihren Leistungen, die jeder Mannschaft guttut."

Erfolgsgeheimnis: Arbeit mit Individualtrainer

Oberdorf selbst weiß einerseits, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg "viel von mir erwartet und ganz Deutschland auf mich schaut". Auf der anderen Seite würden einer 20-Jährigen sicher auch eher mal Fehler verziehen. Aber: "Ich bin die Letzte, die mir Fehler zugesteht."

Auch deshalb absolviert sie neben den Einheiten im Club extern auch noch Individualtraining. "Das hat mich extrem weitergebracht", berichtet die Profifußballerin aus dem südlichen Ruhrgebiet. "Ich bin mittlerweile viel ruhiger mit dem Ball am Fuß, ich habe durch die Arbeit das Gefühl bekommen, viel mehr Zeit zu haben."

Abgezockt auf dem Platz, verplant daneben

So abgezockt Oberdorf auf dem Platz daherkommt, so verplant und tollpatschig ist sie allerdings daneben. Als die Spielerinnen kürzlich im Mannschaftskreis die "Finals" im Ersten anschauten, wunderte sich Oberdorf nach eigener Aussage länger darüber, dass so viele deutsche Athletinnen und Athleten zu sehen waren. Dann wurde sie darüber aufgeklärt, dass es sich um deutsche Meisterschaften in verschiedenen Sportarten handelt ...

Huth findet: "Neben dem Platz merkt man schon manchmal noch das Alter. Aber so soll es ja auch sein. Man darf nie vergessen, dass sie erst 20 Jahre alt ist. Sie hat auf jeden Fall noch einen großen, tollen Weg vor sich."

Vertrag beim VfL Wolfsburg bis 2025 verlängert

Diesen wird Oberdorf in den kommenden Jahren auf Vereinsebene im Wolfsburger Trikot weitergehen. Am Donnerstag (07.07.22) verlängerte sie ihren Vertrag beim Double-Sieger bis 2025. Ihr ursprünglicher Kontrakt war noch bis 2024 datiert. "Mein Ziel ist es, die Zukunft des VfL Wolfsburg langfristig mitzugestalten. Von daher habe ich nicht lange überlegen müssen, frühzeitig für ein weiteres Jahr zu unterschreiben. Auch wenn wir in der letzten Saison zwei Titel gewonnen haben, sind wir noch lange nicht am Maximum angekommen", sagte die Nationalspielerin.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Sportschau | 06.07.2022 | 20:15 Uhr