DFB-Machtkampf wird zum Problem für Löw

Nationaltrainer Joachim Löw

Zukunft als Bundestrainer

DFB-Machtkampf wird zum Problem für Löw

Einen Tag, nachdem der DFB einen "Fahrplan" veröffentlichte, nach dem die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw entschieden werden soll, kam ein interessantes Detail heraus. Dass der DFB die Kommunikationshoheit in der Causa Löw verlor, ist nur eines der Probleme, in denen der Verband steckt.

Möglicherweise feilt die Kommunikationsabteilung des Deutschen Fußball-Bundes derzeit wieder an einer Pressemitteilung, die sich mit der Zukunft des Bundestrainers beschäftigt, ohne dass sie den Namen Joachim Löw erwähnt. Das wäre dann die dritte in den Tagen nach der 0:6-Niederlage der Nationalmannschaft in Spanien (17.11.2020).

Von einer proaktiven Kommunikation ist der DFB in diesen Tagen jedenfalls so weit weggewesen wie die deutschen Spieler in Sevilla von ihren Gegnern. Mit den beiden bisherigen in der Causa veröffentlichten Mitteilungen bestätigte der Verband nur Meldungen von "Bild."

Medien kommen dem DFB erneut zuvor

Das Boulevard-Portal kam auch am Dienstag (24.11.2020) wieder exklusiv mit einer interessanten Meldung heraus, die Löws Zukunft betrifft. So soll der Bundestrainer nun doch persönlich vortragen dürfen, wie er die Nationalmannschaft nach dem Debakel von Spanien wieder so hinbekommen will, dass sie bei der Europameisterschaft im Sommer 2021 das Halbfinale erreicht. Das, so sagte es DFB-Präsident Fritz Keller, sei das "Minimalziel".

Bislang hieß es, dass Oliver Bierhoff, Löws Vorgesetzter als Direktor für die Nationalmannschaften, bei einer Präsidiumssitzung am 4. Dezember für den Bundestrainer berichtet.

Keller soll als Präsident des DFB wie auch Vizepräsident Peter Peters nun aber schon zu einer "kleinen Runde" gehören, die sich im Vorfeld mit Löw treffen soll. Nach Informationen der Sportschau stimmt diese Meldung der "Bild". Weiter erfuhr die Sportschau, dass auch Bierhoff zu dieser Runde gehören soll.

Der DFB wollte keine Stellung zu der Meldung beziehen. So bleibt es offiziell bei dem "Fahrplan", nach dem am 4. Dezember in großer Runde mit dem gesamten Präsidium gesprochen und später entschieden wird.

DFB ist nur vom Namen her ein Bund

Das Problem: Der DFB ist nur vom Namen her ein Bund. Es tobt vor allem ein heftiger Machtkampf zwischen Präsident Keller und dem weiterhin krankgeschriebenen Generalsekretär Friedrich Curtius.

Der fünfköpfige Präsidialausschuss - neben Keller und Curtius gehören die Vizepräsidenten Rainer Koch und Peters sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge dazu - ist zerrissen. Der DFB räumte in einer Pressemitteilung selbst "interne Dissonanzen" ein. Vizepräsident Koch und Schatzmeister Osnabrügge werden dem Curtius-Lager zugeordnet.

Selbst wenn der zweite Vizepräsident Peters zu Keller halten sollte, hätte der Präsident im Präsidialausschuss eine Mehrheit gegen sich. Das ist für Löw insofern höchst relevant, weil Keller bei seiner Wahl die sogenannte "Richtlinienkompetenz" samt Verantwortlichkeit "für die Belange der Nationalmannschaft" aus der Satzung gestrichen wurden.

Jetzt ist dort Widersprüchliches zu lesen. Laut Paragraph 34 untersteht dem Präsidium als Ganzes "die Personalauswahl hinsichtlich des Bundestrainers". Aber: In Paragraph 35 heißt es: "Dem Präsidialausschuss sind folgende Angelegenheiten übertragen: Personalangelegenheiten der Direktoren, des Bundestrainers (…)."

Löw muss zwei Gremien überzeugen

Löw sollte demnach beide Gremien überzeugen, falls er denn gewillt ist, weiter Bundestrainer zu sein. Zu hören ist, dass es keine Anzeichen für einen möglichen Rücktritt gibt. Aber noch stehen die direkten Gespräche aus.

Keller gilt als einer der Unterstützer von Löw. Der Präsident gab bei der Deutung der historischen 0:6-Niederlage noch vor Ort mit seiner Kabinenansprache die Richtung vor - und versuchte, Löw zu schützen. So sind jedenfalls die kolportierten Aussagen vom "einmaligen Blackout" oder "Katastrophentag" zu werten.

Bierhoffs Rolle ist weiterhin unklar

Weniger klar ist die Rolle von Bierhoff, der Löws Zukunft entscheidend mit beeinflusst. Seine Aussage vor dem Spanien-Spiel, er gehe Löws Weg "bis einschließlich der EM" mit, wurde ihm als Absetzbewegung ausgelegt. Nach der Pleite betonte der Direktor: "Das Vertrauen ist voll da." So oder so - auch diese Beziehung steht nach 16 gemeinsamen Jahren vor der Zerreißprobe.

Nagelsmann über Nationalmannschaft: "Wird tendenziell nur schlecht geschrieben" Sportschau 19.11.2020 01:02 Min. Verfügbar bis 19.11.2021 Das Erste

sid/bark | Stand: 24.11.2020, 12:22

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