Corona-Impfungen: Fußball-Werbeaktion mit Widersprüchen

So wie Simon Zoller sollen alle Zweitligaspieler ihren Ärmel hochkrempeln

Corona-Impfungen und Coronafälle

Corona-Impfungen: Fußball-Werbeaktion mit Widersprüchen

Von Frank Hellmann

Am zweiten Spieltag der 2. Bundesliga sollen die Spieler demonstrativ beim Einlaufen den rechten Trikotärmel aufkrempeln, um für die Bedeutung von Impfungen zu werben. Dabei gehen offenbar einige Klubs und Akteure selbst nicht mit gutem Beispiel voran, wie neueste Coronafälle zeigen.

Vermutlich muss die Prozedur bei einigen Kickern erst noch eingeübt werden. Ärmel aufkrempeln ist zwar eine gängige Floskel im Fußball-Milieu, aber deswegen ist der Handgriff nicht automatisiert wie das Hochziehen der Stutzen oder das Richten der Scheinbeinschoner. Doch schon am zweiten Spieltag der 2. Bundesliga sollen alle Spieler beim Einlaufen wirklich den rechten Trikotärmel hochkrempeln.

"Damit soll auf die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufmerksam gemacht werden", teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag (29.07.2021) mit. Durch kreative Impfangebote zum Beispiel in Zusammenhang mit Spielen oder Trainingseinheiten hätten sich schließlich zahlreiche Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga für eine höhere Impfbereitschaft eingesetzt.

Saison beginnt mit Spielabsagen

So gut die Aktion gemeint ist, so widersprüchlich wirkt sie dennoch, weil sich gerade wieder die Coronafälle im deutschen Fußball häufen. Offenbar ist die Impfbereitschaft der Spieler auch nicht so hoch wie sie sein sollte, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Obwohl die Saison in zweiter und dritter Liga begonnen hat und die 7-Tage-Inzidenz vergleichsweise niedrig ist, hat es erste Spielausfälle gegeben. Wie viele Akteure wirklich schon geimpft sind, darüber machen weder die DFL noch ihre Klubs aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes irgendwelche Angaben.

Tim Meyer warnte bereits Ende Mai

Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer, zugleich Vorsitzender der medizinischen Task Force Profifußball, die das weltweit gerühmte Hygienekonzept entworfen hat, ließ vor dem EM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft Ende Mai durchklingen, dass er gerne so viele Spieler wie möglich durchgeimpft hätte, aber der Fußball habe sich nicht vordrängeln wollen ("Wir reden hier von Nationalspielern mit einer entsprechenden Verantwortung, die die Impfpriorisierung dort, wo sie gilt, nicht ignorieren sollten"). Ein Teil der EM-Spieler hatte zum damaligen Zeitpunkt aber zumindest die Erstimpfung hinter sich.

Teamarzt Meyer: "Zu gefährlich, Spieler während der EM zu impfen" Sportschau 28.05.2021 00:17 Min. Verfügbar bis 28.05.2022 Das Erste

In Darmstadt sind geimpfte Spieler betroffen

Warum wurde die Sommerpause nicht genutzt, jetzt wo die Priorisierung aufgehoben ist, um durchgängig alle Berufsfußballer in den ersten drei Profiligen zu impfen? Wurde das Problem für die neue Saison womöglich unterschätzt? Am schwersten ist aktuell der Drittligist MSV Duisburg betroffen: Auch die für Freitag vorgesehene Partie gegen den TSV Havelse ist vom Deutschen Fußball-Bund abgesagt worden.

Die Mannschaft und das Trainerteam des MSV befinden sich in Quarantäne. Bei gleich drei Duisburger Spielern waren positive Befunde aufgetreten. Auch den Zweitligisten SV Darmstadt 98 hat es erwischt, die Partie beim Karlsruher SC (Freitag 18.30 Uhr) wird aber dennoch ausgetragen. Die Lilien müssen mit einem Mini-Kader auskommen.

Nachdem bereits in der Vorwoche drei Spieler positiv auf das Virus getestet wurden und danach fünf weitere Profis in Quarantäne geschickt werden mussten, gab es vier weitere positive PCR-Befunde. Betroffen sind Erich Berko, Mathias Honsak, Tim Skarke und Tobias Kempe. Den Spielern gehe es den Umständen entsprechend, sie wiesen keine bis mittlere Symptome auf, twitterten die Hessen. Unter ihnen befinden sich nach Klub-Angaben auch Geimpfte.

In Frankfurt trifft es den ungeimpften Ajdin Hrustic

Aber in der Regel erkranken die ungeimpften Sportler, wie das Beispiel Eintracht Frankfurt zeigt. Am Donnerstag hat der hessische Bundesligist den Coronafall von Ajdin Hrustic publik gemacht. Der Mittelfeldspieler wies am Mittwochmorgen Erkältungssymptome auf, sodass umgehend eine Covid-19-Testung veranlasst wurde. Diese brachte beim australischen Nationalspieler ein positives Ergebnis hervor. "Hrustic ist einer der letzten Spieler im Eintracht-Kader, die sich bislang noch keiner Impfung unterziehen konnten", teilte der Verein mit.

Der 25-Jährige würde über leichte Symptome klagen und befinde sich in häuslicher Isolation. Aufgrund der großen Durchimpfung innerhalb des Teams und der frühzeitigen Testung sowie Separation des Spielers gebe es aktuell keinerlei weiteren positiven Fälle zu beklagen.

Es wäre nur logisch, wenn der deutsche Profifußball bei der Impfbereitschaft mit bestem Beispiel vorangeht. Zumal die wichtigste deutsche Liga-Organisation zu der Initiative Profisport Deutschland gehört, die mehr als 80 Städten und Gemeinden Unterstützung bei der Umsetzung von weiteren Impfangeboten im Umfeld von Sportveranstaltungen angeboten hat. Insgesamt wollen Fußball, Handball, Basketball und Eishockey die Impfquote der Bevölkerung erhöhen - und davon bei der Rückkehr der Zuschauer selbst profitieren.

Klubs pochen auf Eintritt für geimpfte Zuschauer

Denn schließlich pochen die ersten namhaften Bundesligaklubs vehement darauf, dass die Geimpften unabhängig von der Inzidenz in die Stadien zurückkehren. Vor allem die erst vor drei Wochen von der Politik beschlossene Kopplung an die Fallzahlen ist vielen ein Dorn im Auge. "Noch immer gilt die Inzidenz als Richtwert für die Zulassung von Zuschauern. Und damit fühlt es sich so an, als würden wir auf der Stelle treten", schrieb Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche in einem "Kicker"-Gastbeitrag: "Mit Entscheidungen dieser Art wird es unmöglich sein, den Profisport und die Veranstaltungsbranche dauerhaft am Leben zu halten."

Die Furcht vor der vierten Welle hat den Profifußball, der ab einer Inzidenz von 35 an den Austragungsstätten und einem "nicht klar eingrenzbaren" Infektionsgeschehen maximal 5.000 statt 25.000 Fans in die Arenen lassen darf, voll erfasst. Dass die Klubs den Druck auf die Politik erhöhen, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Die fast anderthalb Jahre dauernde Ära der Geisterspiele hat finanzielle Spuren hinterlassen. Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund warnt:  Wenn die Politik nur auf Inzidenzen schaue und relativ lange nur vor ein paar Tausend Zuschauern gespielt werden könne, "dann werden ein ganze Menge Klubs in richtige Schwierigkeiten kommen“.

mit sid, dpa | Stand: 29.07.2021, 16:23

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