Magdeburg, Jena, Mannheim - weiter Ärger um Drittliga-Start

Streit wegen Saisonfortsetzung: Die gespaltene 3. Liga Sportschau 23.05.2020 04:42 Min. Verfügbar bis 23.05.2021 Das Erste

Klubs kontra DFB

Magdeburg, Jena, Mannheim - weiter Ärger um Drittliga-Start

Magdeburg und Jena wollen nicht spielen, Mannheim fordert Geld zurück - um den Drittligastart am 30. Mai gibt es weiter viel Ärger zwischen dem DFB und einigen Klubs.

Logo der 3. Liga

Nach einer nicht durchführbaren Corona-Testreihe hat Fußball-Drittligist 1. FC Magdeburg beim Deutschen Fußball-Bund die Verlegung seiner ersten Punktspiele beantragt. Das teilte der Klub am Samstag (23.05.2020) mit. Demnach verlangt Magdeburg ein zweiwöchiges Mannschaftstraining, der Spielbetrieb für den Klub soll frühestens am 11. Juni beginnen. In Sachsen-Anhalt gilt noch bis 27. Mai ein Mannschaftstrainings- und Wettkampfverbot.

Testreihe konnte nicht durchgeführt werden

"Die erste Testreihe konnte am Freitag nicht durchgeführt werden, da das vom DFB gestellte Labor uns mitteilte, dass derzeit alle Testkapazitäten erschöpft sind und frühestens am Montag eine Testreihe stattfinden kann: Dadurch geraten wir in Zeitprobleme", sagte Magdeburgs Leiter Spielbetrieb Matthias Kahl. Die Fortsetzung der Liga am 30./31. Mai sei entsprechend nicht haltbar. "Bei allen hinlänglich bekannten Vorbehalten - der 1. FC Magdeburg war und ist für einen Re-Start der Liga bereit, was voraussetzt, dass für alle Klubs zumindest annähernd vergleichbare Startbedingungen gegeben sind. Das ist heute noch nicht der Fall", sagte Geschäftsführer Mario Kallnik.

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Die Frage der Fortsetzung der 3. Liga hatte zuletzt für heftige Diskussionen gesorgt. Am Donnerstag hatte der DFB entschieden, dass der Spielbetrieb am letzten Mai-Wochenende wieder aufgenommen werden soll. Insgesamt elf Spieltage stehen noch aus, bis zum 4. Juli sind ausschließlich Englische Wochen geplant.

Jena stellt sich quer

Gegen den DFB stellt sich auch weiter die Stadt Jena. Fußball-Drittligist Carl Zeiss Jena und Frauen-Bundesligist FF USV Jena dürfen von der Stadt jedenfalls weiter nicht auf eine Ausnahmegenehmigung zur Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs hoffen. Das machte der Leiter des Krisenstabs der Stadt, Benjamin Koppe, nochmals deutlich. Demnach habe das Gesundheitsamt der Stadt analysiert, dass diverse Punkte des DFB-Hygienekonzeptes im Ernst-Abbe-Sportfeld derzeit nicht umsetzbar seien, sagte CDU-Politiker Koppe der "Ostthüringer Zeitung".

Die Thüringer Landesregierung hatte im Zuge der Coronakrise die Ausübung von professionellem Mannschaftssport bis zum 5. Juni untersagt. Carl Zeiss muss sich unter Umständen ein Ausweichstadion suchen. Koppe kritisierte den DFB für sein Vorgehen. "Die Regeln während einer Pandemie stellen Regierungen und Gesundheitsbehörden auf, nicht der DFB", sagte er. Nachbesserungen am Ernst-Abbe-Sportfeld kämen aufgrund des bald anstehenden Umbaus nicht infrage. Zudem kündigte Koppe Quarantänemaßnahmen an, falls Spieler bei einem Auswärtsspiel mit Infizierten in Kontakt kommen.

Waldhof Mannheim fordert Geld zurück

Derweil fordert der SV Waldhof Mannheim vom DFB nun Kosten in fünfstelliger Höhe zurück. Rund eine Woche vor dem geplanten Neustart hat der Tabellenzweite dem Verband nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Samstag eine Rechnung über 21.000 Euro geschickt, eine weitere über etwa 58.000 Euro soll in den nächsten Tagen folgen.

Dabei beruft sich der SVW auf eine Verordnung des Landes Baden-Württemberg. "Wir haben die Kosten für Desinfektionsmaterial, Masken und Arbeitszeit für den Hygienebeauftragten und seine beiden Assistenten weitergereicht", sagte Geschäftsführer Markus Kompp der dpa. Der jeweilige Hygienebeauftragte ist in den Klubs für die für den Spielbetrieb regelmäßig erforderlichen Corona-Testungen bei Spielern und Trainerteam zuständig.

Quarantäne-Trainingslager soll der DFB bezahlen

"Die Kosten für das Konzept (.), insbesondere für die Testungen (.), trägt die für die Durchführung des Wettbewerbs- oder Wettkampfbetriebs verantwortliche Organisation", heißt es in der Verordnung hinsichtlich der Durchführung von sportlichen Wettkämpfen und Wettbewerben, auf die sich der Klub beruft.

DFB kontert: Vereine müssen zahlen

Die Waldhöfer werden die Kosten für das Quarantäne-Trainingslager, das Mannschaft, Trainer und Funktionsteam am Sonntag beziehen und das etwa 58.000 Euro kostet, ebenfalls an den Verband weiterreichen, wie Kompp ankündigte.

Der DFB reagierte umgehend. Am 15. Mai sei nach Abstimmungen zwischen dem baden-württembergischen Kultus- und Sozialministerium seitens beider Behörden bestätigt worden, dass die Kosten der mit dem Hygienekonzept verbundenen Maßnahmen von den einzelnen Vereinen zu tragen sind, hieß es vom Verband am Samstag.

Viktoria Köln: Kritik am DFB

Auch die Verantwortlichen von Viktoria Köln haben deutliche Kritik an den Umständen der Saison-Fortsetzung in der 3. Liga und am DFB geäußert. "Wir haben immer gesagt, dass wir eine Entscheidung auf dem grünen Rasen wollen", sagte der sportliche Leiter Marcus Steegmann in einem Video auf dem eigenen Youtube-Kanal der Kölner: "Aber dass am Vatertag fast eine Ad-hoc-Entscheidung des DFB gekommen ist, hat uns schon überrascht." Der Viktoria-Tross werde nun am Sonntag in ein Kölner Hotel umziehen, "aber der Sinn, jetzt sechs Tage in Quarantäne zu gehen und dann wieder raus, erschließt sich mir nicht ganz", erklärte Steegmann.

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oja/sid/dpa | Stand: 23.05.2020, 14:47

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