Oppositionsführerin begrüßt IOC-Sanktionen gegen Lukaschenko

Swetlana Tichanowskaja

Interview mit Swetlana Tichanowskaja

Oppositionsführerin begrüßt IOC-Sanktionen gegen Lukaschenko

Von Katja Garmasch und Robert Kempe

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja glaubt, dass die Menschen in ihrer Heimat froh über die IOC-Sanktionen gegen Präsident Lukaschenko sind. Sie fordert vom Eishockey-Weltverband eine Absage der für Mai geplanten WM in Belarus.

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat die Sanktionen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegen Alexander Lukaschenko als Präsidenten des belarusischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) begrüßt. "Ich denke, es ist ein schwerer Schlag für ihn persönlich und ein großer Reputationsschaden, da er jetzt auch im Sport als Persona non grata gilt. So unschön es auch klingt, die Menschen in Belarus sind froh über die Entscheidung", sagte Tichanowskaja in einem Interview mit der ARD-Sportschau.

Tichanowskaja : "Keine Eishockey-WM in Belarus"

Das IOC hatte am Montag auf seiner Exekutivsitzung entschieden, führende Funktionäre des NOK von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Olympischen Spiele in Tokio auszuschließen. Darunter den langjährigen Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko, der seit 23 Jahren auch höchster Sportfunktionär in Belarus ist, und seinen Sohn Viktor, der als NOK-Vizepräsident die Geschäfte der Organisation führt. Das IOC begründete die Entscheidung damit, dass die NOK-Führung belarusische Athleten nicht ausreichend vor politischer Diskriminierung innerhalb der Sportorganisation des Landes geschützt habe.

IOC schließt Lukaschenko von olympischen Aktivitäten aus

Sportschau 07.12.2020 01:29 Min. Verfügbar bis 07.12.2021 ARD Von Markus Tepper


Tichanowskaja forderte außerdem die Internationale Eishockey Föderation, IIHF, auf, die für Mai geplante Eishockey-WM nicht in Belarus stattfinden zu lassen. "Natürlich ist es nicht schön, den Menschen ein Sportfest wie die Eishockey-WM zu nehmen. Aber von was für einem Fest kann die Rede sein, wenn auf jeden Eishockeyspieler, der zu uns kommt, fünf politische Häftlinge kommen", so Tichanowskaja. Der Entzug der WM wäre "ein persönlicher Schlag gegen Diktator Lukaschenko, weil Eishockey sein liebstes Hobby ist", das würden die Menschen verstehen, erkärte Tichanowskaja gegenüber der ARD-Sportschau.

Eigentlich hatte IIHF-Präsident René Fasel zusammen mit dem Generalsekretär des Verbandes in dieser Woche das Gespräch mit Lukaschenko in Minsk suchen wollen. Aufgrund von Covid-19 Infektionen der Eishockey-Spitzenfunktionäre wurde das Treffen abgesagt.

Repressalien auch gegen Athleten

Tichanowskaja, die bei den Präsidentschaftswahlen im August gegen Lukaschenko angetreten war, fürchtet trotz der Sanktionen des IOC weiterhin Repressalien gegen Demonstranten und Sportler. "Lukaschenko hat nur ein Mittel: den Terror. Ich habe keine Hoffnung mehr, dass er aufhört, sein eigenes Volk zu verfolgen." Dennoch sei es wichtig, dass Belarus nun die Aufmerksamkeit der Sport-Öffentlichkeit habe, so die 38-Jährige weiter, die von der Opposition als Präsidentin des Landes anerkannt wird und gezwungenermaßen aus dem litauischen Exil ihre Arbeit gegen Lukaschenko fortsetzt.

Gut 1.600 Personen, darunter Sportler, Trainer und Funktionäre, hatten sich in den vergangenen Monaten in einem offenen Brief gegen Lukaschenko ausgesprochen und seinen Rücktritt sowie Neuwahlen gefordert. Seitdem gab es immer wieder Berichte, dass Athleten festgenommen und von Nationalmannschaften ausgeschlossen wurden. Außerdem wurde vielen die finanzielle Unterstützung entzogen.

Thema in der Sportschau am Sonntag, 13.12.2020, 18.30 Uhr im Ersten

Belarus - Diktatur auch im Sport Sportschau 30.08.2020 32:46 Min. Verfügbar bis 30.08.2021 Das Erste

Stand: 08.12.2020, 14:10

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