Hans-Joachim Watzke mit Bernd Neuendorf

Nach dem Bierhoff-Aus BVB-Boss Watzke neuer Aufräumer beim DFB?

Stand: 05.12.2022 23:52 Uhr

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat Hans-Joachim Watzke als Fachmann an seine Seite geholt, prompt räumt Geschäftsführer Bierhoff seinen Stuhl. Wird Watzke der große Aufräumer im Verband?

Hans-Joachim Watzke hatte einen exklusiven Blick, als sich die nächste Fußball-Baustelle direkt vor seinen Augen auftat. Der 63-Jährige saß beim WM-Scheitern der Nationalmannschaft gegen Costa Rica im dunklen DFB-Anzug mit den vier Weltmeistersternen entsetzt auf der Ehrentribüne des Al-Bait-Stadions - und nur wenige Stunden später hatte er eine weitere bedeutende Rolle im deutschen Fußball inne. 

Auch die Zukunft von Flick ist jetzt unklar

Eigentlich sollte Watzke der vierte Mann in einer prominenten Runde sein, in der laut Medienberichten am Mittwoch (07.12.2022) über die Zukunft des deutschen Fußballs gesprochen werden sollte.  Doch dazu wird es in dieser Form nicht mehr kommen, da in der Personalie Oliver Bierhoff bereits am Montagabend die Konsequenzen aus dem deutschen Scheitern gezogen wurden.

Beim DFB wurden nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase bei der WM 2022 in Katar Konsequenzen gezogen. Der Vertrag von Oliver Bierhoff, dem Geschäftsführer der Nationalmannschaften, wurde vorzeitig aufgelöst. mehr

Der 54-jährige DFB-Direktor verlässt nach 18 Jahren den Deutschen Fußball-Bund, beide Parteien verständigten sich auf eine Auflösung des bis 2024 laufenden Vertrages. Neuendorf, Watzke, Bierhoff und Bundestrainer Hansi Flick wollten sich ursprünglich zu einer eingehenden Analyse treffen. Wie es mit der Aufarbeitung nun weitergeht und wie die Zukunft von Flick aussieht, bleibt zunächst unklar.

Bierhoffs Vertragsauflösung "war zu erwarten"

Marcus Bark, Sportschau

Spekulationen um DFL-Chefin Donata Hopfen

Watzke ist zum einflussreichsten Fußball-Manager hierzulande aufgestiegen. Auch wenn er selbst "in solchen Kategorien nicht denke", wie er im Sommer sagte. In dieser Woche könnte sich jedoch die wahre Bedeutung offenbaren, die der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, 1. DFB-Vizepräsident und Aufsichtsratschef der DFL in sich vereint.

Räumt Watzke womöglich zeitgleich im Amateur- und Profilager auf? Bierhoff ist nun nicht mehr in verantwortlicher Position beim DFB tätig. Bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) steht Donata Hopfen als Vorsitzende der Geschäftsführung nach nicht einmal zwölf Monaten vor der Ablösung. Die 46-Jährige soll das Vertrauen des von Watzke geführten Aufsichtsrates verloren haben. Angeblich ist eine Doppelspitze als Interimslösung im Gespräch.

"Einfluss hatte ich auch vorher schon"

Es gibt also gerade richtig viel zu tun für Watzke, der sich "nicht aufgedrängt" hatte für die Jobs jenseits seines BVB: "Einfluss hatte ich vermutlich auch vorher schon, jetzt trage ich Verantwortung. Das ist der Unterschied." Bierhoff stand im Gegensatz zum erst vor 16 Monaten angetretenen Bundestrainer Flick für den fast durchgängigen sportlichen Abwärtstrend der Nationalmannschaft seit dem WM-Triumph 2014.

"Leider habe ich mit drei schlechten Turnieren keine Argumente", sagte Bierhoff selbst mit leiser Stimme nach dem nächsten WM-Vorrunden-Aus in Katar. 

Wer kommt jetzt?

Flick, sollte er denn im Amt bleiben, könnte nun ein sportlicher Leiter zur Seite gestellt werden, eine Art Manager, wie es Bierhoff in seinen DFB-Anfangsjahren war. Ein Weltmeister mit öffentlicher Strahlkraft wie zum Beispiel Sami Khedira? Über Bierhoff-Nachfolger wurde unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Trennung spekuliert, unter anderem ploppte sehr schnell der Name von Hertha-Sportchef Fredi Bobic auf.

Watzke wie einst Rummenigge?

Vielleicht wird aber auch Watzke dauerhaft enger an die Nationalelf angebunden. So etwas gab es schon in früheren Krisenzeiten. Karl-Heinz Rummenigge wurde nach dem EM-Debakel 2000 DFB-Teamchef Rudi Völler als Task-Force-Chef an die Seite gestellt.

Auch Uli Hoeneß sprang schon ein

Und im Frühjahr 2006, als nach einem 1:4 gegen Italien alle um den Erfolg bei der Heim-WM fürchteten, wurde die "Task Force" neu belebt, mit Bayern-Manager Uli Hoeneß als Sprecher der Vereine. Hoeneß hatte in Florenz - wie Watzke jetzt in Katar - das Länderspiel als Tribünengast verfolgt.